Gommern l Sulfuryldifluorid ist ein hochwirksames Mittel, das in alle Gegenstände eindringt und die höchst unwillkommenen Schädlinge wie Holzwürmer abtötet. „Der größte Befall betraf das Kirchenschiff“, sagte Uwe Krell, Mitarbeiter der Firma Groli aus Dresden. Er begleitete die Begasung der Stadtkirche vor Ort. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte er am Montagmorgen alle Türen der Kirche mit einer gasdichten Folie verschlossen und abgeklebt. Selbst die Tür in den Turm wurde so penibel gesichert, obwohl Turm und Kirche eigentlich separat sind. „Man weiß aber nie, ob es nicht doch irgendwo eine Ritze gibt. Da gehen wir lieber auf Nummer sicher“, sagte Uwe Krell.

Fenster sind dicht

Ein Erfahrungswert ist es auch, dass die Bleiverglasungen der Fenster meistens so dicht sind, dass sie nicht extra abgeklebt werden müssen. Das war auch in Gommern der Fall.

Die Begasung erfolgt computergesteuert. Das Programm weiß genau, wie viel Sulfuryldifluorid benötigt wird und wann die Belüftung beginnen kann. Anfangs ist die Konzentration höher als in den Stunden unmittelbar vor der Lüftung.

Bilder

Vor einer Begasung muss jeder Pfarrer ein Merkblatt ausfüllen, ob die Kirche über eine Gruft oder ähnliches verfügt. Die Groli-Mitarbeiter kontrollieren die Angaben. Damit soll sichergestellt werden, dass das Gas nicht unbemerkt entweichen kann oder es einen unkontrollierten Zugang gibt.

Ständige Überwachung

Die Begasung wird ständig überwacht. Auch abends im Hotel hat Uwe Krell die Daten im Blick. „Nach der Begasung sieht man keine Würmer rumliegen. Die sterben im Holz ab.“ Zwei versiegelte Prüfkörper mit Hausbocklarven wurden in der Kirche aufgestellt. Ein Dritter blieb als Referenzobjekt draußen. Die Prüfkörper werden an das Institut in Eberswalde zurückgeschickt und dort geöffnet. Sind die Larven abgestorben, dann wird ein Zertifikat erstellt und die Begasung gilt als erfolgreich.

Gegen 16 Uhr konnte Uwe Krell gestern die Kirche wieder öffnen. Dazu trug er Atemschutzausrüstung, wie es die Arbeitssicherheit vorschreibt. Bis in die Abendstunden wurde die Kirche belüftet. Heute geht es damit weiter. Mit einem Feinmessgerät, das den millionsten Teil eines Gramms erfasst, wird überprüft, ob sämtliches Gas aus der Kirche entwichen ist. „Dazu kriechen wir auch in die hintersten Ecken.“ Sind die Daten in Ordnung, kann die St. Trinitatis sofort wieder genutzt werden. „Bedenkenlos“, sagte Uwe Krell. Das Sulfuryldifluorid werde auch in Wohnhäusern zur Schädlingsbekämpfung genutzt.

Die Begasung der Kirche war behördlich genehmigt, das heißt, dass Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst über das Vorhaben unterrichtet waren. Mit Flatterband und Hinweisschildern wurden Neugierige auf Distanz gehalten.