Burg l Die Linde am Anfang der Magdeburger Promenade sieht zumindest am Fuße des Stammes mit der Einhöhlung nicht mehr so gesund aus. „Der Eindruck täuscht allerdings“, sagt Wieland Günther, Grünflächen- und Baumexperte der Stadtverwaltung, nach einem kurzen Blick. Drumherum gibt es keine Faulstellen, der offene Bereich ist gut verwachsen. Einen Grund, den Baum zu fällen, gebe es nicht. „Er wird auch noch so manchen Sturm überstehen“, schätzt der Fachmann. Er schaut noch eine Weile nach oben in den Kronenbereich und auf dem Protokoll wird der grüne Haken gesetzt. Dazu gibt es noch ein paar Bemerkungen, die sich dann später im städtischen Baumkataster wiederfinden. Auch Rembert Schreiber vom städtischen Bauhof sieht für die Linde noch eine gute Zukunft. Nach fünf Minuten zieht das Duo zum nächsten Baum in der Promenade. Eine Aufgabe, die viel Zeit bindet, aber unbedingt sein muss. Turnusmäßig müssen im Rahmen der Baumschau rund 6000 Bäume in der Kernstadt und den sechs Dörfern begutachtet werden. Hinzu kommen in den kommenden Wochen noch 500 bis 600 auf den Flächen von Kindergärten, Schulen und weiteren städtischen Einrichtungen. Nicht nur der Zustand ganz allgemein ist wichtig, auch die Tatsache, ob nicht trockene Äste Fußgänger oder Autofahrer gefährden könnten. „Das würde verheerende Folgen haben“, meint Günther.

Mindestens ebenso wichtig ist diesem Zusammenhang jedoch die Frage, wie das kommunale Grün das dritte Dürrejahr überstanden hat. Auch wenn etwas mehr Regen gefallen ist, hat es das wertvolle Nass nicht bis in zum Grundwasserpegel geschafft. „Wenn dieser Zustand anhält, wird es erst richtig schlimm“, sagt Günther.

Birken und Fichten sterben

Trotz allem aber haben die zum Teil alten Stadtbäume mit ihren tiefen Wurzeln noch immer Feuchtigkeit ziehen können und so dem Sommer getrotzt. Ob Linden, Eichen oder Säulenhainbuchen, auf die die Stadt bei Neuanpflanzungen zunehmend zurückgreift –, sie sind überwiegend immer noch vital. „Wir sind insgesamt gesehen noch einmal gut davongekommen“, urteilt Günther. Lediglich die Birken als typische Flachwurzler „sterben nach und nach ab. Sie können kein Wasser fassen“. Diese Baumart wird aus dem Stadtbild sowie auf dem Friedhof und in den Dörfern verschwinden. Ebenso wie die Fichten auf dem Ostfriedhof. „Glücklicherweise“, sagt Günther, „hat die große Fällaktion von etwa 200 Bäumen im vergangenen Jahr gefruchtet.“ Der Borkenkäfer habe sich in diesem Sommer doch nicht mehr so stark ausgebreitet, so dass nur 20 abgestorbene Fichten registriert werden konnten. „Das ist noch normal. Denn es hat sich ausgezahlt, dass wir 2019 alle befallenen Bäume schnellstmöglich beseitigt haben“, so der Experte.

Das hat die Stadt dagegen im angrenzenden Bürgerholz mit der ungleich großen Fläche nicht vollständig geschafft. Ein Harvester war zwar über Monate mit Fällarbeiten im Einsatz, der Käferbefall aber an vielen Stellen gleichzeitig stark. Die mehr als 900 Hektar große Fläche ist nicht Bestandteil der Baumschau, wird aber trotzdem regelmäßig durch Günther und Revierförster Andreas Vogel vom Landeszentrum Wald kontrolliert. „Der Stadtwald ist schließlich die grüne Lunge Burgs mit einem hohen ökologischen Wert“, sagt Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth.