Burg l Bis zur deutsch-polnischen Grenze hat es die Afrikanische Schweinepest auf ihrem Weg nach Westen bereits geschafft. In Brandenburg und Sachsen werden Schutzzäune errichtet und auch im Jerichower Land ist man sich bewusst, dass die Gefahr immer näher rückt. „Wir haben das schon eine Weile unter Beobachtung, es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns der erste Fall eintritt“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) am Montag in einem Pressegespräch. Die Vorbereitung auf den Ernstfall werde aus zwei Richtungen angegangen, zum einen was passiert, wenn der Ernstfall eintritt, zum anderen die Prävention.

Hat die Afrikanische Schweinepest (ASP) auch keine gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen, so hätte es doch schwere Folgen, wenn es im Jerichower Land ein betroffenes Gebiet gäbe.

Impfstoff weit und breit nicht in Sicht

Gemäß der Schweinepestverordnung werden dann drei Zonen abgegrenzt: das Kerngebiet, der gefährdete Bezirk und die Pufferzone. Es wird von einem Radius von etwa vier Kilometern ausgegangen, der um das Kerngebiet gelegt wird. „Das macht eine Fläche von 5000 Hektar“, rechnete der zuständige Beigeordnete Thomas Barz vor. In diesem Bereich sind positive Wildschweine gefunden worden, das definiert ihn. Er liegt wiederum innerhalb des gefährdeten Bezirks, in dem verhindert werden muss, dass infizierte Tiere aus dem Kerngebiet auswandern und die ASP verbreiten. Er ist bis doppelt so groß wie das Kerngebiet.

Außen herum legt sich eine Pufferzone. Dort ist laut dem Maßnahmenkatalog des Deutschen Jagdverbandes und des Bundesforschungsinstitutes für Tiergesundheit die Reduktion der Wildschweinpopulation das Ziel. Laut mathematischen Modellen sei eine Reduktion von mindestens 70 Prozent nötig, um eine Ausbreitung der ASP zu verhindern. Mit einem Impfstoff ist nach Meinung der Fachleute auf absehbare Zeit jedenfalls nicht zu rechnen. „Das wird etwa acht bis zehn Jahre dauern“, schätzte Amtstierarzt Klaus Gase.

Hohe Ausfälle möglich

Der Kernbereich darf weder betreten noch befahren werden. Landwirtschaft wird in dem Bereich nicht möglich sein, mit hohen Ausfällen ist zu rechnen. Auf der anderen Seite werden allerdings auch keine Gemeinden abgeriegelt werden. „Man muss kein Dorf einzäunen, die ASP wird sich in Wald und Forst abspielen, nicht in bewohnten Gebieten“, sagte Barz.

Neben den Landwirten werden die Schweinehalter unter einem Ausbruch der ASP im Jerichower Land zu leiden haben. „Sie kommen wegen der niedrigen Fleischpreise jetzt schon kaum über die Runden, das wird dann für sie ruinös“, sagte Burchhardt.

Konsumentenverhalten ist unberechenbar

295 Schweinehaltungen mit insgesamt rund 115.000 Tieren gibt es im Jerichower Land, informierte die amtliche Tierärztin Dr. Claudia Schröder. 90 Prozent der Tiere seien in zehn Großbetrieben angesiedelt, sagte Barz. Wenn es dort Einbußen gäbe, hätten wiederum die betreffenden Gemeinden wegen der geringeren Steuereinnahmen unter der Situation zu leiden. Fakt ist aber auch, dass die Betriebe nicht auf ihren Schweinen sitzenbleiben müssen. „Wenn die Tiere untersucht und gesund sind, können sie auch verarbeitet werden“, sagte Gase. Unberechenbar, da war sich die Runde einig, sei natürlich das psychologische Moment und das Konsumentenverhalten, wenn erst einmal der Begriff Schweinepest in aller Munde ist.

Wenn auch der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest im Jerichower Land unausweichlich scheint, so gibt es doch einen Appell des Landrates zur Prävention. So müsse das Wegräumen von Müll auf öffentlichen Parkplätzen schnell vonstatten gehen, das wilde Parken eingedämmt werden. Denn wenn auch die Produkte aus erkrankten Tieren für den Menschen unschädlich seien, wie Gase betonte, als Infektionsquelle für Wildschweine, die sich über den Müll hermachen, dienen sie eben schon.

Baltische Staaten eher betroffen

So sei beispielsweise der Weg der ASP nach Belgien zu erklären. „Vermutlich wurde sie durch Soldaten, die im Baltikum an einer Übung teilgenommen und Speisereste mitgebracht haben, eingeschleppt“, sagte der Amtstierarzt. Ein ähnliches Risiko sieht Barz für das Jerichower Land. Auf der A2 seien viele Menschen aus betroffenen Ländern unterwegs, die auch ihren Proviant dabei hätten. Umfangreiche Kontrollen seien praktisch unmöglich, ein weggeworfener Wurstrest aber eine Gefahrenquelle. Auch gebe es in den Betrieben eine zunehmende Anzahl osteuropäischer Mitarbeiter. Betroffen von der Schweinepest sind eben vorrangig die baltischen Staaten, Rumänien, Ungarn und Polen.

Landrat Burchhardt sieht den Landkreis gut vorbereitet, wenn auch im Ernstfall schnell gehandelt werden müsse, es keine langen Vorbereitungszeiten gebe. Dabei setzt er auch auf die Zusammenarbeit mit den Nachbarn. „Als Regionen müssen wir zusammenhalten“, sagte er. Thomas Barz hofft, dass nicht das Jerichower Land der erste betroffene Landkreis in Deutschland sein wird. Das hält er allerdings auch für unwahrscheinlich: „Es wird doch wohl kein krankes Schwein über die Oder kommen und bis nach Sachsen-Anhalt durchlaufen.“