Burg l Es hat sich gelohnt, die Werbetrommel anständig zu rühren: Noch mit Kaiserwetter belohnt, konnte Klaus Möbius, Leiter des Außenbezirks Niegripp des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSV) Magdeburg, am späten Mittwochnachmittag mehr als 2000 Besucher zählen. „Wahnsinn. Wir sind mehr als zufrieden. Dass sich so viele Leute auch für die Technik interessieren und damit auch Erinnerungen verbinden, ist beeindruckend“, resümierte der Niegripper, der mit etwa 30 Mitarbeitern im Einsatz war und den Gästen einen erlebnisreichen Tag bescherte.

Den hatte auf jeden Fall Wolfhard Herbst mit seinem Enkel Joel. Die beiden Magdeburger hatten zuerst das Schiffshebewerk Rothensee in Augenschein genommen und fuhren anschließend nach Niegripp weiter. „Über so viele Leute hier bin ich ein wenig erstaunt“, sagte der Rentner. Für ihn war der Ausflug auch deshalb eine Besonderheit, weil er „vor vielen Jahren“ selbst einmal ein Boot hatte und die Schleuse Niegripp nutzte. „Ein technisches Meisterwerk, auch wenn es heute natürlich mit dem Wasserstraßenkreuz nicht mehr so intensiv genutzt wird“, schätzte Herbst ein. Und gerade weil die Schleuse Niegripp eng mit dem Bau des Plauer Kanals und Ihlekanals, die einst zum Elbe-Havel-Kanal zusammengeführt wurden, verbunden ist, tummelten sich unter den Interessierten auch Gäste aus Genthin – wie der Vorsitzende der Kreisseniorenvertretung, Karl-Heinz Koszior. „Ein beeindruckendes Bauwerk und eine gepflegte Anlage“, bescheinigte er und freute sich wie viele andere nach einer Besichtigung des mächtigen Schleusenkörpers auf eine Schiffsfahrt. Touren in Richtung Elbe oder Niegripp waren der Renner des Tages.

Kein Wunder, dass sich mitunter lange Warteschlangen an der Kaimauer bildeten. Wie an der Anlegestelle des Eisbrechers „Stier“. Seine 145 Tonnen können bei Bedarf um bis zu 40 Tonnen erhöht werden. Dann krachen unter dem Eigengewicht des Schiffes schon mal 80 Zentimeter starkes Eis, wenn auch oft nicht im ersten Anlauf. Der 600-PS-Schiffsmotor ist ein wahres Kraftpaket, auf das die WSV stolz ist. Der Eisbrecher kommt derzeit auf dem Mittellandkanal rund um Magdeburg zum Einsatz. Er zerstört Scholleneis, um eine Fahrrinne für die Binnenschiffe freizuhalten. Das Schiff ist bereits seit 67 Jahren im Einsatz. Es wurde 1951 auf der Bauwerft Hitzler in Lauenburg (Schleswig-Holstein) gebaut. Die Länge des Schiffes beträgt knapp 28 Meter, die Breite 6,60 Meter.

Besonderes Erlebnis

Damit fahren zu können, ist ein besonderes Erlebnis, resümierte Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa. „Solche Gelegenheiten hat man nicht alle Tage.“ Dass auch viele Einwohner der Elbgemeinde die Schleusen-Anlage vor der Haustür aufsuchten, zeige letztlich, „dass der Ort auf ganz besondere Weise mit der Schifffahrt verbunden ist. Und daran wird sich sicher auch nichts ändern.“ Auch Fahrten mit einem Messschiff und Schlepper wurden gern angenommen.

Bei soviel Resonanz dürfte sicher sein, dass auch die kommenden Jubiläen zu einem Besuch in Niegripp einladen werden.

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