Genthin/Burg l Aufbruchstimmung bei den Sozialdemokraten im Jerichower Land: Sie ziehen mit vielen bekannten Zugpferden, aber auch jungen Leuten, die sich mit erfrischenden Worten vorstellten und in ihren Wohnorten fest verankert sind, in den Wahlkampf. Und auch die muntere Versammlungsleitung von Juso-Chef Florian Lüdtke aus Möser konnte als Beweis dienen, dass der Parteinachwuchs auf der Höhe der Zeit ist, so dass auch altgediente Genossen, die viele Auf und Ab der Partei erlebt haben, am Ende einer fast vierstündigen Mammutsitzung zufrieden waren: „Uns ist ein richtig guter Mix gelungen, das kann was werden“, freute sich der Schermener und ehemalige Landtagsabgeordnete Matthias Graner.

Dämpfer für Leiste

In der Tat folgten die 42 Delegierten dem Vorschlag des Kreisvorstandes für die drei Wahlbereiche im Landkreis fast ausnahmslos. Lediglich im Wahlbereich I (Genthin, Parey) erhielt Horst Leiste aus Genthin, mit 82 Jahren ältester Kandidat, im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit für den 5. Listenplatz, so dass er auf den 13. Platz rutschte. Zuvor hatte Jörg Rehbaum eine Lanze für Leiste gebrochen: „Horst ist eine streitbare Persönlichkeit, aber ich schätze ihn wegen seiner Erfahrung und seines Engagements sehr. Die Region Genthin würde geschwächt, wenn er nicht mehr im Kreistag vertreten wäre.“ Die ganz persönlichen Worte des Burger Bürgermeisters hatten offenbar ihre Wirkung bei der dritten Abstimmung, hier genügte die einfache Mehrheit, nicht verfehlt. Leiste selbst gab sich danach weiter kämpferisch. „Jetzt entscheidet der Wähler. Und da bin ich absolut optimistisch.“

Keine Diskussionen

Alle anderen Nominierungsvorschläge wurden ohne Diskussionen und Änderungen bestätigt. „Mit dieser Mannschaft sind wir nun optimal aufgestellt“, sagte Kreisvorsitzende Kay Gericke, der eine positive Bilanz der vergangenen Wahlperiode von 2014 bis 2019 zog. Mit Landrat Steffen Burchhardt an der Spitze, dessen Politik viele Genossen in ihren Bewerbungsreden lobten, habe der Landkreis wieder richtig Fahrt aufgenommen und viele Projekte umsetzen können – auch mit „wechselnden Mehrheiten“. Gericke nannte beispielsweise das Ident-Abfallsystem nach dem Verursacherprinzip, „wobei der Bürger nur so viel bezahlt, wie er auch verbraucht“.

Auch die umfangreichen Schulsanierungen für knapp 13 Millionen Euro seien beispielhaft und vom Kreistag auf den Weg gebracht worden. Dass der Landkreis daneben beim Breitbandausbau die Federführung für viele Städte und Gemeinden übernommen habe, sei ein großer zeitlicher und qualitativer Vorteil, betonte Gericke. Dadurch würden die notwendigen Arbeiten besser vorankommen. Für den SPD-Chef ist das schnelle Internet „eine Daseinsvorsorge“.

Sportförderung

Zudem seien mit der Sportförderung, die sich pro Jahr auf rund 100.000 Euro belaufe und wobei auch vertragliche Regelungen mit Vereinen getroffen worden, oder die Kulturförderung wichtige Bausteine für die Menschen im Kreis. Und für die Kommunen werde sich die Senkung der Kreisumlage auf 45 Prozent deutlich auszahlen, meinte Gericke. Er verwies darüber hinaus darauf, dass der Landkreis wieder über einen Beigeordneten verfüge und im kommenden Jahr mehr als 20 Millionen Euro investiert werden. „Wir sind insgesamt gesehen auf dem richtigen Weg.“

Jetzt komme es darauf an, dass möglichst viele SPD-Kandidaten den Sprung in den 42 Sitze umfassenden Kreistag schaffen. Derzeit besteht die Fraktion aus acht Mitgliedern. Über das Wahlprogramm will die Partei auf einem Parteitag am 22. März in Möser beraten.