Biederitz l Gänzlich unstrittig ist die Schließung des Biederitzer Jugendclubs unter den Gemeinderäten nicht. „Wurden die Jugendlichen mal gefragt oder ist man hier rein nach der Statistik gegangen?“, wollte die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat, Ina Möbius, wissen. Biederitz‘ Ortsbürgermeister und Gemeinderat Carsten Schneider hatte zuvor erklärt, dass die Problematik Jugendclub den Ortschaftsrat schon seit einigen Jahren beschäftigt. Über die Kosten, die rückläufigen Besucherzahlen gegenüberstanden, sei mehrfach gesprochen worden. Am Ende habe sich feststellen lassen, dass durchschnittlich sieben bis acht Jugendliche pro Tag den Club an der alten Seilerei nutzen. „Es ist wahrscheinlich, dass der Jugendclub für immer dieselben Jugendlichen offen gehalten wird“, sagte Schneider. Und nein, mit den Jugendlichen habe man nicht noch einmal gesprochen – in den vergangenen Jahren aber schon.

„Die Nutzung steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Der Kostenfaktor ist zu hoch“, bekräftigte Schneider den Entschluss zur Schließung.

Jugendclub steht seit Jahren zur Diskussion

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir über die Zukunft des Jugendclubs beraten“, meinte Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD). Vor zwei Jahren habe bereits der Gerwischer Jugendclub geschlossen werden müssen, weil dort „die Betreuung am Ende fast 1:1 war“, so Gericke.

Gemeinderätin Karolin Reinhold (CDU) sprach sich gegen die Schließung aus. Sie bezweifelte die Zuverlässigkeit der Besucherzahlen, weil sie im Sommer erhoben wurden. Ihr seien darüber hinaus „zwischenmenschliche Probleme mit dem Streetworker“ bekannt. „Gehen die Jugendlichen vielleicht deshalb nicht hin?“, fragte Reinhold. Sie schlug eine Umstellung des Konzeptes zur Jugendarbeit im Club vor anstatt einer Schließung.

Angst vor Vandalismus

Siegfried Janke, Unabhängige Wählergemeinschaft, erklärte, dass er mit Erstaunen vernommen habe, dass der Jugendclub geschlossen werden soll. Er hat Sorge, dass ohne Jugendclub wieder Bushaltestellen, der Schwarze Weg und der Bahnhof Anlaufstellen der Jugendlichen werden mit den Nebeneffekten Verschmutzung und Vandalismus.

Der Vorsitzende des Gemeinderates, Peter Sanftenberg (CDU), sagte: „Vor drei Jahren begann die Auslastung des Jugendclubs immer geringer zu werden. Der Gemeinderat hat dann das Thema Jahr für Jahr verschoben. Es hat sich aber nichts geändert.“

65.000 Euro Defizit

Wolfgang Baer (Die Linke) sprach sich für die Schließung aus. „Der Basketballplatz auf der Kantorwiese ist ramponiert, und die Gemeinde kann die Reparatur nicht bezahlen.“ Aus seiner Sicht seien die 65.000 Euro, die der Jugendclub jährlich als Defizit erwirtschaftet, dort besser im Sinne der Jugendlichen angelegt, so Baer.

Sozialdemokratin Birgit Gerlach sagte, einer ihrer Jungs nutze regelmäßig den Jugendclub, der andere gehe auf die Kantorwiese. Sie sprach sich gegen die Schließung aus und vermutet, dass sich ohne Jugendclub auch jüngere Kinder schon auf der Kantorwiese treffen.

Jedes Wochenende Randale

Die Kantorwiese im Ortskern von Biederitz sorgt als Treffpunkt von Jugendlichen schon seit Jahren für Diskussionsstoff. „Da wird jedes Wochenende randaliert“, berichtete Ortsbürgermeister Carsten Schneider. Die Gemeindearbeiter müssten hier Woche für Woche Spielgeräte reinigen, kaputte Flaschen wegräumen und Reparaturen vornehmen.

Siegfried Janke schlug schließlich vor, dass die Gemeinde zumindest die Fördermittel für den Streetworker weiter beantragen soll, damit dieser sich künftig um die Belange der Jugendlichen in allen Ortschaften kümmern und beispielsweise auf der Kantorwiese unterwegs sein kann. Auch der grüne Gemeinderat Andreas Hille forderte ein Konzept für die künftige Jugendarbeit in der Gemeinde.