Möckern l So mancher Möckeraner wird sich verwundert die Augen gerieben haben, als zehn schmucke Motorradfahrer mit ihren Harley-Davidsons eine Ausfahrt durch Möckern machten. Die kurze Tour mit einem Stop am Rathaus gehörte zum Rahmenprogramm der kleinen Feier unter Corona-Bedingungen. Gemeinsam mit ihren Frauen und einigen geladenen Gästen feierten die Bikerfreunde das Jubiläum.

„Wir wollten einfach was von der Welt sehen“, macht Siegfried Sedlak deutlich, welchen Hintergrund die Motorradtouren haben. Der Möckeraner ist mit seinen 73 Jahren das aktuell älteste Mitglied. Roland Koop ist mit 57 Jahren der Jüngste. Das Durchschnittsalter der Truppe liegt bei rund 60 Jahren. Zur Bikertruppe gehören außer den beiden noch Bruno Pinkes, Lutz Gentz, Helmut Schulz (alle Möckern), Peter Henneberg, Heiko Belwe (beide Bleiche/Wolmirstedt), Gerd Dietrich (Glindenberg), Frank Zielinski (Stegelitz) und Achim Krause (Hohenziatz). Die Tour zum Garda-See startete in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie eine Woche später als sonst. Genächtigt wurde in diesem Jahr nicht wie sonst im Zelt, sondern in einem Landhaus.

120.000 Kilometer in Gemeinschaft

Die „Eisen-Ärsche“ sind alles Hobbyfahrer, die schon zu DDR-Zeiten eine Maschine besaßen. Die Touren gehen in der Regel über neun Tage. Eine Ausnahme gab es aber. Die Tour nach Bulgarien dauerte zwölf Tage. Angefangen haben sie 2001 mit acht bis zehn Teilnehmern. Im vergangenen Jahr waren sie mit zehn, in diesem Jahr mit acht Leuten unterwegs. Siegfried Sedlak: „Nur mit meinen Touren in Gemeinschaft bin ich in den letzten 20 Jahren rund 120.000 Kilometer gefahren.“ Rechnet man die gefahrenen Kilometer aller Tour-Teilnehmer zusammen, kommt man auf mehr als eine Million Kilometer. Natürlich gab es auch mal Pannen. Es ist aber nie etwas passiert. In Tschechien wurde die Truppe aber mal bestohlen. Die Touren wurden alle selbst finanziert.

Bilder

Begonnen hat es mit der Bikertruppe aus Ost- und Westelbien mit Achim Krause aus Hohenziatz, als er mit seinem Kumpel Rolf Tuchen im Jahr 1998 mit dem Motorrad einen Ort in Frankreich besuchte. Diese große Bikerfahrt reizte dann auch andere. „Im darauf folgenden Jahr waren es schon acht Biker, die Achim Krause zusammen hatte, um in einen schönen Bikerurlaub nach Südfrankreich in die Ardeche zu starten“, erinnert sich Bruno Pinkes. Man war voll bepackt mit Zelt, Luftmatratze, Schlafsack und Verpflegung. Bruno Pinkes: „Es war für uns die große weite Welt, die wir mit dem Motorrad bereisten.“ Es waren aber auch Strapazen, bei Sonne, Regen und Wind so viele Kilometer zu fahren und dabei immer wachsam zu sein.

Um die 1000 Kilometer am ersten Tag zu fahren war auf den Touren keine Seltenheit. 20 Jahre Bikergruppe „Eisen-Ärsche“ bedeuteten 20 Motorradziele in Europa. Die Stärke der Bikergruppe schwankte zwischen sechs und elf Mitfahrern. Zunächst übernahm es Achim Krause, die Touren rauszusuchen und zu führen. Später übernahm dann Peter Henneberg diese Aufgabe.

Wie die "Eisen-Ärsche" entstanden

Als die Bikertruppe nach ein paar Jahren von einer Frankreich-Tour zurückkehrte, wurde bei Bikerfreunden im Schwarzwald eine Rast eingelegt. Dort berichteten sie von ihren vielen gefahrenen Kilometern. Die Schwarzwälder, die noch nie in kurzer Zeit so viel gefahren waren, staunten nicht schlecht und meinten: „Na, ihr müsst ja einen Arsch aus Eisen haben.“ Und so kam die Bikertruppe zu ihrem Namen. Siegfried Sedlak: „Seitdem nannten wir uns ,Eisen-Ärsche Deutschland’“. Sie schafften sich T-Shirts an und verewigten auf dem Rücken die Tour-Daten. Ihre Frauen tragen ebenfalls T-Shirts mit dem Namen des Mannes.

Nie vergessen werden die Bikerfreunde ihren verstorbenen Kumpel Reinhard Krüger aus Hohenziatz. Er war viele Jahre begeistert von den Touren, spielte mehrere Instrumente. An den feucht-fröhlichen Abenden fand er immer etwas, wie er mit seiner Musik und Texten den Abend bereichern konnte. Bruno Pinkes: „Er fehlt uns allen sehr. Wir werden ihn nicht vergessen.“

Rote Rosen für die Frauen

Neben der kleinen Ausfahrt durch Möckern gab es zwei weitere Überraschungen. So überreichte Bruno Pinkes den Tourenführern Achim Krause und Peter Henneberg zur Erinnerung zwei extra gestaltete Schilder.

Aber auch ihre Frauen, die nicht mit auf die Touren gingen, wurde bedacht. Peter Henneberg hatte für jede eine rote Rose mitgebracht. Die Biker überreichten sie ihren Liebsten persönlich als Dankeschön.

Und Siegfried Sedlak, der gelernte Tischler, hatte mal wieder etwas gebaut. „Vor drei Jahren hatte ich mir überlegt, was ich bauen wollte. Und jetzt habe ich das Denkmal innerhalb von sechs Wochen umgesetzt.“ Herausgekommen ist ein Motorrad aus Holz und Eisen mit Fahrer, das feierlich enthüllt wurde. Der Fahrer hebt die Hand zum Gruß. Mit auf dem Motorrad ist auch die letzte Flasche, die am Garda-See ausgetrunken wurde. Das Denkmal wurde an der Straße aufgestellt. „Es soll alle Biker grüßen“, sagt Siegfried Sedlak.