Volksstimme: Als Bauer muss man es in den vergangenen zwei Jahren schwer gehabt haben. Zwei Dürresommer nacheinander. Wie sieht es dieses Jahr für die Agrarwirtschaft aus?
Konrad Krause: Wir sind in diese zwei Dürresommer mit Reserven und Futterreserven reingerauscht. Gut, dass wir welche hatten, so dass wir beide Jahre überbrücken konnten. Erst jetzt können wir wieder erste Reserven aufbauen, dank des Wetters. Auch wenn wir derzeit noch von der Hand in den Mund leben, was die Niederschläge angeht. Der Regen reicht noch lange nicht zur Grundwasserneubildung. Ein richtig feuchter Winter müsste erst wieder kommen, damit der Unterboden mal wieder richtig durchfeuchtet wird.

Haben Bauern Maßnahmen ergriffen, um künftig auf solche Dürren vorbereitet zu sein, beispielsweise durch den Anbau anderer Pflanzen oder Sorten?
Ertragsschwankungen wie in den zurückliegenden Dürrejahren gab es schon immer. Die deutschen Landwirte werden jetzt nicht im Hauruck ihre Fruchtarten ändern – auch nicht wir in Menz. Es wird immer das angebaut, was Markt und Verbraucher verlangen. Das sind beispielsweise Winterweizen für Nudeln und Weißbrot, Winterroggen für Mischbrot, Raps für Speiseöle und Biodiesel sowie Wintergerste zur Viehfutterherstellung. Auch das ist wieder bei uns auf den Feldern zu finden.Aber: Wir haben bemerkt, dass die Aussaatzeiten, die man in den 80er und 90er Jahren festgesetzt hatte, nicht mehr funktionieren. Wir machen jetzt alles etwas später, denn sonst werden uns die Pflanzen zu fett und verbrauchen zu viel Wasser, da sie bei den milden Wintern durchwachsen. Auch die Sortenwahl passt man an. Wir haben beispielsweise eine Maissorte, die später aufs Feld kommt. Als kleine Pflanze benötigt sie weniger Wasser im Sommer, aber bringt dann später doch einen guten Ertrag. Frühere Sorten verbrennen uns im Juli/August.

Der Trend scheint ja zu sein, dass es immer wärmer wird. Wie richten sich Bauern auf den Klimawandel ein?
Das, was wir anbauen, wird auch bei Hitze funktionieren, immer vorausgesetzt, dass genug Wasser da ist. Wir setzen aber auch schon seit vielen Jahren nicht nur auf eine Sorte. Wir haben beispielsweise sechs verschiedene Weizensorten, wovon meistens eine sehr gut trägt, eine nur schlecht und die anderen so mittel. Würden wir nur auf eine Sorte setzen, und das wäre die, die schlecht trägt, wären wir pleite. Aber wir sind auch noch nicht so weit, dass wir nur Sorten aus dem warmen Süden der Welt anbauen würden, denn noch steht ja nicht fest, dass wir gar keinen Winter mehr haben.

Bilder

 

Könnte die zunehmende Wärme noch andere Probleme mit sich bringen?
Das hat sie bereits. In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass die Reifen unserer Fahrzeuge bei großer Hitze und der vielen UV-Strahlung weicher werden und dann durch die Stoppeln auf dem Feld regelrecht zerfressen werden. Dadurch hatten wir regelmäßig Pannen. Und so ein Reifen ist wirklich teuer. Jetzt haben wir einen Stoppelschutz angebaut, was wir uns von den Australiern abgeschaut haben – da ist das üblich. Auch Mäuse könnten ein weiteres Problem werden, denn Mäuse überleben zunehmend solche milden Winter. Ich sehe bei uns in Menz da noch kein Problem, denn wir pflügen viele Flächen. Die Minimalbodenbearbeitung, die zum Umweltschutz propagiert wird, ist da eher kontraproduktiv – da machen sich die Mäuse breit und fressen alles von unten weg.

Der August steht bereits vor der Tür. Ein Großteil der Ernte ist schon erledigt. Was für ein Fazit können Sie als regionaler Bauer jetzt schon ziehen?
Das stimmt, die Ernte 2020 nährt sich dem Ende. Es sind noch etwa 30 Prozent der Druschfrüchte einzubringen. Das Fazit für uns ist bisher in Ordnung und besser als in den Vorjahren: Die Erträge bei Wintergerste und Winterraps waren durch Spätfröste und Trockenheit im April zwar leicht unterdurchschnittlich, aber durch die Niederschläge im Mai und Juni konnten der Winterroggen und die Futtererbsen leicht überdurchschnittliche Erträge erzielen. Der Winterweizen, der zurzeit geerntet wird, lässt einen zufriedenstellenden Ertrag erwarten. Auch die Speisekartoffeln, eines unserer Steckenpferde, wie viele wissen, stehen gut im Feld. Nach der Ernte werden sie auch wieder an den Septemberwochenenden ab Hof verkauft werden.

