Burg/Stendal l Es war eine Zufallsbekanntschaft, die Abdullah Althalge am Genthiner Bahnhof machte. Dort traf er auf den ebenfalls aus Syrien stammenden Ghazwan Assaf. Die beiden hatten gleich ein Gesprächsthema, ihre gemeinsame Heimatstadt Aleppo. Assaf war den Kriegswirren 2015 entflohen, wohnt seitdem in Genthin. Ein Jahr später floh Abdullah zusammen mit seinen beiden Brüdern Basel und Ahmad. Sie landeten zunächst in München, ihr Weg führte sie dann weiter nach Halberstadt, Brettin und schließlich nach Burg.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich gerne einen Film über ihn machen würde“, erzählte Abdullah am Sonntagabend im Gespräch mit der Volksstimme. Regelmäßig war er beim Offenen Kanal Magdeburg zu Gast. Er war einer der zehn Finalisten im Landeswettbewerb „Reflect“, eben mit dem Film über seinen Landsmann, der in Deutschland mit dem Malen angefangen hat, um seine Erlebnisse zu verarbeiten.

Farbe als Ausdruck der Gefühlswelt

„Wenn ich mich schlecht fühle, benutze ich schwarze Farbe“, erzählt der 27-Jährige im Film. Geld verdienen will er mit seinen Bildern nicht, ausgestellt hat er sie aber sehr wohl schon, unter anderem in Genthin, Burg, Parey und sogar auch im Magdeburger Landtag. Seine Werke sind hintergründig, teilweise bedrückend. So gibt es ein Bild, auf dem nur Zeichentrickfiguren abgebildet sind – die einzigen Überlebenden, nachdem alle Kinder im Krieg getötet worden sind. Es gab auch Kaufinteressenten, einmal hat er ein Bild tatsächlich verkauft, das Geld an Flüchtlingskinder in Griechenland gespendet. Einer Kanadierin hatte er zunächst einen Korb gegeben, das gewünschte Werk sei unverkäuflich. Schließlich schenkte er es ihr.

„Eine halbe Stunde haben wir uns unterhalten, dann hat der Schnitt noch einige Stunden gedauert“, schilderte Abdullah die Filmentstehung, während sich die Jury zur Beratung zurückgezogen hatte. Gedreht wurde in Genthin und am Elbe-Havel-Kanal. Dorthin zieht sich Assaf bei seinen Spaziergängen zurück, in der Stadt gebe es so viele, die ihn komisch ansehen würden, als ob er ein Außerirdischer wäre.

Jedes Jahr ein anderes Motto

2007 war das Europäische Jahr für Chancengleichheit für alle. Das war der Impuls für den Regionalleiter des Paritätischen, Bernd Zürcher, und den Geschäftsführer des Offenen Kanals Stendal, Andreas Bredow, sich dazu eine Aktion einfallen zu lassen. Das Ergebnis ihres Denkspiels: der Wettbewerb Reflect, der in diesem Jahr zum zwölften Mal ausgetragen wurde und zu dessen Unterstützern auch der Stendaler Verein Kunstplatte und das Theater der Altmark gehören. Die Idee dahinter war zu zeigen, was jemanden behindert. In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Motto „70 Jahre Menschenrechte“. Insgesamt 39 Beiträge waren eingegangen, eine Vorjury hatte zehn fürs Finale ausgewählt. Und nun stieg die Spannung im Stendaler Theater der Altmark, eine Dreiviertelstunde hatten sich die Juroren erbeten.

Laudator Lars Johansen

Als Laudator für den Gewinner trat Lars Johansen ans Rednerpult. Als Vorsitzender des Offenen Kanals Magdeburg habe er nicht für den Beitrag stimmen dürfen. Er kenne den Porträtierten auch ganz gut, habe sich auch deshalb aus der Entscheidung herausgehalten. Als die Entscheidung gefallen sei, habe er sich aber ausgebeten, die lobenden Worte sprechen zu dürfen. Und zu jenem Zeitpunkt war schon ziemlich klar, für wen.

„Ich wollte unbedingt gewinnen“, sagte Abdullah freudestrahlend nach der Auszeichnung. In diesem Sommer will er seinen Hauptschulabschluss machen, im kommenden Jahr den Realschulabschluss, dann eine Ausbildung beginnen. „Ich möchte gerne Kameramann werden“, verriet er. Mit dem Gewinn des Preises dürfte er schon eine gute Arbeitsprobe haben.