Karls investiert weiter

Loburg: Endspurt bei der Bonbonmanufaktur

Am 6. August soll in der ehemaligen Ehle-Mühle von Loburg ein Nasch-Tempel eröffnet werden

Von Stephen Zechendorf
Noch wird hier kräftig gearbeitet. In wenigen Tagen sollen in diesen Räumen leckere Bonbons hergestellt werden.
Noch wird hier kräftig gearbeitet. In wenigen Tagen sollen in diesen Räumen leckere Bonbons hergestellt werden. Foto: Stephen Zechendorf

Loburg - Noch werden in dem lange ungenutzten Mühlengebäude am Münchentor Holzfußboden verlegt, Mauern hochgezogen und Geländer angeschraubt. Monatelang hatten die Bauleute daran gearbeitet, das alte Klinkergebäude zu einem neuen Domizil der „Karls“-Erlebnis-Gastronomie zu machen. Hier sollen in Zukunft süße Bonbons vor den Augen der Besucher hergestellt werden, in den oberen Etagen entstehen zwei Ferienwohnungen der besonderen Art.

„Ich bin total begeistert, wie dieses Gebäude jetzt zur Geltung kommt“, schwärmt der Investor Robert Dahl. „Jetzt muss noch die Beschriftung angebracht werden, um den traditionellen Manufakturcharakter zu unterstreichen. Es ist ein schöner Blickfang geworden.“

Für Außenstehende scheint es dagegen noch ein langer Weg zu sein, bis in dem Gebäude gleich gegenüber des Barby-Rittergutes tatsächlich bei der Produktion handgemachter Bonbons zugeschaut werden kann. Doch der Termin steht fest: die Bonbon-Manufaktur öffnet am 6. August ihre Türen.

Es ist die sechste Bonbonmanufaktur im Imperium der „Karls“-Erdbeerhöfe und -Erlebnisparks.

„Die Bonbonmanufakturen sind von allen Schaumanufakturen bei ’Karls’ am beliebtesten“, sagt Robert Dahl: „Es ist ein spannender und merkwürdiger Prozess, wie aus einer riesigen Zuckermasse ein kleines Bonbon wird. Es ist aber auch ein hartes Stück Arbeit. Ein Durchgang dauert 30 Minuten. Besonders Kinder schauen da gerne zu.“ Drei mal am Tag erläutern Moderatoren dem Publikum die Bonbonherstellung. Ach, ja: Kaufen kann man die frischgefertigten Bonbons freilich auch gleich vor Ort.

Speziell in Loburg spannend ist die dicke Glasscheibe im Boden, durch die man auf die Ehle blicken kann. Eine lange gehegte Idee, mit einem Mühlrad in der Ehle naturschonend Strom zu produzieren, ließ sich noch nicht realisieren: „Zuletzt war es auch sehr frustrierend, zu sehen, wie extrem niedrig der Wasserstand der Ehle ist“, so Robert Dahl.

In den beiden Obergeschossen der ehemaligen Mühle sollen zwei Ferienwohnungen in besonderem Einrichtungsstil entstehen. Dass sie noch nicht fertiggestellt worden sind, ist auch der Corona-Krise geschuldet.

Umgebaut hat man auch den Shop im Barby-Café. In den vergangenen Wochen wurde der Hinterhof des Cafés überdacht und der Ladenbereich somit stark vergrößert. Stichwort Expansion: Es ist erklärtes Ziel des Unternehmers Robert Dahl, in Loburg weitere Beherbergungsmöglichkeiten zu schaffen: „Unterkünfte sind nötig, wenn mal im Barbyhaus ein bisschen mehr los ist.“ Dazu wurde vor einigen Monaten das leerstehende Haus am Schulhof in Loburg erworben. Eine Art Hotel mit neun kleinen Zimmern soll hier entstehen. Arbeitstitel: „Laurents Hotel“ – in Anlehnung an die benachbarte St.-Laurentius-Kirche. „Frühstück gibt es für die Gäste im Barbycafé, auch eine Rezeption ist deswegen unnötig“, sagt Dahl. Termin der Fertigstellung? „Nächster Sommer wäre natürlich schön“, so Robert Dahl.

Coronabedingt vorerst auf Eis gelegt wurde der Plan, auf dem Hof des Rittergutes Barby einen Indoor-Spielplatz für Kinder zu errichten. „Die Baugenehmigung liegt vor, wir arbeiten inhaltlich daran, aber wir brauchen Gewissheit, dass es keinen dritten Lockdown gibt. Sonst können wir weitere Investitionen nicht wagen“, erklärt Robert Dahl.

Man schaue mit „leichter Sorge“ in die nächsten Monate. „Ein dritter Lockdown würde hier einiges ins Bremsen bringen. Wir müssten noch radikaler Arbeit und Investitionen einstellen, sonst halten wir es nicht durch.“ Sieben Monate seien alle Einrichtungen der „Karls“-Unternehmen geschlossen gewesen. Gekündigt wurde keinem, aber Kurzarbeit war angesagt.

Man sei nicht besonders gut durch den Corona-Lockdown gekommen. „Das brauchen wir nicht noch mal“, so Robert Dahl. Was allerdings gebraucht wird, sind Mitarbeiter am Standort Loburg: „Wir suchen Leute in vielen Bereichen, etwa in der Gastronomie und in der Bonbonmanufaktur“, zählt der Unternehmer auf. Aktuell werden am „Karls“-Standort Loburg 19 Mitarbeiter sowie elf Aushilfen beschäftigt. „Gerade in der Bonbon-Manufaktur lohnt es sich“, sagt Dahl: „Das sind beim Publikum die beliebtesten Mitarbeiter, damit erobert man Herzen im Sturm.“

Während man sich in Loburgs Ortsmitte für den Ansturm der Kunden auf die Bonbon-Manufaktur rüstet, wächst vor den Toren der Stadt Deutschlands möglicherweise größte Walnuss-Plantage heran. Mit vier Sorten wurde in den vergangenen Jahren experimentiert, inzwischen scheint eine Sorte zum Favorit zu avancieren: Sie sei „sensationell, weil groß und lecker“, sagt der auch als „Erdbeer-König“ betitelte Unternehmer aus Rövershagen. Spätestens im kommenden Jahr müsse man sich ernsthaft überlegen, was mit der Nussernte angefangen werden soll. In den Torten des Cafés und im Likör der benachbarten Brennereimanufaktur sind die Nüsse freilich fest eingeplant. Aber es sollen auch „verrückte Sachen“ damit gemacht werden, sagt der Mann, der schon viele verrückte Ideen in die Tat umsetzen ließ: „Wir haben etwa sieben bis acht Manufakturen, in denen wir glauben, etwas mit den Nüssen machen zu können. Marmelade ja, Bonbons eher nicht.“