Corona

Impfzentrum bleibt bis Ende September

Der Höhepunkt der Nachfrage nach Impfterminen im Burger Impfzentrum ist überschritten. Das hat Impfzentrumsleiter Thomas Barz festgestellt. Dennoch verderbe in der Stadthalle kein Impfstoff.

Von Thomas Pusch
Ende Dezember hat die Impfkampagne des Landkreises begonnen. Laut Impfzentrumsleiter Thomas Barz sind gut 30 Prozent der Menschen im Jerichower Land komplett geimpft.
Ende Dezember hat die Impfkampagne des Landkreises begonnen. Laut Impfzentrumsleiter Thomas Barz sind gut 30 Prozent der Menschen im Jerichower Land komplett geimpft. Foto: dpa

Burg - Es war fast so etwas wie ein Hilferuf. In der vergangenen Woche forderte der Landkreis Börde offensiv dazu auf, einen dezentralen Impftermin zu buchen. Nicht einmal ein Drittel der zur Verfügung stehen den Termine sei gebucht. So drohte Impfstoff zu verderben. Im Jerichower Land lässt sich zwar auch ein Rückgang des Impfinteresses feststellen, Impfdosen seien aber noch nicht verfallen. „Vielleicht zwei Spritzen seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember“, sagte Impfzentrumsleiter Thomas Barz am Montag im Gespräch mit der Volksstimme.

In der vergangenen Woche habe man festgestellt, dass die Impftermine nicht mehr so schnell weggehen wie zuvor. Er hat dafür mehrere Erklärungen. Zum einen sei die Impfquote im Landkreis sehr hoch. Die Gesamtzahlen habe der Landkreis nicht mehr, da die Ärzte ihre Impfungen nun direkt dem Robert-Koch-Institut melden. Barz geht aber davon aus, dass deutlich mehr als 50 Prozent der Bewohner des Jerichower Landes ihre Erst-, etwa 30 Prozent ihre Zweitimpfung erhalten haben. Durch die hohe Impfbereitschaft und die daraus resultierenden Quoten sei es auch möglich gewesen, wieder auf eine Null bei den Neuansteckungen zu kommen.

Ein großer Vorteil sei gewesen, für Unternehmen und Betriebe Sondertermine zur Verfügung zu stellen, an denen sich zahlreiche Menschen impfen lassen konnten. Dass es nun mehrere Tage so gut wie keine Neuansteckung im Jerichower Land gegeben hat, halte aber dann auch wiederum Menschen davon ab, sich impfen zu lassen.

Zwei grundsätzliche Weisungen seien vom Land erlassen worden, die den Rhythmus der Impfkampagne bestimmen. So dürfe die Fristen zwischen Erst- und Zweitimpfungen nicht abgekürzt werden. So habe es jüngst den Fall einer Dame gegeben, die schon drei Wochen früher ihre Zweitimpfung haben wollte, weil sie eine Urlaubsreise geplant hatte. Die nahende Ferienzeit sieht Barz auch als einen möglichen Grund für die nachlassende Impfnachfrage. Möglicherweise passe das nicht zu den Fristen, und mancher entscheide sich dann dafür, den Impftermin nach dem Urlaub wahrzunehmen.

Die zweite Weisung besagt, dass der Impfstoff erst ab dem 16. Lebensjahr gespritzt werden darf. Bei den Jugendlichen gebe es allerdings eine hohe Impfbereitschaft, auch die Eltern hätten ein Interesse daran, dass ihre Kinder geimpft werden. Barz würde sich wünschen, dass auch 12- bis 16-Jährige geimpft werden dürfen.

Rekordtag mit1300 Impfungen

„Der Höhepunkt ist überschritten“, stellte er fest, „heute haben wir 700 Zweitimpfungen, das ist ein normaler Tag.“ Im Durchschnitt seien es 500 Impfungen täglich im Impfzentrum. Es gebe durchaus aber auch Ausreißer nach oben. So seien es an einem Tag in der vorletzten Woche 1300 Personen an einem Tag gewesen. Das habe sich dadurch ergeben, dass sich nicht alle taggenau an ihren Termin gehalten hatten. 1300 sei eine Zahl, die weder für die Besucher noch die Mitarbeiter des Impfzentrums leistbar sei. Die Maximalkapazität sieht Barz bei 800 bis 1000 Impfungen. Es habe jedenfalls an den mauen Tagen noch am Abend über einen niedergelassenen Arzt die Möglichkeit gegeben, gegen Corona zu impfen.

Planmäßig soll das nicht mehr allzu lange in der Stadthalle geschehen. „Die Verträge vom Bund zur Finanzierung der Impfzentren laufen am 30. September aus“, erklärte Barz. So könne die Stadthalle ab 1. Oktober wieder ihre üblichen Aufgaben erfüllen. Die letzte Veranstaltung hatte am 15. März vergangenen Jahres mit dem Ausverkauf des Inventars stattgefunden. Es war gleichzeitig nach etwas mehr als vier Jahren der Abschied von Pächterin Janin Niele. Am 20. März gab sie den Schlüssel und damit die Stadthalle zurück in den Verantwortungsbereich der Stadt. Mit Veranstaltungsmanagerin Anke Düsterhöft wurde im Mai eine neue Leiterin gefunden, doch Veranstaltungen waren durch die Corona-Maßnahmen noch lange nicht in Sicht. Dann bekam die Stadthalle eine neue Funktion.

Noch keine Entscheidungzu Drittimpfungen

Anfang Dezember wurde bekanntgegeben, dass die Stadthalle das Impfzentrum für das Jerichower Land werde. Umfangreiche Maßnahmen waren notwendig. Im Restaurantbereich entstand die Registrierungszone, im Foyer der Wartebereich. Das Parkett des großen Saals wurde mit PVC-Belag bedeckt, zum Schutz und aus hygienischen Gründen, denn dort wurde der eigentliche Impfbereich mit mehreren Straßen aufgebaut. Ein großes Festzelt im Innenhof der Stadthalle wurde aus Ruhebereich aufgestellt.

Ende Dezember diente das Zentrum noch als Ausgangspunkt für die mobilen Impfteams, die in die Altenpflegeeinrichtungen tätig wurden und war Lagerplatz für Material und vor allem den Impfstoff von Pfizer-Biontech, der bei minus 70 bis 80 Grad gekühlt werden muss. Mitte Januar begannen dann die Impfungen im Impfzentrum selbst.

Die Diskussion um eine mögliche Drittimpfung mit Pfizer-Biontech nach sechs Monaten ist auch im Jerichower Land bekannt. Noch gibt es dazu keine Entscheidung. Zunächst wäre auch die Prioritätengruppe an der Reihe, die Ende Dezember begonnen wurde, Ende dieses Monats also die dritte Impfung bekommen müsste. Dies würde allerdings dezentral, sprich in den Einrichtungen und nicht im Impfzentrum erfolgen. „Unser Zeitplan sieht vor, dort in der Woche ab 9. August die letzten Erst-, ab 20. September die letzten Zweitimpfungen vorzunehmen“, so der Zentrumsleiter.

Seit zwei Wochen bekommen dort die vollständig Geimpften auch einen digitalen Impfausweis mit auf den Weg. Ob die vorher Durchgeimpften den tatsächlich zugeschickt bekommen, ist noch nicht entschieden. Bislang bleibt der Weg zur Apotheke.