Biederitz l Es dürfte nur wenige Biederitzer geben, die nicht wissen, wer oder was „Bonzo“ ist. Bonzo ist eine Institution. Es ist der Spitzname des Inhabers und zugleich der Name der Gaststätte, die offiziell „Zum Ehlestrand“ heißt. Allerdings, schränkt Stefan Lichtenberg alias Bonzo ein, trotz des hohen Bekanntheitsgrades laufe das Geschäft „Zum Ehlestrand“ vor allem wegen der auswärtigen Gäste, die derzeit oft mit dem Fahrrad und dem Motorrad kommen.

Riesen Portionen

Bauernfrühstück und Currywurst, Schnitzel und Frikadellen mit Kartoffelsalat. Hier kann man deftig essen und kriegt für kleines Geld riesige Portionen. Salate gibt es auch und überbackenen Camembert oder Folienkartoffel. Wer auf der Karte nichts findet, ist selber schuld.

Bonzo ohne Bonzo – das ist schwer vorstellbar. Wie er von Tisch zu Tisch geht, mit Damen- wie Männerrunden scherzt, Bestellungen für „Kurze“ aufnimmt und gefühlt irgendwie über allem wacht.

Viele Aktionen

Als Kommissionshändler der HO, der Handelsorganisation der DDR, fing Stefan Lichtenberg 1988 an. Damals noch auf der anderen Seite des heutigen Deiches, mitten im Hochwassergebiet. Sein „Versorgungsauftrag“ lautete, den internationalen Campingplatzes an der Ehle zu verpflegen. „Heute würde man sagen, ich hatte ein Franchise-Unternehmen“, lacht Lichtenberg. Ein Unternehmen, dass immer nur vom 15. April bis 15. Oktober lief, denn in der verbleibenden Zeit durfte auf dieser Seite, direkt an der Ehle, nichts stattfinden. Schwierigkeiten mit dem Hochwasser gab es in dieser Zeit immer wieder mal, erinnert sich der Wirt, der zu DDR-Zeiten zunächst nur Bier und Bockwurst und wenige andere Waren, wie etwa Mehl, verkaufte. Mit der Ausschankgenehmigung kamen auch die Küche und „richtiges Essen“.

Begonnen hatte alles in einem Bauwagen. Nach dem Bau der Spundwand beantragte Stefan Lichtenberg, hinter dieser Wand seine Gaststätte bauen zu dürfen. Seitdem hat sich der „Ehlestrand“ immer mal wieder erweitert und besteht heute aus einer Kneipe, einem Biergarten und einem Eiscafé, das vor allem ein Saisongeschäft ist.

Nach der „Wende“ gab es hier zunächst verpacktes Eis, heute sind Kugeln in zahlreichen Sorten und große Eisbecher im Angebot und gerade sehr beliebt.

Im Wandel der Zeit

Lange Zeit gab es bei Bonzo einen Billardtisch und regelmäßig Live-Musik. Mit den Gebühren der Gesellschaft mit dem komplizierten Namen – „für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (GEMA) – rechneten sich die Auftritte von Live-Bands irgendwann nicht mehr. Der Billardtisch fiel weg, als in Biederitz ein Jugendclub eröffnet wurde. Weitere Jahre versuchte sich Bonzo als Sky-Bar. „Das war irgendwann nicht mehr zu finanzieren“, sagt Lichtenberg.

Viele Jahre lang wurde hinter der Gaststätte auch Volleyball gespielt, ganze Freizeit-Wettbewerbe wurden hier ausgetragen. Heute ist auch das Geschichte. Das Feld gibt es nicht mehr. Stattdessen hat der Inhaber, vor dessen Gaststätte ein beidseitiges Parkverbot herrscht, einen Parkplatz für seine Gäste eingerichtet.

„Durststrecken hat es für mich viele gegeben“, sagt Bonzo. Die Generation Frühschoppen gab es irgendwann nicht mehr und die Einrichtung von Vereinsräumlichkeiten hat aus seiner Sicht dazu geführt, dass Gäste wegbleiben, weil das Bier nun im Vereinsheim getrunken wird.

„Man darf sich einfach nicht auf einer Sache ausruhen“, sagt Stefan Lichtenberg. Der Wandel gehöre nunmal dazu. Als die Biederitzer Gäste zunehmend wegblieben, hat er sich in Richtung Magdeburg orientiert. Er hat sich immer wieder mit dem Essen angepasst, dass es selbstverständlich auch „to go“ gibt. Inzwischen ist sein Cateringservice ein festes Standbein. In Magdeburg richtet er komplette Vereinsfeierlichkeiten aus. In Biederitz werden runde Geburtstage und andere Familienfeierlichkeiten bei ihm gefeiert.

Cateringservice und Thai-Buffet

Mit seiner Frau Daw kam ein Thai-Buffet als Angebot hinzu. Daw hatte er im Urlaub kennen gelernt, seit acht Jahren wohnt sie mittlerweile in Biederitz. „Sie hat mich wieder in Gang gebracht“, sagt er rückblickend. Sie habe ihm Mut gemacht, durchzuhalten, auch wenn es schwierig wurde. Heute sieht man die beiden im „Ehlestrand“ als Team Hand in Hand arbeiten.

Manchmal ärgert sich Stefan Lichtenberg, weil viele glauben würden, er mache oft riesigen Umsatz. „Das hier viele Investitionen notwendig sind, ob für Biergartengarnituren oder in Vorbereitung der Kindertagsfeste, wird oft nicht gesehen“, meint er. Seit 15 Jahren finden die Kindertagsfeste bei Bonzo statt, ebenso wie Frauentagsfeiern. Auch an Himmelfahrt ist der Ehlestrand eine beliebte Anlaufstelle.

Insgesamt sehe er sich immer noch als Dorfkneipe, sagt Bonzo. „Urig, gemütlich und man darf drinnen noch rauchen.“ Spezielle Werbung macht Lichtenberg nicht. „Das läuft über Mundpropaganda, Bekanntheitsgrad und über Qualität und Preis“, ist er sicher.

Woher sein Spitzname kommt und was er bedeutet? „Keine Ahnung“, sagt Bonzo, der sich den Schriftzug sogar auf die rechte Schulter hat tätowieren lassen. „Den Namen habe ich seit 45 Jahren, er stammt schon aus meiner Schulzeit.“