Burg l „Darf man den Geburtstag eines Gefängnisses feiern?“ Ihre Frage bei der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Burg beantwortete sich Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) gleich selbst. Ja, man dürfe. Überall auf der Welt gebe es Verbrecher und Haftanstalten. Wenn es aber nicht darum gehe, Menschen wegzusperren, sondern der Resozialisierungsgedanke im Mittelpunkt stehe, dann könne man sehr wohl feiern. Zu einer Zeit, als es in Sachsen-Anhalt durch alte Gefängnisse einen nicht mehr zeitgemäßen Stand der Justiz gegeben habe, beschloss das Kabinett am 11. November 2003 den Neubau eines Gefängnisses. Die Standortwahl fiel schließlich auf Burg, ausschlaggebend waren die große landeseigene Fläche und die Nähe zur Autobahn. Der erste Spatenstich erfolgte am 16. April 2007, am 30. April 2009 wurde die JVA dem Land übergeben.

Bevor sie allerdings in Betrieb genommen wurde, hatten Interessierte die Möglichkeit, sich diesen Neubau bei einem Tag der offenen Tür genauer anzusehen. „Ich erinnere mich an den Verkehrsservice von damals“, sagte die Ministerin, „da war ständig von einem Stau auf der A 2 die Rede.“ Insgesamt 22.000 Besucher wollten sich vor zehn Jahren das Gefängnis von innen ansehen.

460 Gäste

So voll war es am Sonnabend nicht, obwohl es wieder einen Besuchertag gab. Allerdings nur für Mitarbeiter, die eine begrenzte Anzahl an Begleitern mitnehmen durften. Insgesamt 460 Gäste wurden gezählt, wie JVA-Leiterin Ulrike Hagemann gegenüber der Volksstimme sagte. Bei der Feierstunde hatte sie noch mehr, teilweise verblüffende Zahlen.

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Mehr Socken als Unterhosen

So seien in den zehn Jahren 7421 Aufnahmen in die JVA verzeichnet worden. Verbraucht wurden 168.000 Unterhosen und 252.000 Socken. „Warum Männer mehr Socken als Unterhosen brauchen, fragen sie mich nicht“, zeigte sie Humor. Es wurden 50 Tonnen Nudeln konsumiert, was dem Gewicht von 20 ausgewachsenen Nilpferden entspricht. Um das Getreide für diese Menge Nudeln anzubauen, braucht man eine Fläche von 103 Fußballfeldern.

JVA wird umgebaut

Am 1. November 2009 nahm die JVA ihren Betrieb auf und wurde 2011 umgebaut, um die erforderlichen Bedingungen für 18 Sicherungsverwahrungsplätze zu schaffen. „In den nächsten Monaten wird sie wieder umgebaut, um noch weitere Plätze zu schaffen“, kündigte die Justizministerin an. 663 weitere Haftplätze gibt es in Burg, davon 50 im offenen Vollzug. Hinter der sechs Meter hohen Mauer gibt es außerdem Arbeit, Bildung, Freizeitaktivitäten, Anti-Gewalt-Training und eine Schuldnerberatung. 300 Justizkräfte sind dort tätig und 70 Mitarbeiter der Projektgesellschaft Justizvollzug Burg. Die JVA ist Projekt eines sogenannten Public Private Partnership, das heißt, dass ein öffentliches Vorhaben durch ein privates Unternehmen unterstützt wird.

Der zeitlängste Insasse der Burger Haftanstalt hat bereits 30 Jahre abgesessen. Ganz so lange ist der Geschäftsführer der Gesellschaft, Thomas Buths, der JVA noch nicht verbunden, aber bereits seit zehn Jahren. Für 25 Jahre ist die Firma für den Betrieb verantwortlich. Buths hatte zur Feierstunde einen Regenschirm für die Ministerin mitgebracht und versprach ihr, „sie nicht im Regen stehen zu lassen“.

Rundgänge ohne bewohnte Zellen

Bei Rundgängen konnten sich die Besucher das ansehen, wovon sie in der Feierstunde so viel gehört hatten. Die bewohnten Zellentrakte blieben allerdings außen vor. „Wir sind hier kein Zoo“, stellte Hagemann klar. Es gab auch so genug zu sehen – und weitere Anekdoten. Etwa im sogenannten Langzeitbesuchsbereich, in dem Gefangene mit ihrer Partnerin oder der Familie vier unbeobachtete Stunden verbringen können. Da sei ein Kind mal auf den Balkon ausgesperrt worden, während sich die Eltern drinnen vergnügten. „Da habe ich dem Gefangenen vorgeschlagen, sich doch mal allein mit seiner Frau zu treffen“, sagte Hagemann.