Biederitz l „Wer singt, betet zweimal“, sagte Pater Andreas Ludwig Struck am Sonntag in der evangelischen Kirche Biederitz. Zu Ehren der Biederitzer Kantorei „feiern wir einen fröhlichen und dankbaren Gottesdienst“.

Es war am 1. Advent 1989, als die Biederitzer Kantorei zum ersten Mal öffentlich auftrat. Anlass war die Einweihung der frisch renovierten evangelischen Kirche in Biederitz. Die Restaurierung hatte noch unter DDR-Bedingungen begonnen, erinnerte Regionalbischof Probst Christoph Hackbeil beim Festgottesdienst. „Dann erstrahlte die Kirche in ihrem alten Barockglanz.“ Und die Biederitzer Kantorei unter der Leitung des jungen Kirchenmusikers Michael Scholl war geboren.

Chor wichtiger Teil der Musiklandschaft

„Heute ist Ihr Chor aus der Musiklandschaft der Region Magdeburg und Sachsen-Anhalts nicht mehr wegzudenken“, sagte Hackbeil. Es sei typisch für die Kantorei, neue, unbekannte Barockstücke zu finden, die es so interessant machten, den Sängern zuzuhören. Da die Kantorei inzwischen neben dem Hauptchor auch einen Kammerchor und einen Kinderchor habe, „feiern wir heute also ein Familienfest“, schmunzelte der Regionalbischof.

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Hackbeil erinnerte an die friedliche Revolution vor 30 Jahren. Sie sei auch durch Lieder getragen worden. Die Vertonung des Psalm 18, Vers 30 „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ sei aus seiner Sicht eine großartige, und minimalistische Konzentration auf das Wesentliche, ein Weckruf, immer wieder um Freiheit zu werben.

Gott schenkt Freiheit

Die wiedergewonnene Freiheit vor 30 Jahren sei Initialzündung für die gute Entwicklung der Biederitzer Kantorei gewesen, betonte Michael Scholl. Und so lautete auch das Thema der eigens für das Jubiläum geschriebenen Motette „Gott schenkt Freiheit“. Das Stück für Chor, drei Trompeten und Klavier erklang in der Biederitzer Kirche zusammen mit weiteren Freiheitsklängen, gesungen durch den Chor und die Gäste des Gottesdienstes.

„Dankbar erinnern wir uns an die Gründung der Biederitzer Kantorei und daran, dass vor 30 Jahren die Mauer ihren Schrecken verlor“, sagte Pfarrer Johannes Henke vom Kirchspiel Biederitz.

Kantorei 1995 gegründet

Der Vorsitzende des 1995 gegründeten Förderkreises der Biederitzer Kantorei, Reinhard Szibor, begrüßte am Nachmittag mehr als einhundert Gäste in der Biederitzer Mehrzweckhalle. Darunter die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens, Landrat Steffen Burchardt und Gemeindebürgermeister Kay Gericke, die ebenfalls am Gottesdienst teilgenommen hatten.

Szibor, der selbst im Chor singt, erinnerte an die ersten Proben der Kantorei im Wohnzimmer der Familie Scholl. Heute sei die Biederitzer Kantorei überregional, insbesondere mit dem Biederitzer Musiksommer bekannt. Elf CDs habe der Chor mittlerweile aufgenommen. „Wir haben den Anspruch, das kulturelle Leben mitzugestalten“, sagte Szibor. Der Vorsitzende des Förderkreises machte deutlich, dass dies ohne die großartige Unterstützung durch Gemeinde, Landkreis, Land und Landeskirche nicht möglich sei. „Wir haben allen Grund, dankbar zu sein.“

Menschen mit Botschaft erreichen

Superintendentin Ute Mertens betonte: „Schön, dass es Sie gibt und dass Sie miteinander singen zu Ehren Gottes und zur Freude der Menschen. Sie erreichen damit Menschen, die wir mit unserer Botschaft auf klassischen Wegen nicht erreichen.“ Zum „Ölen der Kehlen“ hatte Mertens als Geschenk an die Kantorei einen Korb voll Sekt und Wein dabei.

Als die Biederitzer Kantorei aus der Taufe gehoben wurde, habe er als 15-Jähriger bei den Renovierungsarbeiten an der evangelischen Kirche mitgeholfen, sagte Gemeindebürgermeister Kay Gericke bei der Jubiläumsfeier. Dafür habe es regelmäßig ein Mittagessen bei der Mutter des heutigen Kantors Michael Scholl gegeben.

Kantorei fördert guten Ruf von Biederitz

„Sie tragen zum guten Ruf der Gemeinde Biederitz bei. Biederitz ist durch Sie positiv besetzt“, lobte Gericke die Sängerinnen und Sänger. „Machen Sie bitte weiter so.“

Und sie können nicht nur singen. Zur Jubiläumsfeier hat die Biederitzer Kantorei auch ein Chorkochbuch herausgegeben. „Kulinarisches, Musikalisches, Lustiges, Christliches, Informatives“ ist das Gemeinschaftswerk übertitelt, das Fördervereinsvorsitzender Reinhard Szibor vorstellte. Es enthält neben den Lieblingsrezepten der Sänger auch Noten und Liedtexte wie „Kraut und Rüben“ von Johann Sebastian Bach, Anekdoten und Bibelauslegungen. Nicht ganz ernst gemeint, ist dort auch nachzulesen, wie Musik den Geschmack von Käse beeinflusst ...