Kabarett

Kultur ist zurück am Weinberg

Kabarettisten sind wasserfest. Dominik Patté und Anna Maria Brandenburg trotzten am Weinberg dem Regen – ebenso wie das Publikum.

Von Thomas Pusch
Dominik Patté befragte das Publikum, was es von dem Abend erwartet. ?Eine Menge Spaß?, war die berechtigte Antwort.
Dominik Patté befragte das Publikum, was es von dem Abend erwartet. ?Eine Menge Spaß?, war die berechtigte Antwort. Foto: Thomas Pusch

Burg - Wer sich am Wochenende auf ein Comeback des Kabarettensembles Cat-Stairs gefreut hatte, der hatte sich zu früh gefreut. „Gastspiele hatten wir ja nicht ausgeschlossen“, hatte Dominik Patté im Vorfeld gegenüber der Volksstimme gesagt. Es handelte sich auch nicht um die volle Besetzung, auf der Bühne stand er mit Anna Maria Brandenburg, und auch nicht um ein neues Programm.

Wer sich aber auf eine runde Stunde voll Witz und Hintersinn auf den Weinberg gefreut hatte, der wurde nicht enttäuscht.

Dabei hatte es am Nachmittag gar nicht gut ausgesehen. Donner war über Burg zu hören, der Deutsche Wetterdienst gab eine Gewitterwarnung für das Jerichower Land von 14 bis 16 Uhr heraus.

Doch der Regen, der kam erst später, pünktlich zum Austritt von Cat-Stairs, den Patté platzen lassen wollte.  „Wie dumm muss denn ein Kabarettist sein, bei dem Regen, zweieinhalb Stunden später als jede Wetter-App ihn angekündigt hat, ein Programm zu bieten“, fragte er Brandenburg. Und dem Publikum riet er, es sich gutgehen zu lassen und etwas zu trinken zu bestellen, „am Besten Glühwein“. Doch seine Bühnenpartnerin wollte nicht klein beigeben, meinte, die Leute würden sich das nicht bieten lassen. „Die Leute lassen sich alles bieten, selbst wenn wir Ihnen nichts bieten“, widersprach Patté. Schließlich ließ er sich doch überreden, ins Publikum zu gehen und einfach nachzufragen. „Jede Menge Spaß“, erwartete eine Zuschauerin, und den sollte sie, ebenso wie alle anderen unter den als Regenschirmen dienenden Sonnenschirmen bekommen. Und zwar von den Kabarettisten, die man nicht als Schauspieler bezeichnen sollte. „Schauspieler sind alle, auch das Volk, das spielt die Hauptrolle“, meinte Patté. Allerdings sollte es da mal ein Casting für eine Neubesetzung geben.

Er haderte nicht nur mit dem Volk, auch mit der Digitalisierung, dem Gesundheitswesen und dem Bildungssystem. „Es heißt gar nicht mehr Zeugnis der Reife, sondern Abitur“, bemerkte er. Denn was komme nach der Reife? „Fäule, allerhöchstens Überreife“, gab er selbst die Antwort. Das habe auch mit den Zuständen der Schulen zu tun. Nicht im Jerichower Land, da sei man auf einem guten Weg. Die Altmark, dieser düstere, dunkle, nicht vertraute Teil Sachsen-Anhalts, habe Schulen, „da ist eine Geisterbahn ein Scheißdreck dagegen“. Da habe es schon vor Corona Löcher in den Decken gegeben, durch die gelüftet werden konnte.

Als Lösung für die Schulsanierung sieht er Sponsoren. Die kleinen Kinder würden doch auch schon wie Litfaßsäulen aussehen, mit all den Etiketten an der Kleidung. Und dann könnte man eben zwischen der Aldi-Gesamtschule, dem Benetton-Gymnasium und dem Kellogg’s Kolleg wählen.

Es war nicht das Comeback von Cat-Stairs, es war kein neues Programm, aber es war der gelungene Auftakt für etwas, von dem Kunstschaffende und Kunsthungrige gleichermaßen hoffen, dass es ein veranstaltungsreicher Kultursommer wird.