Burg l Am vergangenen Montag kehrten die Schülerinnen und Schüler nicht zurück auf die Schulbank. Die Eindämmungsverordnung sieht Distanzunterricht vor, um vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Ausgenommen sind nur die Abschlussklassen der jeweiligen Schulen. Das gilt bis zum 31. Januar, mit einer Verlängerung ist zu rechnen.

Hannah-Fabienne Junge ist Vorsitzende des Kreisschülerrates und erlebt das Homeschooling nun schon zum zweiten Mal. „Im Frühjahr lief das Homeschooling recht reibungslos“, sagte die Clausewitz-Sekundarschülerin im Gespräch mit der Volksstimme. Die Lehrer hätten die Aufgaben in eine Cloud gestellt, die mussten dann ausgedruckt und abgearbeitet werden. Rückfragen konnten den Lehrern per E-Mail gestellt werden.

Anlaufprobleme mit neuem Portal

Nun ist die Schule auf die Plattform Moodle umgestiegen. Und die sei verbesserungswürdig. „Nicht alle Schüler bekommen einen Zugriff darauf“, sagte sie. Ein virtuelles Klassentreffen habe in dieser Woche auch nicht stattfinden können. Die Kreisschülersprecherin erlebt zwar zum zweiten Mal Schule zu Hause, aber diesmal ist es anders. Als Zehntklässlerin ist sie nämlich auf dem Weg zum Schulabschluss und daher alle zwei Tage tatsächlich in der Schule. An den anderen Tagen simuliert sie, dass sie im Klassenraum sitzt, arbeitet die Aufgaben nach Stundenplan ab, um sie nicht zum Ende der Woche aufzuhäufen.

„Ich glaube, mit den bevorstehenden Prüfungen ist es schon sinnvoll, den Stoff regelmäßig zu bearbeiten“, meinte sie. Einen genauen Fahrplan für die Prüfungen gebe es noch nicht. Die Vorprüfungen seien für den März anberaumt, in welcher Form sie stattfinden, hänge sicherlich auch mit den dann geltenden Einschränkungen zusammen.

Spontane Online-Konferenzen

Mit der Plattform Moodle arbeitet auch Emil Kahl, der die fünfte Klasse im Genthiner Bismarck-Gymnasium besucht. Seine Schwester Alma besucht ein Gymnasium in Brandenburg an der Havel. Dort wird Microsoft Teams genutzt und die Schülern kommen wie an einem richtigen Schultag zwischen 8 und 16 Uhr Aufgaben, die sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu lösen haben. Gelegentlich gibt es spontane Online-Konferenzen der Klasse und auch Partner-Übungen mit direktem Online-Kontakt zu einzelnen Mitschülern. „Ab und an müssen wir Eltern nur mal bei technischen Problemen einspringen oder wenn eine Aufgabe nicht gleich verstanden wird“, erzählt ihre Mutter Bianca Kahl.

Insgesamt sei die Situation für sie nicht ganz so unnormal wie vielleicht für andere Familien. „Das Prinzip Homeoffice ist uns seit vielen Jahren vertraut und somit auch der Umstand, dass Wohnen und Kinderbetreuung mit der Arbeit verschwimmen und wir keine klaren, auch keine uhrzeitlichen, Grenzen ziehen können, sondern immer das tun, was im Moment am dringlichsten ist. Wir sind alle vier zu Hause und haben sowohl mit unseren Berufen als auch mit unseren Arbeitsbedingungen das große Glück, dass dies ohne Weiteres so möglich ist“, führte Bianca Kahl aus.

Eine Frage des Vermittelns

Die Fördervereine unterstützen die Schulen auch mit Technik, beispielsweise der Förderverein des Genthiner Bismarck-Gymnasiums. Allerdings hat das nicht unbedingt etwas mit der aktuellen Situation zu tun. „Außer zwei Laptops, die wir vor einigen Jahre angeschafft haben und die ich persönlich Anfang 2020 aufgerüstet und auf den aktuellsten Stand gebracht habe, tragen wir als Verein aktuell nichts dem Distanzunterricht bei“, sagte Vereinsvorsitzender Sebastian Eckold. Die Laptops dürfen durch die Schüler auch temporär mit nach Hause genommen werden, um dort damit arbeiten zu können. Dem einen oder anderen Kollegen stehe er persönlich und bei technischen Problemen zur Seite in diesen schwierigen Tagen.

„Wie schwierig es für die Eltern wird, hängt sicherlich auch mit dem Alter der Kinder zusammen“, meinte Guido Eisbein, der im Landeselternrat sitzt. Seine ältere Tochter hat im vergangenen Jahr am Burger Roland-Gymnasium Abitur gemacht, die Jüngere besucht dort die 8. Klasse. Da laufe es fast von selbst. Schwieriger sei das aber sicherlich bei Grundschülern. Eltern seien eben zumeist keine Pädagogen, könnten Lernstoff nicht so vermitteln wie Lehrer. „Und manche Lösungswege sind heute auch anders als vor 30, 35 Jahren“, fügte er hinzu.