Burg l Mit dem Lied, das vor 20 Jahren bei der ersten Vorstellung des musikalischen Kabaretts „Cat-Stairs“ im Burger Gemeindehaus erklang, wird auch das 29. und letzte Programm des Ensembles eröffnet. Ein Lied übers Kabarett und seine Rolle. Wie passend, doch schockiert stellt Gründungsvater Dominik Patté fest, dass der Text abgeändert worden ist. „Das ist doch ein Meilenstein der Burger Kulturgeschichte“, empört er sich. „Und mit Steinen kennt er sich aus“, meint Stefan Vogt süffisant in Anspielung auf Pattés Beruf als Steinmetz. Nach 20 Jahren habe der Text eben angepasst werden müssen, behauptet Anna Maria Brandenburg. Doch ein Muss war es nicht.

In den gut zwei Stunden stellen Akteure und Publikum immer wieder fest, wie aktuell auch die 10, 15 oder gar 20 Jahre alten Texte sind. Das Publikum sitzt an diesem Abend aber zu Hause, die Cat-Stairs verabschieden sich virtuell mit ihrem 29. und letzten Programm „2020 – Doppelt hält besser“. Gezeigt wird eine Aufzeichnung der Premiere aus dem Oktober. Die Kommentarfunktion am Bildschirmrand lässt es aber trotzdem zu einem Gemeinschaftserlebnis werden. So fragt jemand, wo den die Toiletten seien, eine Zuschauerin teilt mit, Salzstangen, Rotwein und den passenden Sitznachbarn zu haben. Und so geht es auf die Zeitreise durch zwei Jahrzehnte.

Monolog zu einer verfahrenen Situation

Da werden Philosophien verkehrt, aus „Ich denke, also bin ich“ wird „Cogito ergo dumm“, „Ich denke, also verdumme ich“. Schuld daran sei auch das Internet, davor sei man in der Schule allerdings am sicherste, denn „wenn es einen internetfreien Ort gibt, dann ist es die Schule“. Bekannte Lieder werden mit neuen Zeilen vorgetragen, so wird aus „Griechischer Wein“ der Song „Krieg, das muss sein“. Die Nachrichtenwelt wird aufs Korn genommen, übers Dschungelcamp sei 1000-mal mehr berichtet worden als über die Krisen in Eritrea oder dem Südsudan.

Kurz scheint das Ensemble auch Positives verbreiten zu wollen. „Es ist schön, das Leben“, heißt ein Titel, doch Schlagworte wie saurer Regen, Klimaerwärmung und Bestechungsgeld wollen nicht so recht zur Überschrift passen. Doch für naiv-gute Stimmung zu sorgen, ist nicht Aufgabe der Hobbykabarettisten, sie wollen zum Nachdenken anregen.

Sehr eindrucksvoll tut dies beispielsweise Patté in einem Monolog, in dem er die Gefahr von rechts thematisiert. „Wir hätten uns die Seele aus dem Leib brüllen müssen, statt nur Liedchen zu singen“, sagt er. Dass man die AfD ertragen müsse, lasse sich leicht sagen, wenn man blond, blauäugig und wohlsituiert ist. Ganz anders sehe es doch aber für Minderheiten aus, die zusammen eine Mehrheit bilden. Wer denn eigentlich mit diesem „Wir“ in Deutschland gemeint sei. „Wir sind Goethe, Bach und Beethoven, wir sind aber auch Hitler“, stellt er fest.

Gelacht werden darf natürlich auch

Natürlich durfte bei den Cat-Stairs auch immer mal wieder gelacht werden, das hat sich auch im letzten Programm nicht geändert. Da wird dann übereinander gefrotzelt. Man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, aber woher wisse man, dass es nicht noch schöner werde, fragt Patté. „Dominik, du bist kein Wein“, entgegnet Brandenburg. Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, antwortet Patté wiederum: „Wie Stefans Muskeln, undefiniert“.

Nach der letzten Verbeugung sind Patté, Vogt und Gabriel Giese noch im Videochat zu sprechen, hängen nochmal eine Dreiviertelstunde ran, um Fragen zu beantworten und auch Lob entgegenzunehmen.

Am 21. November ist das Programm letztmalig zu sehen. Für den Link ist eine Anmeldung unter kartenreservierung@cat-stairs.de nötig.