Burg l „Wir müssen sitzen“, sagt Rudolf Krüger. Seine Frau Christa und er sind begeisterte Besucher der Landesgartenschau (Laga) in Burg. Noch. Vor allem die Konzerte haben es den Stegelitzern angetan. Für den Auftritt von Rocksängerin Petra Zieger („Katzen bei Nacht“) hatten sie sich extra Campingstühle mitgebracht. Umsonst. Die Teile mussten draußen bleiben. „Wir haben uns deshalb notgedrungen mit einer Decke auf die Wiese gelegt, meine Christa hatte danach Beschwerden. Und man stelle sich nur vor, das Gelände hätte geräumt werden müssen, ältere Leute wie wir wären gar nicht so schnell wieder vom Boden hochgekommen.“ Beide sind sie 68 Jahre alt, beide haben nach eigenem Bekunden Probleme mit der Hüfte. „Andere haben es wahrscheinlich noch schwerer, Leute mit Krücken beispielsweise.“

Großes Durcheinander

Konzerte dreier Künstler standen bislang auf ihrem persönlichen Programm: Ute Freudenberg („Jugendliebe“), besagte Petra Zieger und Stefanie Hertel („Mit dem Sonnenschein im Herzen“). „Bei der ersten Veranstaltung waren eigene Stühle erlaubt, bei der zweiten nicht, bei der dritten wieder, wobei wir da keine Sitze mehr dabei hatten, weil sie auch dort verboten schienen“, berichtet Krüger der Volksstimme. Vielleicht hänge das Verbot ja damit zusammen, ob die Laga-Veranstalter selbst Stuhlreihen aufbauen, beim ersten und dritten Konzert sei das der Fall gewesen. „Doch selbst wenn, woher können wir das denn bitte schön wissen. Wir sind doch keine Hellseher“, ärgert sich der Senior auch einige Tage später noch über das „große Durcheinander“. Und: „Als Inhaber einer Dauerkarte bin ich besonders enttäuscht. Wenn es nicht anders geht, bleiben wir vielleicht weg.“

Stundenlanges Stehen nicht möglich

Krüger freut sich eigentlich über die Landesgartenschau in seiner Heimatregion. Die Familie war schon mehrmals in den Parks unterwegs. Die Konzerte der Musikstars aus dem Osten seien noch einmal das Sahnehäubchen. Wenn da nicht der Ärger um die mitgebrachten Klappstühle wäre. „Wir können nicht drei Stunden stehen, egal, wie sehr uns der Künstler am Herzen liegt.“ Der Rentner überlegt und hat noch einen Vorschlag: „Vielleicht lässt sich ja eine Art Couchzone mit Sonnen- und Regenschirmen einige Meter von der Bühne entfernt einrichten.“ Dort könnten ja dann auch bei jedem Konzert die eigenen Stühle erlaubt werden. Viele ältere Leute vertrügen die hohe Lautstärke nicht, etwas Abstand zur Bühne helfe und schone die Ohren. „Die Verantwortlichen sollten noch mehr die Interessen der älteren Generation berücksichtigen, dann gehen womöglich auch die Besucherzahlen hoch.“

Couchzone nicht umsetzbar

Patricia Blei freut sich über jede Anregung, wie sie selbst betont. „Eine Couchzone einzurichten, ist eine nette Idee, aber wahrscheinlich leider nicht umzusetzen“, sagt die Laga-Sprecherin auf Nachfrage der Volksstimme. Was den Ärger über den verweigerten Zugang mit den Klappstühlen angeht, hat sie eine klare Botschaft: „Wenn es eine offizielle Bestuhlung des Veranstalters gibt, sind auch diese zusätzlichen Sitze erlaubt. Wenn es keine Bestuhlung gibt, sind auch diese Sitze tabu, aus Sicherheitsgründen.“ An diese Spielregeln müssten sich alle halten, ob Jung oder Alt. Und sie gelten auch für die noch kommenden Veranstaltungen.

Sicherheitskonzept setzt Grenzen

Musik, Senioren und Sicherheit, eine recht unkomplizierte Verbindung. Blei erklärt weiter: „Bei unbestuhlten Veranstaltungen, die als Zielgruppe vor allem Jüngere haben, sieht es das Sicherheitskonzept vor, dass keine Klapp- oder Campingstühle mitgenommen werden dürfen.“ Der Grund: „Zum einen könnten die Stühle als Wurfgeschosse genutzt werden, zum anderen stellen sie im Falle einer Räumung des Geländes eine Stolperfalle dar.“ Das Risiko einer Eskalation sei bei bestuhlten Veranstaltungen mit vornehmlich älterem Publikum einfach geringer. Und was die eigene Sitzreihen des Veranstalters bei den Laga-Konzerten betrifft: Sie seien grundsätzlich geordneter und somit einfach sicherer, für alle.