Kapelle Heyrothsberge

Klein, aber fein - Friedhof und Kapelle in Heyrothsberge können sich sehen lassen

Ein echtes Schmuckstück ist die Kapelle auf dem Friedhof in Heyrothsberge. Sie trotzte mehr als 70 Jahre lang Wind und Wetter, Krieg und Zerstörung. 2008 bis 2010 wurde sie im Rahmen eines gemeinsamen Projektes von Gemeinde, Bildungswerk IBB und Arbeitsagentur Burg saniert.

Von Anke Reppin 09.08.2021, 14:16
Der Heyrothsberger Ortsbürgermeister Kurt Sattler vor der kleinen Kapelle auf dem Heyrothsberger Friedhof.
Der Heyrothsberger Ortsbürgermeister Kurt Sattler vor der kleinen Kapelle auf dem Heyrothsberger Friedhof. Foto: Anke Reppin

Der Friedhof in der Ortschaft Heyrothsberge ist zwar klein, aber fein. Er ist - auch dank eines ehrenamtlich engagierten Heyrothsbergers - sehr gepflegt. Als letzte Ruhestätte wird der Friedhof seit dem zweiten Weltkrieg genutzt, erzählt Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD). Inzwischen habe die Gemeinde den Friedhof von der Kirche gepachtet.

Mit einem hohen Maß an Eigeninitiative der Heyrothsberger, auch von Ortsbürgermeister Kurt Sattler, der dafür Spenden einsammelte, war der Friedhof saniert worden. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sei noch unter Bürgermeister Siegfried Janke mit den Erneuerungsarbeiten am Friedhof begonnen worden - bis hin zu einem neuen Zaun und dem Aufstellen einer Erinnerungsstele mit der Aufschrift „Ruhe sanft“.

Ein echtes Schmuckstück ist auch die Kapelle auf dem Heyrothsberger Friedhof. 2010 konnte nach zweijähriger Bauzeit die sanierte Kapelle feierlich eingeweiht werden, die bis dahin zwar zwischendurch ein neues Dach erhalten hatte, ansonsten aber zahlreiche Baustellen aufwies: Fenster waren kaputt, die Rahmen verwittert. Der Außenputz bröckelte, Rissen zogen sich durch das Mauerwerk, wie Kay Gericke zur Einweihung der sanierten Kapelle sagte. An den Türen habe der Holzwurm gearbeitet und auch die Steintreppe sei marode gewesen.

Der kleine Glockenturm an der Kapelle war ebenfalls zerfallen. Nicht einmal die Glocke habe mehr geläutet werden können. „Unsere kleine Kapelle bot keinen schönen Anblick“, erklärte Gericke damals. Mehr als 70 Jahre lang sei das kleine Kirchenhäuschen seit seiner Einweihung am 17. Mai 1937 Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Es habe Krieg und Zerstörung getrotzt. „Hier wurden Gottesdienste, Hochzeiten und Taufen gefeiert, aber auch Beerdigungen begangen“, sagte Gericke zur Wiedereinweihung. Aufgrund des Verfalls hätte die Kirche beschlossen, Friedhof und Kapelle zu schließen. Damit sei der Gemeinderat jedoch nicht einverstanden gewesen - weil der Ort dann keinen Friedhof mehr gehabt hätte. Und ebenfalls, weil mit der Kapelle Kulturgut erhalten bleiben sollte.

So sei auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Siegfried Janke zwischen Gemeinde, Bildungswerk IBB und Arbeitsagentur ein Projekt ins Leben gerufen worden, das es ermöglichte, das wertvolle Kulturgut zu erhalten.

Sanierung kostete mehr als der Bau

„Seien Sie versichert, die durchgeführten Maßnahmen kosteten mehr Geld als der ganze Bau vor 70 Jahren“, scherzte Kay Gericke 2010 bei der Einweihung des sanierten Bauwerkes. Denn: Bei den Sanierungsarbeiten war von den Arbeitern eine Hülse gefunden worden, die während des Baus der Kapelle in den 1930er Jahren versenkt worden war. Hierin fand sich unter anderem auch die Kostenrechnung für den damaligen Bau. Aus ihr geht hervor, dass der 1937 abgeschlossene Bau des kleinen Kirchenhauses, inklusive Löhnen, Maurer- und Glasarbeiten, insgesamt 14 538 Reichsmark und 48 Pfennige gekostet hatte. „Bei großzügiger Rechnung entspricht das etwa 4153 Euro“, sagte Kay Gericke bei der Wiedereinweihung der Kapelle. Dafür könne man sicher eine Menge kaufen, aber bestimmt keine Kapelle sanieren.

Jeder Cent, der in die Sanierung gesteckt wurde, habe sich aber gelohnt. Das sanierte Gotteshaus sei ein „wahres Schmuckkästchen“, betonte Gericke bei der Einweihung. Glockenturm, Buntglas-Fenster und das prächtige Gestühl seien mehr als einen Blick wert. Die Kapelle erstrahle in neuem Glanz und alter Pracht.

Prachtvoll muss auch die Einweihung am 17. Mai 1937 gewesen sein, wie aus dem bei den Sanierungsarbeiten ebenfalls gefundenen, damaligen Ablauf hervorgeht. Dem Abschied von der alten Gottesdienststätte in der Schule folgte damals ein Zug zur neuen Kapelle „unter Gesang“ eines Liedes. Es schlossen sich an eine Feier vor der neuen Kapelle sowie deren Einweihung durch den Vertreter des Provinzial-Kirchenausschusses, Pfarrer Jahnecke aus Magdeburg. Der Pfarrer nahm die Weiherede und Weihe des Gotteshauses vor. Grußworte, Gebete, Chorgesang und gemeinsame Lieder rundeten die damalige Einweihung ab.

Die Gemeinde Biederitz fügte bei der neuerlichen Einweihung der sanierten Kapelle 2010 der alten Zeitkapsel aus dem Jahr 1937 eine neue hinzu. Darin enthalten sind Briefmarken von 2010, Geldstücke sowie eine aktuelle Tageszeitung. Sie sollen späteren Generationen einen kleinen Einblick in die Zeit der Sanierung des Gotteshauses gewähren.

Eine historische Briefmarkensammlung befand sich ebenfalls in der Hülse, die unter der Kapelle gefunden wurde.
Eine historische Briefmarkensammlung befand sich ebenfalls in der Hülse, die unter der Kapelle gefunden wurde.
Quelle: Gemeinde Biederitz
Im Gemeindebrief von 1937 findet sich der Ablauf für die Einweihung der Kapelle Heyrothsberge.
Im Gemeindebrief von 1937 findet sich der Ablauf für die Einweihung der Kapelle Heyrothsberge.
Quelle: Gemeinde Biederitz
In der Hülse fand die Gemeinde Biederitz bei der Sanierung der Kapelle die Rechnung für ihren Bau von 1937.
In der Hülse fand die Gemeinde Biederitz bei der Sanierung der Kapelle die Rechnung für ihren Bau von 1937.
Quelle: Gemeinde Biederitz
Gemeindebürgermeister Kay Gericke am alten Harmonium in der Kapelle.
Gemeindebürgermeister Kay Gericke am alten Harmonium in der Kapelle.
Foto: Anke Reppin
Buntglasfenster in der Kapelle Heyrothsberge.
Buntglasfenster in der Kapelle Heyrothsberge.
Foto: Anke Reppin