Gommern l Innen erstrahlen die Räume des Jugendclubs in Gommern in frischen, hellen Farben. Doch das Leben des Treffpunktes an der Versammlungsstätte des Volkshauses spielt sich draußen ab. Klar, es ist Sommer, da zieht es die Jugend eh immer raus. Aber es ist auch immer noch eine Zeit, die von Corona überschattet wird. Draußen, wo man viel Abstand halten kann und immer frische Luft ist, scheint da genau die richtige Wahl – auch für die jungen Gommeraner.

Am 18. März, mit der ersten Verordnung, war auch der Jugendclub als öffentliche Einrichtung und sozialer Treffpunkt geschlossen worden. „Die Zeit war blöd“, als der Club zu war, da sind sich alle Jugendlichen einig. Denn was macht man dann?

Langeweile am Anfang des Shutdowns

„Am Anfang des Shutdowns war es echt langweilig. Da macht man Dinge, die man sonst nie macht, zum Beispiel aufräumen und einfach mal etwas Sport“, erinnert sich Pascal, 16 Jahre alt, Clubgänger.

Auch für Ben, ebenfalls 16 Jahre alt, war es mehr als ungewohnt und eine Umstellung. Er gehört nach eigenen Angaben „zum Inventar des Clubs“, ist also jeden Tag da. Was macht man dann, wenn diese Anlaufstelle auf einmal zu hat? „Ich habe sehr viel geschlafen und auch auf der Spielkonsole gespielt. Freunde treffen war ja schwierig, wegen der Verordnung. Als man wieder ein oder zwei Leute sehen durfte, habe ich das gemacht“, berichtet er. Aber es ist eben nicht das Gleiche.

Kein gemeinsames Kochen mehr

Da nimmt man Einschränkungen, die seit der Wiedereröffnung bestehen, gerne in Kauf. Nach etwas mehr als fünf Wochen gingen die Türen des Clubs wieder auf, weil Streetworker Dennis Lapin ein Hygienekonzept geschrieben hatte. Das beinhaltet beispielsweise, dass die Küche nur noch einzeln benutzt werden darf. Gegessen werden darf im Innenraum gar nicht mehr, nur noch draußen. Ein herber Einschnitt, denn gemeinsam Kochen und Essen war immer ein Grundpfeiler im Club.

„Die Gemütlichkeit bleibt dabei zwar etwas auf der Strecke“, meint Bufdi Hannes Bierstedt, aber das schmälere nicht den Zusammenhalt und die Verbundenheit der Jugendlichen untereinander und zu ihrem Club. Vielleicht trägt auch das gründliche Putzen und Desinfizieren der Clubräume laut Hygienekonzept dazu bei, was die Jugendlichen mit übernehmen. Außerdem müssen alle darauf achten, dass nicht zu viele Leute in den Räumen sind und dass sich alle die Hände am Eingang desinfizieren.

Homeoffice bei Jugendclub schwer

Hannes Bierstedt ist froh, dass es jetzt wieder so läuft. Denn als Bundesfreiwilligendienstler hat man überschaubare Aufgaben. „Homeoffice bei einem Jugendclub ist schwierig“ sagt er. Wie auch, wenn man beispielsweise fürs Öffnen und Schließen verantwortlich ist. Zu ist eben zu.

Mit dem jetzigen Konzept kommt der Jugendclub gut zurecht. „Aber wieder kochen zu können, wäre schon schön“, meint er und ist mit dieser Meinung nicht allein.

Nur noch Mini-Projekte möglich

Alle Planungen und Aktionen im Club für den Sommer sind abgesagt worden. Nur noch Mini-Projekte von maximal fünf Personen, inklusive Betreuer, wären derzeit möglich. „Das ist nicht das Wahre. Da müssten wir auslosen. Das ist nicht förderlich für die Gruppendynamik und die Freundeskreise“, meint Hannes Bierstedt. So bleibt es also erstmal bei der Geselligkeit.

Einen kleinen positiven Effekt hatte der Shutdown aber doch. Alle Räume wurden in der Zeit renoviert. Frische Farbe für Wände und Decken gab es. „Es sieht gleich viel heller und sauberer aus“, schwärmt Club-Ehrenamtlerin Regina Hinze. Dabei soll es aber nicht bleiben. Auf dem Plan der Stadt stehen auch noch neue Fußböden, und auch die Heizkörper sollen erneuert werden. Wann, das wird man nun sehen.

Wunschlos glücklich

Wenn das in die Tat umgesetzt würde, würden sich die Jungs und Mädels tatsächlich freuen, ansonsten sind sie aber mit ihrem Club wunschlos glücklich.

Maryjane, 15 Jahre alt, ist regelmäßig im Club und natürlich jetzt auch wieder. „Ich bin sonst 24/7 draußen, quatsche mit meinen Freunden – da war der Shutdown das volle Gegenteil. Echt schwierig. Da bin ich heilfroh, dass es jetzt erstmal wieder so ist, wie es ist. Dass der Austausch und das Beisammensein wieder möglich sind, ist das Wichtigste.“ Da sind Unternehmungen oder Projekte nicht ganz so wichtig.