Burg l Es kam wie erwartet: Während die Stadtverwaltung das Landesjugendwerk AWO favorisiert, um die neue Jugendeinrichtung an der Blumenthaler Straße ab 2022 zu betreiben, setzte sich im Hauptausschuss der von Kulturausschusschefin Kerstin Auerbach (Linke) eingebrachte Änderungsantrag zugunsten des Jugendwerks Rolandmühle durch. Mit der Folge, dass die Beschlussvorlage der Verwaltung abgeschmettert wurde – mit großer Mehrheit.

Damit dürfte klar sein, dass auch der Stadtrat am 28. April eindeutig die Rolandmühle ins Rennen bringen wird. Unglücklich ist darüber aber auch die Verwaltung nicht, die jedoch laut Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) keinen Ermessensspielraum habe und auf den wirtschaftlicheren Anbieter setzen müsse. „Denn den Kriterienkatalog haben beide Anbieter erfüllt“, sagte der Bürgermeister. Dreh- und Angelpunkt sind indessen die Zahlen: So beziffert die Rolandmühle bei 1,5 Planstellen den finanziellen Fehlbedarf auf 83.000 Euro, die AWO auf knapp 70.000 Euro. Insgesamt variieren die Gesamtkosten zwischen 114.000 (Rolandmühle) und 86.000 Euro (AWO).

Rolandmühle macht guten Job in Burg

Für die Stadträte steht aber in erster Linie die Qualität im Mittelpunkt. „Wir haben beide Konzepte in den Ausschüssen gut durchleuchtet. Die Rolandmühle hat in Burg einen sehr guten Job gemacht. Nicht nur im Soziokulturellen Zentrum (SKZ) , sondern auch in den anderen Einrichtungen. Sie ist ein verlässlicher Partner“, warb Kerstin Auerbach. Leidenschaftlich leistete Elke Fenger-Schwindack (SPD), die sich bereits in den vergangenen Sitzungen für die Rolandmühle ausgesprochen hatte, Schützenhilfe und erinnerte „an die vielseitige und qualitative Arbeit der Rolandmühle“, die eindeutig erkennbar sei. Sie hege Zweifel, ob die AWO das Projekt Freibank überhaupt personell stemmen könne. „Wir haben schließlich auch beim Nachbarschaftstreff in Burg erlebt, dass bei Krankheit dann geschlossen wurde.“

Auch CDU/FDP-Fraktionsvorsitzender Frank-Michael Ruth sah keinen Grund, auf die AWO umzuschwenken. „Die Rolandmühle ist ein sehr solider Träger. Und ob die Zahlen am Ende tatsächlich so aufgehen, ist heute ohnehin nicht klar“, sagte er. „Bei der AWO sieht es ein bisschen wie Strukturförderung aus“, meinte der Kommunalpolitiker.

Frankbank wird zweite große Jugendeinrichtung

Eine völlig andere Variante brachte hingegen AfD/Endert-Fraktionschef Gerald Lauenroth ins Spiel. Er bemängelte zum einen, dass es in Burg-Ost keine alternative Jugendeinrichtung mehr geben werde, wenn die vom Kreis-Kinder- und Jugendring betriebene Einrichtung am Flämingsportplatz geschlossen werde und regte andererseits an, dass der neu geschaffene „und personell gut aufgestockte“ Fachbereich Kultur/Tourismus doch den künftigen Jugendklub betreiben könnte. Dieser Vorschlag rief sofort Bürgermeister Rehbaum auf den Plan. Weder sei der Fachbereich von der Mitarbeiterzahl dazu in der Lage, noch beschäftige die Verwaltung Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen, die für solch eine Tätigkeit nötig wären. „Und diese Stellen werden wir auch in Zukunft nicht vorhalten“, entgegnete der Stadtchef forsch. Er verwies zugleich auf die Trägervielfalt, die mit der Beschlussvorlage der Verwaltung zum Ausdruck kommen sollte und bescheinigte der Rolandmühle ebenfalls eine „sehr gute Arbeit“. Allerdings müsse sich die Verwaltung laut Gesetz nach den Kosten richten. Die Tür zur Rolandmühle machte er dennoch nicht zu und bat den Kultur-, Sozial- und Tourismusausschuss, doch der Verwaltung entscheidende Kriterien, die gegen die AWO und für die Rolandmühle sprechen, schriftlich mit an die Hand zu geben. Wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl ...

Mit der ehemaligen Freibank hat die Stadt dann neben dem SKZ eine zweite große Jugendeinrichtung, die auch über eine entsprechende Fläche verfügt. Mit dem Dachgeschoss stehen 368 Quadratmeter zur Verfügung, im Erdgeschoss rund 163, im Obergeschoss 92 Quadratmeter. Das Haus soll mit einer Küche, Toiletten, jeweils einem Aufenthalts- und Veranstaltungsraum, einem Snoozlezimmer sowie Umkleide- und Betreuerzimmer ausgestattet werden.

841.00 Euro für Bauarbeiten

An dem denkmalgeschützten Gebäude wird seit 2018 gebaut. Zur Sicherung der Substanz konnte die Stadt über das Förderprogramm Stadtumbau 320.000 Euro einwerben und Dachdecker-, Zimmerer- und Maurerarbeiten finanzieren. Für die dreijährigen Arbeiten seit 2019 stehen Fördermittel in Höhe von knapp 841.000 Euro zur Verfügung. Der rund 70-prozentige Zuschuss erfolgt über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).