Burg l Diese immer noch aktuelle Frage greift die Konferenz „Stadt & Literatur“ zu Ehren ihres 85. Geburtstags auf. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bekannte sich direkt zu Beginn als Literaturfreund: „Ich lese gerade ‚Ich möchte so gern ein Held sein‘ von Wolfgang Schreyer und Brigitte Reimann. Das Buch gibt Einblicke in Themenfelder, die bisher so noch nicht beleuchtet wurden und zeigt, dass man immer wieder etwas Neues finden kann.“

Sozialistisches Erbe

Und darum geht es auch an diesem Wochenende in Burg bei der Konferenz „Stadt & Literatur“ zu Ehren des 85. Geburtstags der großen Nachkriegsautorin aus Burg. Von Freitag bis Sonntag tauschen sich die Teilnehmer über die städtebauliche Perspektive Reimanns aus: Wie geht die Stadt Burg mit ihrem „sozialistischen Erbe“ um? Was muss, kann, soll eine moderne, lebenswerte Stadt leisten?

Diese Frage greift Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) direkt auf. „Ich finde es spannend, dass wir hier heute so verschiedene Experten haben: Kulturschaffende, Schriftsteller, aber auch Stadtplaner. Wie wirkt die Stadt auf Menschen? Das ist eine sehr spannende Frage.“

Marode und saniert

Im konkreten Fall der Stadt Burg bedeutet das vor allem ein Gemengelage aus komplett sanierten Häusern und maroden Straßenzügen, von sozialistischen Plattenbauten und einer modernen Landesgartenschau.

„Stadt bedeutet immer auch Wandel“, betont Bürgermeister Rehbaum. Nicht immer nur im positiven Sinn, wie ein Blick auf die Einwohnerzahlen offenbart: Die Zahl der Einwohner der Stadt Burg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken, auf derzeit 19 418 Bewohner in der Stadt selbst. Diese Landflucht spiegelt sich auch im Stadtbild wider – halb verfallene Häuser säumen viele Nebenstraßen Burgs.

Kulturwunder im Osten

Dagegen will seit 2016 das Projekt „Altes Haus sucht Zukunft“ angehen. Die Initiative unterstützt Hauseigentümer, die nicht selbst sanieren können, bei der Suche nach Käufern. An diese Problematik knüpft auch die Ausstellung „Das Kulturwunder im Osten Deutschlands“ an, die von Dr. Margrid Bircken, Vorstandsmitglied der Brigitte-Reimann-Stiftung, eröffnet wurde.

Dabei gehe es nicht nur um die Architektur einer Stadt, wie die Literaturwissenschaftlerin erläutert: „Es geht auch um die Frage: Wie steht es um die Perspektiven kultureller Arbeit in der heutigen Zeit“, so Margrid Bircken. Denn weniger Einwohner bedeuten nicht nur baulichen Leerstand, sondern auch Lücken in der Kulturlandschaft. „Wo Kultur wegbricht, wird Platz frei für Gewalt“, zitiert sie den Regisseur August Everding. Es klingt so aktuell wie nie.