Burg l „Es ist für alle klar, dass die Arbeit nicht nur zur Sicherung des Lebensunterhalts dient. Es ist viel mehr. Die Arbeit bestimmt unsere Identität“, machte Mariola von Ditfurth-Siefken vom „Weltclub“, einer Migranten-Organisation in Burg, deutlich. Für Migranten sei es schwer, in Deutschland eine Arbeit zu finden. Aber Arbeit sei wichtig. Mariola von Ditfurth-Siefken: „Arbeit bestätigt besonders bei Migranten, dass sie für die Gemeinschaft von Nutzen sind und von anderen Menschen gebraucht werden. Arbeit für Migranten ist der beste Beweis der Integration.“ Das Projekt soll auch ein Zeichen dafür sein, dass man sich um Integration bemühe.

Die Gründe, warum die meisten Migranten in Deutschland keine Arbeit finden, sind vielschichtig. „Oft hakt es an der fehlenden oder adäquaten Ausbildung. Manche Migranten glauben, sie sind schon zu alt für eine Ausbildung“, erklärt Mariola von Ditfurth-Siefken. Dazu komme dann noch das Sprachproblem. Am Anfang, so Mariola von Ditfurth-Siefken, sind alle noch positiv eingestellt. Nach ein bis zwei Jahren denken sie aber schon anders. „Sie lernen, wie bürokratisch Deutschland ist.“

Berufe nicht anerkannt

Einige Berufe, die die Migranten in ihrer Heimat erlernt haben, werden in Deutschland nicht anerkannt. Bei anderen unterscheiden sich die Ansichten aus den Herkunftsländern mit denen in Deutschland. Ein Beispiel ist der Friseurberuf. In Deutschland ist er für alle möglich. Männer, die keine Frauen berühren wollen, können diesen Beruf in Deutschland nicht ausüben. Die syrische Ausbildung für den Friseur wird in Deutschland nicht anerkannt. So möchte der 19-jährige Outan zum Beispiel Informatiker werden, der 29-jährige Mohamad Friseur und der 30-jährige Khirallah Elektroniker. „MiiDU“ soll ihnen dabei helfen. Mit dem Projekt soll nun den Migranten eine Möglichkeit geboten werden, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

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Thi Hoang Ha-Vu vom Landesnetzwerk Migrantenorganisation Sachsen-Anhalt (LAMSA) und Lisa Hartmann von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) erörterten das Projekt. Gesucht werden noch Patenschaften, zum Beispiel Familien, die die Migranten unter anderem bei Wegen zum Amt, zum Arzt oder zur Schule begleiten und unterstützen.

Das Projekt bietet duale Ausbildungsmöglichkeiten für Migranten im Alter von 18 bis 35 Jahren. Voraussetzung ist, dass sie weder in ihrer Heimat oder in Deutschland einen Beruf erlernt haben oder ihr Beruf in Deutschland nicht anerkannt wird. Über die Anerkennung des Berufes entscheidet die Caritas Magdeburg.

Nachhilfe in Deutsch

Voraussetzung für die Ausbildung sind Deutschkenntnisse der Klasse B1/B2. Niemand im SKZ-Saal kann das vorweisen. Dabei sind die Migranten bereits zwischen fünf Monaten und fünf Jahren in Deutschland. Die Migranten können den Kurs für B1 zum Beispiel ab September an der Theologischen Hochschule Friedensau belegen. Die Fahrtkosten werden erstattet. Und Tina Lendert möchte Nachhilfestunden in Deutsch geben.

Weitere Voraussetzungen für die Teilnahme an dem Projekt sind ein gesicherter Aufenthaltsstatus und ein Wohnsitz in Sachsen-Anhalt. Lisa Hartmann: „Wir helfen, einen Beruf zu finden. Für über 35-Jährige gibt es eine Vermittlung in andere Projekte.“ Bei der dualen Ausbildung werden die Migranten von einem Unternehmen angestellt und sie ist kostenlos für die Migranten, Unternehmen und Eltern.

Der Ablauf gliedert sich in drei Abschnitte. Nach dem Erlernen der Sprache (B1) absolviert man ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum, bei dem kein Geld verdient wird. Daran schließt sich die Ausbildung über zwei bis dreieinhalb Jahre an. Mariola von Ditfurth-Siefken: „Ab hier habt ihr nichts mehr mit dem Jobcenter zu tun und verdient Geld.“ Zum Abschluss muss eine Prüfung abgelegt werden. Die beiden Übersetzerinnen Leila und Isra sorgten dafür, dass die Migranten alles Gesagte verstanden und auch Fragen stellen konnten. Die ersten Migranten suchten nach Abschluss der Veranstaltung gleich den Kontakt zu Thi Hoang Ha-Vu und Lisa Hartmann.

Weitere Informationen unter www.daa-magdeburg.de und www.lamsa.de