Gedenken an Kriegsende

Mahnung für ein Leben in Frieden am ehemaligen Kriegsgefangenenlager in Dörnitz

Zum 15. Mal wurde am Tag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 an der Gedenkstätte in Dörnitz an die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XI-A erinnert.

Von Bettina Schütze
In kleinem Kreis gedachte der "Förderverein Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A" an die Befreiung des Lagers.
In kleinem Kreis gedachte der "Förderverein Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A" an die Befreiung des Lagers. Foto: Bettina Schütze

Dörnitz/Altengrabow

Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Abstands- und Hygieneregeln fand in diesem Jahr die Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 am Mahnmal in Dörnitz/Altengrabow nur in einem kleinen Kreis des „Fördervereins Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A Altengrabow“ statt.

Mit einer Kranzniederlegung wurde zum 15. Mal an die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers erinnert. Alle Teilnehmer waren geimpft oder getestet. Es gab keine Festrede, die eigentlich Landrat Steffen Burchhardt (SPD) hatte halten sollen, auch Vertreter der Botschaften und aus Politik und Wirtschaft fehlten. Die Kommandantur des Truppenübungsplatzes Altengrabow war mit einer kleinen Delegation vor Ort. Musikalisch unterstützt wurde das Gedenken durch das Bundeswehrdienstleistungszentrum Burg.

Dirk Grill, Vorsitzender des Fördervereins, sprach ein paar Worte des Gedenkens. „Es ist jetzt schon eine lange Zeit, die wir in Frieden leben dürfen. Weil Europa erkannt hat, dass ein Krieg nur Opfer hat. Viele Unschuldige sind für immer gezeichnet. Diese Zeit soll meinen Kindern und Enkeln nie widerfahren.“ Der Vorsitzende machte deutlich, dass in der heutigen Zeit eine große Gefahr durch die Verharmlosung dessen, was im Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A geschehen ist, besteht. „Ein Mahnmal in ein Mahnmal der Schande umzubenennen, das darf nicht wieder passieren. Das muss verhindert werden.“ Er bezog sich damit auf eine Äußerung des AfD-Politikers Björn Höcke zum Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Fördervereinsmitglied Matthias Graner war mit seiner Schwester Margareta nach Dörnitz gekommen. Er richtete in eigener Sache ein paar Worte an die Anwesenden, denn genau vor 100 Jahren, am 8. Mai 1921, wurde Heinz Graner in Neisse, Oberschlesien, geboren. Heinz Graner war 20 Jahre alt, als er am 1. November 1941 vor Moskau fiel. Ein Grab gibt es nicht. Er war das zweite Kind von Juliane und Adolf Graner. „Er war der ältere Bruder unseres Vaters. Unser Vater hat oft von seinem älteren Bruder erzählt“, so Matthias Graner. Und er mahnte mit Blick auf den Nationalismus für die Zukunft: „Wer will denn sicher sein, dass nicht eines Tages Konflikte um Impfstoffe entstehen, die dann, genährt durch Nationalismus, in einen Krieg auch in Europa münden?“

Der Vorsitzende des „Förderverein Mahnmal Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A Altengrabow“ will trotz Pandemie vier Schwerpunkte für das laufende Kalenderjahr setzen. So bedarf das Mahnmal dringend einer Reparatur. Sie soll angeschoben und vielleicht noch im Jahr 2021 beendet werden. Wenn es die Bedingungen zulassen, soll die Wanderausstellung zum Kriegsgefangenenlager Stalag XI-A XI-A wieder in Schulen und öffentlichen Einrichtungen gezeigt werden. Und schließlich soll um neue Mitglieder und Spenden geworben werden.