Burg/Genthin l Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher und hat Deutschland erreicht. Nach dem positiven Test bei einem Wildschwein im Landkreis Spree-Neiße nur wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, sind in dem Gebiet mittlerweile fünf weitere Fälle bei Wildschweinen bestätigt. Experten rechnen damit, dass sich die Zahl noch erhöhen wird. Die Kreisverwaltung in Burg ist sich der Gefahr bewusst. „Wir hoffen, dass die entsprechenden Maßnahmen in Brandenburg wirken und es zu keiner schnellen Ausbreitung kommt“, sagt Vize-Landrat Thomas Barz (CDU). „Für den Ernstfall sind wir in jedem Fall vorbereitet und stehen in enger Abstimmung mit dem Land. Auch deshalb, weil dies Folgen für die schweinehaltenden Betriebe hätte.“

Die LFD (Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland) mit Sitz in Genthin, Deutschlands größter Ferkelproduzent, zeigt sich dennoch gefasst in Anbetracht der jüngsten ASP-Fälle. Behörden und Fachverbände seien auf die jetzt notwendigen Schutzmaßnahmen zur Verhinderung und einer weiteren Ausbreitung von ASP gut vorbereitet, hieß es seitens Heidrun Spengler-Knappe von der Geschäftsführung. Beispiele in europäischen Nachbarländern wie Tschechien oder Belgien hätten gezeigt, dass man die weitere Verbreitung des Virus rasch und konsequent eindämmen könne, sagte Heidrun Spengler-Knappe weiter.

Drei Zonen eingerichtet

Fakt ist: Nach der Schweinepestverordnung werden bei Nachweis der ASP im Krisenmodus drei Zonen eingerichtet und voneinander abgegrenzt: das Kerngebiet, der gefährdete Bezirk und die Pufferzone. Sollte bei einem Wildschwein ASP nachgewiesen werden, würde um den Fundort herum, der entsprechend desinfiziert werden muss, ein Elektrozaun in einem Radius von 25 Kilometern gezogen.

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„In dem Gebiet würde dann in Abstimmung mit dem Landkreis, der Jagdpächter und weiteren Jägern eine intensive Bejagung stattfinden, wobei die Tiere allesamt entsorgt werden müssten“, erläutert Amtstierarzt Klaus Gase. Oberstes Ziel sei es, dass infizierte Tiere das Kerngebiet nicht verlassen und somit die Schweinepest nicht weiter verbreiten können. Für eine mögliche Bejagung soll mit Hilfe der Jägerschaften jetzt eine Art Eingreiftruppe zusammengestellt werden, kündigt Kreisjägermeister Hartmut Meyer an. Und allein die Tatsache, das Gebiet in kürzester Zeit zu umzäunen, „ist eine gewaltige Aufgabe“, ergänzt Barz. „Wir haben aber bereits Angebote von Firmen eingeholt, um entsprechend gewappnet zu sein.“

Jäger schützen Landwirte vor Schweinepest

In der Pufferzone selbst müssten dann die Schwarzwildbestände drastisch reduziert werden. Eine Aufgabe, vor der die Jäger im Jerichower Land ohnehin stehen. Denn vielerorts hat sich die Zahl der Wildschweine in den vergangenen Jahren auch wegen ausreichend guter Futtermöglichkeiten in Form von Mais- oder Rapsschlägen erhöht. „Ich bin mir sicher, dass die Jäger im Jerichower Land alles erdenklich Mögliche tun werden, um die ASP von unseren Landwirten fern zu halten“, betont Meyer.

Das unterstreicht auch Mathias Holzberger, Vorsitzender der Jägerschaft Genthin. „Viele Jäger sind sehr aktiv und nutzen auch neue technische Möglichkeiten. Er verweist darauf, dass die Jäger im Kreis im Jagdjahr 2019/2020 mit knapp 4000 Wildschweinen eine neue Rekordstrecke aufgestellt haben. Das habe Auswirkungen: Die aktuellen Zahlen deuten zumindest im Norden des Kreises auf eine Senkung der Bestände hin.

Wärmebildgeräte helfen bei Jagd

In Sachsen-Anhalt ist es nun auch möglich, so genannte Nachtsicht-Vor- und Aufsatzgeräte zu verwenden. Zugelassen sind Wärmebildgeräte und Restlichtverstärker. Auf diese Weise können Wildschweine auch außerhalb der Mondphase bejagt werden. Auch Amtstierarzt Klaus Gase sieht in einer intensiven Bejagung ein wirksames Mittel, um der ASP Einhalt zu gebieten. Daneben sei es wichtig, dass jedes Stück Fallwild, untersucht wird, und auch Parkplätze, die von Lkw-Fahrern genutzt werden, sauber gehalten werden. „Hier haben sich die Gemeinden in der Vergangenheit sehr gut gekümmert“, sagt Barz.

Um den Jägern entgegenzukommen, hat der Kreistag auch beschlossen, dass die Untersuchung auf Trichinen pro erlegtem Stück Schwarzwild mit 13,49 Euro übernommen wird. Die Regelung gilt bis 31. März 2021. Der Parasit könnte beim Verzehr von Wildschweinen auf den Menschen übertragen werden. Die Maßnahme ergänze ein Vorsorgepaket, um die ASP abzuwenden.

115.000 Schweine im Landkreis

Ins Mark könnte die ASP vor allem die rund 300 schweinehaltenden Unternehmen im Landkreis treffen. Dahinter stehen ungefähr 115.000 Tiere, wobei der Großteil in zehn bis zwölf Unternehmen aufgezogen wird. Auch aus der Sicht der LFD-Geschäftsführung sei es jetzt wichtig, dem aktuellen Preisverfall im Schweinemarkt zu begegnen und den Erzeugern eine Sicherheit für ihre Arbeit zu geben. Hier seien Politik und Verbände gefordert. Die schweinehaltenden Firmen sind alle mit einer umfangreichen Checkliste, die unter anderem Hygieneregeln, Arbeitsabläufe und bauliche Voraussetzungen enthält, ausgestattet.