Dornburg l So was kennt man nur aus dem Fernsehen: Historische Gebäude, die nächtens angestrahlt werden, Musik dazu, die aus Boxen schallt und viele Menschen, die davon angezogen werden und sich als Besucher daran nicht satt sehen und hören können. In Magdeburg wäre so etwas vielleicht noch denkbar, aber doch nicht im kleinen, beschaulichen Dornburg, wo selbst das Telefonnetz der Mobilfunkanbieter in die Knie geht.

Denkste! Ein 28-jähriger gebürtiger Münsteraner, der bei einer Veranstaltungsagentur in Berlin arbeitet, will genau das nach Dornburg bringen, besser gesagt ins Dornburger Schloss. Florian Naumilkat möchte dort mit ein paar Freunden zusammen noch in diesem Jahr ein kleines Kunstfestival organisieren.

300 Besucher nächstes Jahr?

„Es soll ein kleiner Versuch werden, aber wir wollen es in den nächsten Jahren weiter entwickeln und wachsen lassen. 300 Besucher dann in den nächsten Jahren wären schon toll“, wirft er einen Blick in die Zukunft und setzt mit den ersten Zahlen schon einmal eine Marke. Aber: „Erstmal wollen wir ein Gefühl dafür bekommen.“

Deshalb soll das Ganze im ersten Durchlauf – auch coronabedingt – in einem sehr eng gesteckten Rahmen stattfinden. Der Plan bisher: Mit etwa 50 geladenen Gästen soll das Mini-Festival in einem kleineren privateren und damit vor allem überschaubareren Rahmen laufen.

Kunst gepaart mit Musik

Was ist zu erwarten? „Wir wollen an einem Wochenende Musik spielen, gekoppelt mit Kunst, die von Künstlern aus Deutschland und den Niederlanden gezeigt werden soll“, beschreibt Florian Naumilkat das Programm mit kurzen Worten. Musikalisch ist elektronische Tanzmusik angedacht. Die Kunst beschreibt der Mitarbeiter einer Veranstaltungsagentur aus Berlin als zu- meist digitale Kunst – Projektionen, Installationen, Fotokunst.

Erst vor drei Monaten haben er und sein Team mit der Organisation begonnen, aber schon vom 14. bis 16. August soll die Party steigen. Damit das noch gelingt, und das mit niedrigem finanziellen Aufwand, soll jeder, der die Veranstaltung besucht, auch zu dieser beitragen. Jeder soll Teil der Struktur werden, dafür sorgen, dass es gelingt. „Es ist also nicht mit Eintritt zahlen getan, sondern jeder muss etwas beisteuern, sei es Kunst, Musik oder eine Schicht an der Bar“, nennt er Beispiele. Nur kommen und feiern geht nicht.

Zusammenarbeit mit Theatergruppe und Schloss

Dass sie vorhaben, diese Art Festival zu etablieren, merkt man an der Herangehensweise. Sie suchen den Kontakt zur Gemeinde, zum Dorf. Florian Naumilkat ist in dieser Woche vor Ort gewesen, um die Dornburger kennenzulernen und ihnen zu sagen, was sie vorhaben. Gesicht zeigen. Sie mit ins Boot zu holen. „Uns ist es wichtig, dass, obwohl wir das Schloss unabhängig von der Gemeinde mieten können, alles im Einvernehmen läuft und wir nicht als Störenfriede wahrgenommen werden, die kommen und nur laut sind“, sagt er. An einem Strang ziehen, gemeinsam mit dem kleinen Kunstfestival glücklich sein, das sei das Ziel. Daher seien die Dornburger immer gerne gesehen bei der Festivität – sollen vorbei kommen, sich umsehen, Musik hören.

Auch Absprachen mit der Theatergruppe „Bühnchen“ und der Stengelgesellschaft, die die Geschichte des Schlosses aufarbeitet und sie gerne bei Führungen präsentiert, soll es geben. Man will sich mit niemanden ins Gehege kommen. Denn diese beiden Gruppen nutzen das Schloss ebenfalls – das aber nun schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten.

