Burg l Schlangen von Besuchern an den Eingängen zum Burger Goethepark. Alles strömt zur Hauptbühne, Regen sorgt für eine kurze willkommene Erfrischung. Knapp 3000 Besucher lauschten am Sonnabendabend den Klängen der Alt-Rocker von Karat und genossen die Erinnerungen an frühere Tage. Für die Organisatoren der Landesgartenschau (Laga) war es bis jetzt die am zahlreichsten besuchte Abendveranstaltung. Geschäftsführerin Sonnhild Noack sagte: „Karat ist und bleibt der Renner. Wir sind froh, dass sie nach Burg gekommen sind.“ Ein glückliches Gesicht macht auch Annerose Fried aus Magdeburg. Sie verbindet Karat mit ihrer Jugendzeit: „Wenn ich ,Über sieben Brücken musst du gehen‘ höre, bin ich hin und weg.“

Tucheimerin ganz aufgeregt

Auch Liane Ziemert kann es kaum erwarten, „ihre“ Gruppe endlich zu sehen. Die Tucheimerin hatte sich zuvor um ein Meet&Greet bei der Laga GmbH beworben. „Ich bin so aufgeregt – habe meine Fragen ganz vergessen“, gesteht Ziemert hinter der großen Bühne. „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, seinen Stars im persönlichen Gespräch zu begegnen?“ Liane Ziemert ist seit 30 Jahren Karat-Fan, ihr Lieblingslied „Über sieben Brücken musst du gehen“. Und sie ist in Besitz aller CD‘s. Selbst ein paar Original-Platten aus DDR-Zeiten nennt sie ihr Eigen. Die Verwaltungsangestellte bewarb sich zum persönlichen Kennenlernen bei der Laga GmbH und postete ihren Lieblingssong. Jetzt ist sie gespannt auf ihre Stars. „Ich freue mich riesig, dass ich das große Los gezogen hab.“

Die Aufregung weicht

Die Musiker um Claudius Dreilich und Bernd Römer betreten den Hintereingang zur Bühne und grüßen jeden mit einem Handschlag. Die Aufregung weicht, die Anspannung auch. Liane Ziemert kommt sofort mit den Künstlern ins Gespräch, plaudert mit ihnen über Land und Leute: „Erinnern Sie sich noch an ihren Auftritt in Genthin?“, fragt sie Sänger Claudius Dreilich. Der bejaht ihre Frage und zum Erstaunen aller zählt er Einzelheiten auf: „Das war die MDR-Sommertour 2014 im Juni und es war ein wunderbares Konzert.“ Karat-Gitarrist Bernd Römer weiß auch noch um den Auftritt in Burg 1998: „Das war auch im Juli – fast um die gleiche Zeit.“

Bilder

Zwei Details zu den Künstlern von Karat sind für Liane Ziemert entscheidend: Karat mache gefühlvolle Musik mit wahrhaftigen Texten und: „Sie sind bodenständig, Menschen wie Du und Ich.“ Auch Fred Kunikowski gewann ein Treffen mit den Rockern, im Gepäck die Original Amiga-Scheibe „Der blaue Planet“. „Die will ich mir heute sig-nieren lassen“, so der Möseraner.

Erfolge im Westen

Die Musiker werden auf ihre Erfolge im damaligen Westen angesprochen. Ungewöhnlich für eine Rockband aus dem Osten, holten sie zwei Jahre hintereinander eine „Goldene Schallplatte“: 1983 mit „Der blaue Planet und 1984 mit der Scheibe „Albatros“. Bernd Römer fügt hinzu: „Ja, da hing viel Ehre dran, das andere holte sich der Staat.“ Damit meinte er die Devisen, die als sprudelnde Einnahmequelle für die Kulturfunktionäre von Bedeutung waren.

Gänsehaut pur

Schon bevor die ersten Töne über die Boxen schallten, kochte die Menge. Als dann ein Musiker nach dem anderen auf die Bühne trat, war der halbe Goethepark vollends im Karat-Fieber. Ob „Der blaue Planet“, „Blumen aus Eis“ oder der „Schwanenkönig“ – Karat begeisterten mit ihrer rockigen, eingängigen Lyrik. Beim Song „Über sieben Brücken musst du gehen“ gab es Gänsehaut pur – trotz subtropischer Hitze. Aus knapp 3000 Kehlen schmetterte das Publikum den Song zur Bühne zurück und nahm Sänger Claudius Dreilich seine Arbeit ab. Übrigens: Das Lied thematisiert nicht den Widerstand gegen das herrschende System in der DDR. Es ist eine Musik zu einem Film gleichen Namens und greift die Wege auf, die ein Mensch braucht, um glücklich zu sein.