Burg l Ein fein verzweigter Knick zieht sich quer über das Gesicht von Eduard Haas. Neben ihm lächelt Betty Kristeller zurückhaltend dem Betrachter entgegen – ein rührendes Bild zweier Verliebter kurz nach ihrer Verlobung in Trier im Jahr 1918. Knapp 24 Jahre später wird Eduard im KZ Buchenwald ermordet. Die verblichene Aufnahme gehört zu den unzähligen Zeitzeugen aus Papier und in Person, die Peter Haas für seine Dokumentation „Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“ aufgespürt hat. Im Fokus steht die Lebensgeschichte seines Großvaters Eduard Haas – es ist die filmische Aufarbeitung des Holocausts und seiner Opfer innerhalb Haas‘ Familie.

Ungewöhnliches Projekt

Das ungewöhnliche Projekt zeigt das Burg-Theater in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule am Mittwoch, 27. September, um 14 Uhr. Eine einmalige Gelegenheit für die Burger, wie Kinoleiterin Claudia Meißner betont: „Der Film wird grundsätzlich nur in Gegenwart der Filmemacher gezeigt. Eine Veröffentlichung auf DVD oder eine TV-Ausstrahlung wird es nicht geben. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Familie.“ Denn die Dokumentation lebt von den unkommentierten Erinnerungen und Erzählungen der Protagonisten aus dem familiären Umfeld Eduard Haas‘. Umso wertvoller ist die Diskussionsrunde, zu der die Filmemacher Silvia Holzinger und Peter Haas nach der Vorführung bitten.

Die Idee, diese besondere Art der Ahnenforschung nach Burg zu holen, stammt aus dem Geschichtskreis der Kreisvolkshochschule Burg, wie Leiterin Yvonne Nitzsche erklärt: „Im September feiert unser Geschichtskreis sein 10-jähriges Bestehen. Da wir den Film aber einem breiten Publikum zur Verfügung stellen wollten, haben wir uns für eine Kooperation mit dem Burg-Theater entschieden.“ Zusätzlich bietet das Burg-Theater zur Filmvorführung nach vorheriger Anmeldung bis zum 26. September auch Kaffee und Kuchen gegen einen Obolus von 3 Euro an. Trotzdem freue sie sich, wenn auch jüngere Semester und Schulklassen den Weg ins Burg-Theater finden, betont Claudia Meißner. „Gerade Schüler können der Diskussion Input geben“, ist sich die 30-Jährige sicher.

Interkulturelle Woche

Die Vorführung findet im Rahmen der Interkulturellen Woche (IKW) 2017 statt. Unter dem Motto „Vielfalt verbindet“ stellt sich die Aktionswoche rassistischem und nationalistischem Gedankengut entgegen – ein passender Rahmen für die komplexe Thematik des Holocausts. Und das Thema Rechte Gewalt ist aktueller denn je: In 2016 wurden laut Kriminalstatistik mehr als 23.500 politisch motivierte Straftaten mit rechtem Hintergrund in Deutschland registriert. Umso wichtiger sind Kleinode wie „Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“: Selten wurden die generationenübergreifenden Folgen des Holocausts so eindringlich beleuchtet.

„Auf der Suche nach dem letzten Juden in meiner Familie“ läuft am 27. September, 14 Uhr, im Burg-Theater. Anmeldungen unter 03921/24 34 oder info@kinoburg.de