Skepsis bei einigen Dornburgern

Aber Dornburg wäre nicht Dornburg, wenn es bei einem Vor-Ort-Termin nicht auch skeptische Stimmen gegeben hätte. „Wir haben hier schon einige gesehen, die sich hier versuchen wollten. Alles gescheitert. Daher ist bei den Dornburgern eine gewisse Skepsis bei solchen Vorhaben da“, wird zum Beispiel von An- dreas Steinz, Ortsbürgermeister, in die Runde geworfen. Aber man würde sich über ein Gelingen sehr freuen.

Daher war das Interesse seitens der Dornburger an der ganz konkreten Umsetzung der Veranstaltung auch recht groß. Florian Naumilkat geht also ins Detail: Lautsprecher sollen bis 22 Uhr auch draußen die Musik verbreiten. Allerdings nur im Schlossgarten, weg vom Dorf. Nach 22 Uhr soll sich das Getümmel nur noch im Schlosskeller abspielen, dessen dicke Mauern ein Garant für Schallschutz sein sollen. Sollte es zu laut werden, will man selbst angesprochen werden, um reagieren zu können. Außerdem wolle man vielleicht auch mal in den See springen – wenn das erlaubt sei.

Eine „kleine terminliche Kollision“ wird dann noch angesprochen: Am 15. August ist in Dornburg auch schon die Sommermusik geplant. Diese ist extra wegen Corona nach draußen verlegt worden. Etwa eine Stunde soll dort Musik erklingen – aber live, nicht aus Lautsprechern. „Es sollte kein Problem sein, in der Zeit nicht zu beschallen. Wir wollen die Atmosphäre nicht zerstören. Weder bei Ihnen, noch bei uns“, reagiert Florian Naumilkat auf diese Anmerkung prompt und verständnisvoll. Das scheint für ihn das kleinste Problem zu sein.

Keine Infrastruktur im Schloss

Dass keine Infrastruktur im Schloss ist, ist hingegen eine kleine Herausforderung, der er sich aber gerne stelle. Denn: Bisher ist angedacht, dass alle 50 Besucher im Schloss übernachten.

Gerne könnte man da mit dem Gemeindehaus etwas entgegenkommen, in dem zumindest funktionierende Toiletten sind, zeigen sich die Dornburger und auch Gemeindebürgermeister Jens Hünerbein (parteilos) entgegenkommend. Natürlich nur mit einem Hygienekonzept nach der geltenden Verordnung.

Auswertung danach gewünscht

„Ich freue mich über alles, was Bewegung in das Schloss bringt, wenn die Ortschaft sagt, wir machen das mit“, so Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein.

Was sich aber Bürgermeister und Dornburger gleichermaßen wünschen: eine kleine Auswertung danach. Für Lob und Kritik. Was ist danach vorstellbar, soll es weiter gehen, wenn ja, wie und wann.

Sauberkeit ist wichtig

Das sehen Einheimische und Veranstalter gleich. Auch Florian Naumilkat würde darauf Wert legen. Aber jetzt, nach dem ersten Treffen, ist seine Nervosität erst einmal etwas gewichen. „Ich fand es positiv. Aufgeschlossene Atmosphäre. Alle sehr freundlich und interessiert. Vielleicht gab es da anfänglich andere Vorstellungen, aber auch nachdem alles erklärt war, war die Resonanz positiv“, resümiert er und ist guter Dinge, wie es weiter geht.

Auch die Dornburger gehen letztlich mit einem eher positiven Gefühl aus dem Termin. „So lange hier alles sauber hinterlassen wird – ist es okay“, heißt es von Vertretern aus dem Dorf, was in dieser Mentalitätsregion fast einem begeisterten Fähnchenwinken gleichen dürfte.