Fähre Ferchland-Grieben

Linienverkehr auf der Elbe

Im Spätsommer soll die Fähre zwischen Ferchland und Grieben wieder übersetzen. Als Betreiber ist die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land vorgesehen. Der Kreistag entscheidet Mittwoch über den Betrauungsvertrag.

Von Thomas Pusch
Praktisch als Hausherr empfing NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter (2.v.l.) die beiden Landräte und vier Bürgermeister zum Unterzeichnen des Kooperationsvertrages auf dem Fähranleger.
Praktisch als Hausherr empfing NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter (2.v.l.) die beiden Landräte und vier Bürgermeister zum Unterzeichnen des Kooperationsvertrages auf dem Fähranleger. Foto: Thomas Pusch

Burg - „Die NJL kann Nahverkehr, sie kann auch Fähre.“ Diese Einstellung hatte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) schon vor Monaten vertreten, als er die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land als künftigen Betreiber der Verbindung zwischen Ferchland und Grieben ins Spiel brachte. Dass sich das Nahverkehrsunternehmen mit der Fähre identifiziert, bewies es bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages für die Fähre: Die Tische waren mit maritimen Symbolen dekoriert. NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter bemerkte wenig später scherzhaft am Rande der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen den Landkreisen Jerichower Land und Stendal sowie der Gemeinden Elbe-Parey, Jerichow, Tangermünde und Tangerhütte: „Als kleiner Junge habe ich mir zwei Dinge gewünscht, einen Bus und eine Fähre“. Der zweite Wunsch rückt näher, am morgigen Mittwoch entscheidet der Kreistag über den Betrauungsvertrag mit der NJL.

Nachdem die Fährverbindung im Sommer vergangenen Jahres eingestellt worden war, weil die Gemeinde Elbe-Parey sich nicht mehr in der Lage sah, das Defizit allein zu tragen, schlugen die Wellen des Protestes hoch. Sowohl für Berufspendler als auch für Touristen sei die Verbindung von großer Bedeutung. Auf einer Strecke von Burg bis Tangermünde kann die Elbe derzeit auf einer Länge von 34 Kilometern nicht überquert werden, was erhebliche Umwege bedeutet.

Busfahrer werden zu Fährleuten

Am 2. Juni wurde der Kooperationsvertrag unterschrieben, der festlegt, dass sich die sechs Beteiligten das Defizit teilen, um einen dauerhaften Betrieb der Fähre zu sichern. Um das Modell zu komplettieren, muss nun noch der Betreiber vertraglich festgelegt werden. Bei der NJL wird die Fähre künftig als eine weitere Linie betrachtet, mit dem Verkehrsverbund Marego sind bereits Absprachen getroffen worden. Doch das reichte als Vorbereitung bei weitem nicht aus.

Derzeit absolvieren die NJL-Mitarbeiter Anika Strübing, Paul Oelze und Elias Fichtner, auf den Fähren Breitenhagen und Barby ihre Ausbildung. Sie sind und bleiben Busfahrer, können aber bei Bedarf dann auch auf der Fähre eingesetzt werden. Die Anträge beim Verkehrsverbund Marego seien bereits gestellt.

Personal zu finden war im Vorfeld eine Hürde geworden, die aber genommen wurde. „Es ist uns gelungen, drei feste Fährführer zu binden und mit den bisherigen Fährleuten eine ergänzende Unterstützung zu vereinbaren“, so Thomas Schlüter. Dazu bekommen die drei flexiblen Busfahrer eine Ausbildung zum Fährführer, um die Last gut zu verteilen und personelle Stabilität zu gewährleisten. Dabei arbeite die NJL mit benachbarten Fährbetreibern zusammen. Zudem hätten bereits auch sehr konstruktive Vorgespräche mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt stattgefunden.

Gierseilantrieb bleibt ein Thema

Die Fährzeiten sollen sowohl Pendlern als auch Touristen die Möglichkeit zum Übersetzen bieten. Die Fähre Rogätz diente dabei als Beispiel. Werktags soll die Fähre von 6 bis 20 Uhr unterwegs sein, sonnabends, sonn- und feiertags von 8 bis 20 Uhr. An allen Tagen ist eine halbstündige Mittagspause vorgesehen. Damit ist die Fähre im Jahr insgesamt 4325 Stunden unterwegs. In der Kalkulation wurden Ausfallzeiten durch ungünstige Pegelverhältnisse oder Reparaturen sowie eine Winterpause berücksichtigt. In dem Rechenmodell wird von einem Defizit von 38 000 Euro im Jahr ausgegangen.

Mittelfristig soll die Fähre zu einer Gierseilfähre umgebaut werden. Dazu müssen auch die Fähranleger umgebaut werden. Dies erfordert allerdings die Förderung durch Landesmittel. Im Vorfeld war dies als Voraussetzung für den Weiterbetrieb der Fähre angesehen worden. Dann hätte die Fähre weniger Ausfall durch den Elbpegel, könnte mehr Umsätze einfahren. Doch so schnell ließ sich das Vorhaben nicht umsetzen. Zwar hatte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) signalisiert, dass das Land die Umbaukosten zur Gierseilfähre von etwa 100 000 Euro übernehmen würde, allerdings würde der Umbau der Fähranleger laut einem unverbindlichen Angebot der Firma Hydro-Wacht mit weiteren rund 550 000 Euro zu Buche schlagen. Zudem müsste die Leistung dann erst ausgeschrieben, die Finanzierung vom Land in den Haushalt für das kommende Jahr eingestellt werden. Der Umbau der Fähranleger muss bei Niedrigwasser, also im Hochsommer, erfolgen. Zudem handelt es sich dabei um einen Eingriff in den Schiffsverkehr, der mit dem Wasser- und Schiffartsamt geregelt werden muss. Ob die Behörde dem schnell zustimmt, ist nicht garantiert.

Jetzt kommt es aber darauf an, die Fähre so schnell wie möglich wieder aufs Wasser zu bringen, um ein positives Zeichen zu setzen – „September“, schätzte Schlüter.