Schermen l Es war sein fünfter öffentlicher Vortrag, den der Ortshistoriker Reinhard Ritter in der alten Schule von Schermen hielt. Einmal mehr lag dabei der Ort selbst und dessen Geschichte im Mittelpunkt der Betrachtungen. Diesmal aber nicht zentral sondern als kleiner Flecken auf vielen Landkarten. Diesen musste Ritter zunächst einige einführende Worte voranstellen, denn Karte ist nicht gleich Karte. So ging die Reise zunächst nicht mit dem Finger von Ort zu Ort, sondern zurück in die Anfänge des Kartenweges, vom Messtischblatt bis hin zum Satellitenbild.

Geodätischer Punkt

Ritter konnte dabei auch auf einige Dinge verweisen, die in Bezug auf das Kartenwesen direkt mit Schermen zutun hatten. So befindet sich am Maulbeerbaum noch heute ein geodätischer Punkt. Über ihn wurden in früheren Zeiten Entfernungen abgemessen. Ein trigonometrischer Punkt befand sich lange Zeit auf dem Kapaunberg, direkt neben der alten Telegrafenstation, dieser wurde, zur Einmessung der Deutschen Demokratischen Republik, 1953 sogar noch einmal neu errichtet.

Mit der Satellitentechnik haben sich solche Messverfahren allerdings in die Geschichtsbücher verabschiedet.

Aufzeichnung falsch gelesen

Mit einer Pilgerkarte aus dem Jahr 1500 begann der Blick hin zum alten Schermen. Damals lag Rom noch im Mittelpunkt der Welt und damit richteten sich alle Karte zu ihm hin aus. Der Süden war also oben. Ein Jahrhundert Später lag der Osten oben und viele Teile Europas in Schutt und Asche. „Ganze Gegenden waren durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkert“, berichtete Ritter. Auch Schermen verlor sich auf den Karten, die alle größtenteils in Amsterdam oder Nürnberg gezeichnet wurden. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass 1750 an der Stelle, wo Schermen zu finden sein sollte, der Ort Schrinickel auftauchte. „Da hat wohl ein Kartenzeichner nicht richtig übernommen oder eine Aufzeichnung falsch gelesen“, meint Ritter erklärend.

Schermen war Grenzort

Das kam schon mal vor, vor allem, weil Schermen damals noch ein Grenzort war. Denn von Pietzpuhl bis nach Stressow erstreckte sich von 1305 bis 1773 Brandenburger Land. Enklaven gab es aber damals einige. Auch Ihleburg und Gommern gehörten damals zu Sachsen, weiß Ritter zu berichten. Erst mit dem Einmarsch Napoleons und der Vermessung Preußens ab 1780 änderte sich dies. Bis dahin war das Jerichower Land ein Flickenteppich aus verschiedenen Nationen.

Enorme Veränderungen

Die Veränderungen Schermens als Darstellung auf Karten innerhalb von 200 Jahren waren enorm. Das einstige Rittergut expandierte bis 1942. Dies wurde aus verschiedenen Karten ersichtlich. Auf einer alten Separationskarte von 1839 entdeckte Ritter gar das heute noch vorhandene Schulgebäude und die Feuerwehr. Die Karten gaben aber noch mehr preis. So lag Schermen einst zwischen zwei Straßen und auch alte Sagen, wie die vom hungrigen Wolf, ließen sich mit Fantasie in den Karten wiederentdecken. So konnte sich Ritter gut vorstellen, dass es in unseren Gefilden einst eine große Ritterburg gab. Wo diese gestanden haben könnte, ist aber eine andere Geschichte.