Das Agrarunternehmen Menz bewirtschaftet nicht nur Äcker, sondern hat auch Rinder. Für die gesunde Haltung der Tiere war, rückblickend auf die vergangenen zwei trockenen Sommer, Futterbeschaffung sicherlich ein Thema. Wie sieht es da aus?
Unsere ökologisch bewirtschafteten Grünlandflächen haben diesen Sommer von den etwas kühleren Tagen und den Regenschauern profitiert, so dass die Mutterkühe ausreichend Futter zur Verfügung haben. Das ist wichtig, denn wir haben 2017 unsere Rinder komplett auf Bio umgestellt, um die Erzeugerpreise, die wirklich im Keller waren, etwas zu puffern, da wir einen Bio-Zuschlag bekommen.

Vorher haben wir auf den Weidewiesen mineralischen Dünger eingesetzt, das machen wir jetzt nicht mehr. Außerdem: Die Hörner bleiben dran, die sonst aus Arbeitsschutzgründen abgesägt werden müssen.

Ein Vorteil den das noch mit sich bringt, ist, dass die Kühe mit den Hörnern jetzt die Herde gegen den Wolf verteidigen. Der Wolf ist auch bei uns Thema. Zwar hatten wir noch keinen Riss, aber hatten den Wolf schon in der Herde - das haben die Jäger beobachtet und auch gefilmt.

Traditionell, vor allem im Frühjahr, wird gerne mal von der „guten Landluft“ gesprochen. Gemeint ist der Geruch, wenn Dünger aufgebracht wird. Dieser steht bei Dorfbewohnern oft in der Beliebtheit nicht hoch im Kurs. Zudem gibt es häufig Kritik beim Thema Düngen. Wie stehen Sie dazu?
Wir versuchen, unseren Boden in einem bestmöglichen Zustand zu halten und ihn mit organischen Düngern wie Gärresten zu versorgen. Dies steigert sowohl den Humusaufbau als auch die Wasserspeicherkapazität. Und eine alte Bauernweisheit besagt: „Wer den Acker pflegt, den pflegt der Acker“.

Landwirten wird auch das Insektensterben vorgeworfen. Sie seien schuld, durch ihre Art der Landwirtschaft. Wie sieht man das als Landwirt? Was tut man?
Wir haben freiwillig Blühstreifen angelegt und 120 Hektar ökologische Vorrangfläche, wo wir nichts machen, wo alles wachsen und sich vermehren kann. Auch bei den Insektiziden halten wir uns zurück. Bei den Kartoffeln haben wir nur einmal gegen den Kartoffelkäfer gespritzt. Das wird auch nur gemacht, wenn wir auf einem Quadratmeter zu viele Käfer finden. Sind da nur drei oder acht, wird da nicht noch mal gespritzt. Das spart Kosten, das ist also auch gut für uns.

Dürren, Kritik aus der Bevölkerung, politische Entscheidungen, die die Bauern in jüngster Vergangenheit sogar in Berlin demonstrieren ließen. Es scheint für Bauern immer schwieriger zu werden. Was sind die größten Probleme in der modernen Landwirtschaft?
Was unserem Berufsstand mehr zu schaffen macht als Witterungseinflüsse, das ist die überbordende Bürokratie, die mittlerweile einen beachtlichen Teil der Arbeitszeit eines Landwirtes verschlingt.

Dazu kommen Flächenverluste durch Versiegelungen. Das sind schwere Eingriffe in die Landwirtschaft. Täglich werden in Deutschland etwa 70 Hektar Agrarland der landwirtschaftlichen Produktion entzogen, um Siedlungen, Gewerbegebiete und Verkehrsflächen zu errichten. Das muss man sich mal vorstellen. Unsere Verwaltungen sollten sparsamer mit dem Grund und Boden umgehen, der uns letztlich versorgt.

Auch in Gommern ist hier jüngst ein Beispiel zu nennen. Beim Radwegebau Gommern-Nedlitz ist zu erkennen, dass das Thema nicht sensibel genug behandelt wird. Die Radstrecke an der Kreisstraße K1220 ist ackerseitig entlang der Strommasten geplant, die aber kurz nach Fertigstellung der Strecke entfernt werden. Bei einer besseren zeitlichen Abstimmung zwischen Netzbetreiber und Verwaltung könnte der 2,25 Meter breite Asphaltstreifen dichter an die Kreisstraße heranrücken, um wertvollen Boden zu erhalten.