Burg l Es wirkte wie die Einladung zu einem ganz harmlosen Pressegespräch. Die Kabarettisten von Cat-Stairs wollten die Tafeln an der Treppe, die ihnen den Namen gab, reinigen, das neue Programm vorstellen und dann auch noch einen Spendenaufruf starten. Doch nach einem fröhlichen Fotobeginn ging das Gespräch in eine unerwartete Richtung. Das neue ist das 29. Programm, „die 30 haben wir nicht geschafft, vielleicht ist es auch gar nicht schlecht, unvollendet zu sein“, sagte Leiter Dominik Patté. Und was seine Worte schon erahnen ließen, stellte er mit einem Satz klar: „Es ist unser letztes Programm“.

Nach 20 Jahren ist nun also Schluss. So war der Treffpunkt neben dem Hexenturm auch gewählt, um einen Kreis zu schließen. Die Katzentreppe, so benannt nach den katzenkopfförmigen Steinen, mit denen Eindringlinge an der Stadtmauer beschossen wurden, war vor über 20 Jahren Namensgeber.

Statt Gospelchor eine Kabaretttruppe

Allerdings ging es da noch nicht um Kabarett. „Ursprünglich wollten wir einen Gospelchor gründen, ein englischer Name wirkte da auch cool“, sagte Patté. Dann aber reifte die Überzeugung, dass fünf 16-Jährige nicht stimmgewaltig genug sein würden. Beim Herumblödeln am Wochenende ist dann aufgefallen, „dass wir blödeln können, warum also nicht eine Kabarettgruppe gründen“, so Patté.

Und die kann auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken. Seit dem achten Programm waren es auch die eigenen Produktionen, die eigenen Texte, mit denen die Zuschauer im evangelischen Gemeindehaus zum Lachen gebracht wurden. Dominik Patté, Stefan Vogt, Gabriel Giese und Anna Maria Brandenburg gehen auch keinesfalls im Streit auseinander. „Unsere Lebenssituationen lassen es nicht mehr zu, dass wir Jahr für Jahr ein neues Programm entwickeln, ab September bis zur letzten Aufführung praktisch keine Freizeit mehr haben“, erklärte Patté.

Mit neun Jahren ist Anna Maria Brandenburg die kürzeste Zeit dabei, dennoch werde sie aber die Kabarettfamilie vermissen. „Es war viel mehr als nur ein Hobby“, sagte sie. Vor zwölf Jahren stieß Giese dazu, und meinte, so viel werde er nicht vermissen, denn schließlich sehe man sich noch weiterhin. Es gab nämlich auch eine gute Nachricht. „Die Kleinkunstbühne geht auf jeden Fall weiter“, versprach Patté. Die Hälfte seines Lebens, 17 Jahre, hat Vogt mit den Cat-Stairs verbracht. Es sei immer auch ein Ventil für politische Ärgernisse gewesen. Dabei habe er Wert darauf gelegt, nicht den moralischen Zeigefinger zu heben, aber eine Botschaft herüberzubringen und nicht einfach nur Klamauk zu produzieren. „Es ist gut möglich, dass ich dieses Forum vermissen werde“, bekannte er.

Neue Lichtanlage für die Bühne

Für Patté ist das Highlight aus der Zeit mit den Cat-Stairs eben diese Zeit, diese 20 Jahre. „Ich darf das sagen, denn ich bin Gründungsvater“, meinte er schmunzelnd. Es sei ihm eine Ehre gewesen, mit so vielen verschiedenen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten. „Sie alle haben das Kabarett geprägt und weiterentwickelt“, sagte er.

Nun werden sich die vier vor allem wieder auf ihre Berufe konzentrieren. Patté ist Steinmetz, Giese studiert Elektrotechnik und Brandenburg hat in diesem Jahr ihr Studium Gesundheitsförderung und -management abgeschlossen und arbeitet in einem Nachbarschaftszentrum in Magdeburg. Vogt ist stellvertretender Geschäftsführer der Freudenberg-Stiftung in Weinheim, sie unterstützt gemeinnützige Organisationen, die das Potenzial haben, langfristig sozialen Zusammenhalt und demokratische Kultur voranzubringen. Vogt trainiert auch im Dialogführen, dabei profitiert er auch von seinen Erfahrungen im Kabarett, sagt sogar: „Es hat mich zu dem gemacht, was ich bin“.

Doch es wurde nicht nur in die Vergangenheit geblickt, schließlich will auch die Kleinkunstbühne, auf der unter anderem die Hengstmann-Brüder im kommenden Jahr gastieren, organisiert werden.

Die Bühne gibt es seit 15 Jahren und fast genauso alt ist die Lichttechnik. Die bedarf einer Modernisierung, die Möglichkeiten, die LED-Leuchten heutzutage bieten, waren zu jener Zeit noch Zukunftsmusik. „Wir brauchen jetzt Digitaltechnik 2.0, das ist auch der Anspruch der Künstler, die wir einladen“, sagte Patté. Knapp 12 000 Euro kostet das, dafür werden Spender gesucht. Nicht nur große Summen, „jeder Euro zählt“, betonte er.

Und ist das 29. Programm ein Abschied für immer?. „Vielleicht kommen wir nochmal wieder“, ließ Patté die Zukunft offen.