Burg l „Global denken – lokal handeln“ – unter diesem Motto soll auch in Burg ein Klimaschutzkonzept erarbeitet werden, das als eine Art Richtschnur für künftige Arbeiten und Investitionen dienen soll. Dabei gehe es keineswegs darum, nur Einzelprojekte anzustoßen, „sondern ein nachhaltiges Konzept für die gesamte Stadt zu schaffen“, betonte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) während einer Informationsveranstaltung In der Alten Kaserne. Neben dem hohen Nutzen für den Umweltschutz und der Senkung von Treib-hausgasen sei ein solches Dokument auch ganz praktisch von großem Vorteil. Rehbaum: „Es gibt bereits jetzt und noch vermehrt in der Zukunft nur noch Fördermittel für Kommunen, wenn Klimaschutzziele in den Anträgen verankert sind. Daran werden wir gemessen und müssen Schritt halten. Und wir sparen langfristig Geld.“

Als Beispiel nannte der Bürgermeister die aktuellen Stark-Programme des Landes, deren Ziel unter anderem die energetische Sanierung kommunaler Einrichtungen ist, wie Beispiele Schulen und Kindereinrichtungen in Burg. Zudem gehe es darum, die Fragen der Preisentwicklung für Energie, politische Vorgaben und Gesetze für kommende Investitionen zu bündeln. Weil ein derartiges Klimaschutzkonzept zahlreiche Einzelpositionen bis hin zum Öffentlichen Personennahverkehr berücksichtigen müsse, bedient sich die Stadt ausgewiesener Fachleute – dem KlimaKommunal Udo Schmermer aus Berlin und der Firma seecon Ingenieure Leipzig GmbH.

Datensammlung mit Verkehrsentwicklung

Projektingenieur Ronny Krutzsch vom letztgenannten Unternehmen machte deutlich, dass zuerst eine Ist-Analyse erarbeitet werde – eine Art Datenbank mit Zahlen zum Energieverbrauch oder zu Kohlendioxid-Emissionen, „um ein Abbild zu bekommen“. Diese Datensammlung, die auch die Verkehrsentwicklung beinhaltet, wird ungefähr drei Monate in Anspruch nehmen. Begonnen wurde damit bereits Ende Oktober. Im Mai, Juni sollen bereits erste konkrete Ansätze und Projekte zur Energieeinsparung, Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien vorgestellt werden, bevor der Abschlussbericht im Herbst vorgelegt wird, so Krutzsch. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Verwaltung, Politik und Wirtschaft soll diesen Prozess begleiten.

Gänzlich Neuland betritt die Kreisstadt bei diesem Thema allerdings nicht. Bereits 1994 wurde ein Energiekonzept erstellt, das schon damals auf erneuerbare Energien (Dachflächen für Photovoltaik-Anlagen), Geothermie und Biomasse setzte.

Über die Ergebnisse des Klimaschutzkonzepts sollen die Einwohner nicht nur informiert werden, sondern in Form von Themenabenden zum Beispiel zum Heizen mit erneuerbaren Energien und Bürgerversammlungen einbezogen und zum Mitmachen motiviert werden, ergänzte Nicole Hildebrand vom Fachbereich Stadtentwicklung/Bauen der Stadtverwaltung. Weil mit dem Konzept und der Umsetzung nachfolgender Projekte auch ein großer fachlicher Sachverstand verbunden ist, sehen die Experten beider Büros mit der Anstellung eines Klimaschutzmanagers eine fundierte personelle Grundlage. Diese Stelle werde auch vom Bund gefördert.

Vorreiterrolle beim Klimaschutz

Eine Vorreiterrolle beim Thema Klimaschutz übernehmen die Burger Stadtwerke, lobte Ronny Krutzsch. „Was hier schon getan wird, ist wegweisend“, so der Experte. Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Alfred Kruse erinnerte an das Projekt „Sonnen-Burg“ mit dem Mieterstrom, die Energiegenossenschaft oder Klimamanufactur. „Die Energiewende muss letztlich beim Bürger ankommen“, so Kruse. Das unterstrich auch Diethelm Harp, Vorstand der Burger Wohnungsbaugenossenschaft (BWG): „Der Mieterstrom, ausgehend von den Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern, kommt gut an, weil unsere Kunden ihn selber nutzen können.“ Harp verwies aber auf den betriebswirtschaftlichen Spagat zwischen energetischer Sanierung der Häuser und dann folgenden steigenden Mietpreisen.

Für Unternehmer und CDU-Stadtrat Eckard Burmester sind in puncto Klimaschutz „langfristige politische Entscheidungen wichtig, die auch Bestand haben“. Stadtrat Matthias Nielebock (CDU), ebenfalls Unternehmer, sieht den Klimaschutz vor der Haustür und spannte dabei den Bogen zum monatelangen Ausbau der B 1 in Burg und dem immensen Umleitungsverkehr auch durch die Innenstadt. Sein Fazit: „Straßenbau muss in angemessenen Zeiträumen erfolgen.“