Dazu sprach Volksstimme-Redakteur Mario Kraus mit dem Präsidenten des Kreisverbandes der Gartenfreunde Burg, Bernhard Hechel.

Volksstimme: Kommt solch ein Konzept angesichts des Leerstandes von rund 15 Prozent nicht etwas spät?

Bernhard Hechel: Das Konzept wird unter Federführung der Stadt erarbeitet. Es war klar, dass die Stadt mit der Landesgartenschau und deren Vorbereitung in den zurückliegenden Jahren zunächst andere Prioritäten setzen musste. Das hat ja auch Bürgermeister Jörg Rehbaum betont, und das verstehen wir auch. Natürlich wäre ein früherer Zeitpunkt im Interesse aller Beteiligten besser gewesen, aber es ist nicht zu spät.

Bleiben wir ganz kurz bei der Landesgartenschau: Die Anlage „Waisenhausgarten“ war Bestandteil des Festgeländes und der Kreisverband am Ende enttäuscht?

Ja, wir waren nicht über die Laga enttäuscht, sondern darüber, dass für die Anlage nicht geworben wurde. Die Laga-Besucher haben am Flickschupark gar nicht mitbekommen, dass die Anlage besichtigt werden kann. Das war sehr schade. Aber das ist nun Geschichte und nicht mehr zu ändern.

Dann sprechen wir über das eingangs erwähnte Konzept. Was versprechen Sie sich davon: Der Leerstand wird sich dadurch nicht abwenden lassen?

Natürlich nicht. Aber wir benötigen für die Zukunft einen Handlungsleitfaden für die im Verband integrierten Vereine. Es geht – etwas vereinfacht gesagt – um die Zukunftsfähigkeit der Vereine. Um darauf Antworten zu geben, müssen und werden wir mit der Stadt alle Vereine aufsuchen und nach bestimmten Kriterien unter die Lupe nehmen. Sozusagen als Bestandsaufnahme.

Welche Kriterien sind das?

Dabei geht beispielsweise um die Altersstruktur der Mitglieder und Vorstände, die Lage des Vereins zu den Wohnanlagen der Mitglieder, es geht um den Nachwuchs, die Ausstattung der Parzellen mit Wasser, Strom, Lauben, die Ausstattung der Vereine mit Vereinsheimen, Spielanlagen, die Erreichbarkeit mit dem Auto, Bus oder Fahrrad, die Arbeit des Vorstandes und auch um das zwischenmenschliche Klima im jeweiligen Verein, das eine große Rolle spielt. All diese Fakten müssen in ein Konzept münden, in dem auch Empfehlungen für die kurz- oder mittelfristige Zukunftsfähigkeit gegeben werden.

Das sind sicher interessante Daten, aber Sie wissen doch heute schon, wie hoch der Leerstand in dem jeweiligen Verein ist?

Das ist richtig. Aber das reicht bei weitem nicht aus, um eine fundierte Antwort zu geben, ob der Verein auf Dauer Bestand haben wird oder nicht. Im Übrigen ist der Leerstand im Wesentlichen eine Folge der demografischen Entwicklung. So wie die Einwohnerzahl Burgs sinkt, geht auch die Zahl der Gartenpächter zurück. Natürlich vereinfacht ausgedrückt.

Es ist aber so, dass es in 20 Jahren weniger Vereine geben wird als heute?

Selbstverständlich wird es weniger Vereine geben. Im Stadtgebiet von Burg zählen wir zurzeit 1260 Keingärten. Aus jetziger Sicht gehen wir im Jahr 2030 von rund 400 nicht genutzten Kleingärten in der Kernstadt aus, zurzeit sind es etwa 190. Die Zahlen sprechen für sich und sind ein Beleg dafür, dass wir ein Konzept für die Zukunft benötigen.

Die Stadt benötigt dringend Bauland, wie in den vergangenen Jahren immer wieder in den städtischen Ausschüssen betont wurde. Wäre es nicht die einfachste Form, leerstehende Gartenflächen anzubieten?

Selbstverständlich wird es weniger Vereine geben. Im Stadtgebiet von Burg zählen wir zurzeit 1260 Keingärten. Aus jetziger Sicht gehen wir im Jahr 2030 von rund 400 nicht genutzten Kleingärten in der Kernstadt aus, zurzeit sind es etwa 190. Die Zahlen sprechen für sich und sind ein Beleg dafür, dass wir ein Konzept für die Zukunft benötigen.

Sie sprachen die Pacht an. Wäre Rückbau von Parzellen durch die Vereine gegen Pachterlass eine Alternative?

Das sehe ich skeptisch. Wie soll das praktisch vonstatten gehen? Sollen dann beispielsweise zwei oder drei Pächter die restlichen 20 Parzellen einer Anlage zurückbauen? Und das samt Lauben? Außerdem lässt das die Altersstruktur gar nicht zu. Das wäre vielleicht für die Stadt der einfachste Weg, aber nicht praktikabel.

Sie betonten auf der Delegiertenversammlung, dass junge Leute beziehungsweise Familien in den Vereinen fehlen. Haben Sie auch intensiv darum geworben. Beispielsweise mit Aktionen?

Das ist eine Angelegenheit, die nicht der Kreisvorstand allein stemmen kann. Das muss jeder Verein wollen und dann auch aktiv angehen. Ich erinnere an eine Serie in der Burger Volksstimme, bei der die Vorteile von Kleingärten aufgezeigt und junge Familien vorgestellt wurden. Fest steht: Manche Vereine, in denen ein gutes Miteinander von Jung und Alt herrscht, haben überhaupt keine Nachwuchssorgen. Wer junge Familien haben möchte, was der Vorstand ausdrücklich begrüßt, muss aber auch akzeptieren, dass Kinder mal lauter sind, umherlaufen oder mit dem Ball spielen. Wenn es in dieser Beziehung schon zu Streit kommt, sind alle Mühen oder Aktionen vergebens. Nichtsdestotrotz: Der Kreisvorstand ist gut vernetzt mit den Vereinen und bemüht sich nach Kräften, Interessenten zu helfen. Nicht umsonst haben wir jeden Dienstag von 14 bis 17 Uhr unsere Sprechstunde in der Franzosenstraße 65.

Gibt es auch unter den Migranten Interessierte für einen Kleingarten?

Ja, die gibt es. Migranten können aber das Problem des Leerstandes nicht lösen, allenfalls mildern. Es gibt hierbei positive wie negative Beispiele. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass wir als Kreisvorstand die möglichen Kandidaten anschauen müssen, inwieweit sie in der Lage sind, eine kleingärtnerische Tätigkeit aufzunehmen. Das fängt bei den Sprachkenntnissen als wesentliche Voraussetzung an. Wenn aus unserer Sicht eine gute Ausgangsbasis vorhanden ist, empfehlen wir eine zeitlich begrenzte Probezeit ohne Pachtvertrag. Sicher wäre es auch für beide Seiten gut, wenn der jeweilige Verein eine Patenschaft zur besseren Eingewöhnung organisieren könnte.