Burg l Schon vor einigen Jahren hat die Mutter von Grit Lüdke ein neues Zuhause im Seniorenzentrum „Pro Civitate“ gefunden. Die 79-Jährige ist zwar bettlägrig, bekommt aber über die Medien alles mit, was so passiert in der Welt, auch die Corona-Krise. Und so wunderte sie sich, dass die Mitarbeiter in ihrer Einrichtung gar keinen Mundschutz tragen. Ihre Tochter, die Krankenschwester im Magdeburger Brustzentrum ist, schrieb eine Mail an die Heimleitung. Und Ute Dominé griff zum Telefon.

„Was sie mir erzählte, hat mich schockiert“, sagte Grit Lüdke im Gespräch mit der Volksstimme. In der Versorgungskette stünden die Pflegeheime hinter den Krankenhäusern und es gebe einfach keine Mundschutze mehr. Ganz verzweifelt sei die Heimleiterin gewesen, auch, weil Desinfektionsmittel mittlerweile knapp würden. Das wollte die 45-Jährige nicht so hinnehmen und ließ sich etwas einfallen.

Hilfe aus sozialen Netzwerken

Für das Brustzentrum werden ehrenamtlich Herzkissen genäht, als Trost für die Patientinnen. Doch die Damen hatten keine Kapazitäten mehr. So nutzte Lüdke zusammen mit ihrer Nichte Juliane Karbe die sozialen Netzwerke, sprach Freunde und Nachbarn an und stieß auf eine riesige Resonanz. Ihr Telefon stand nicht mehr still, aus allen Himmelsrichtungen kamen Hilfsangebote.

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Die Nähmaschinen begannen zu rattern und so konnten am Montag die ersten rund 100 Masken übergeben werden: bunte, weiße, manche mit Gummizug, andere mit Schleifenbändern. Leiterin Dominé war gerührt und sprachlos zugleich. Doch damit ist noch nicht das Ende der Aktion erreicht. „Es sind noch viele Pakete zu mir unterwegs, unter anderem aus Oschatz und Boitzenburg, Jena und Stuttgart“, freute sie sich. Auch in Burg wird fleißig genäht, unter anderem im Corneliuswerk, wo ihre Nichte beschäftigt ist. Für Mittwoch ist die nächste Übergabe geplant.

Masken mindern Risiko

Natürlich ist ihr bewusst, dass die Baumwollmasken keinen 100-prozentigen Infektionsschutz bieten. „Aber etwas ist besser als nichts, sie beseitigen nicht das Risiko, aber mindern es“, lautet ihre Überzeugung. Nur aus Baumwolle müssten sie sein, nur die lasse sich zum Desinfizieren richtig auskochen.

Grit Lüdke hofft, dass ihre Initiative viele Nachahmer finden wird. „Jeder kennt doch bestimmt jemanden, der im Pflegeheim wohnt, und kann sich doch dort erkundigen, wie die Versorgungslage ist“, sagte sie. Besonders gelobt werden möchte sie für ihre Idee überhaupt nicht, bleibt ganz bescheiden und meint: „Mich macht dieses Helfen irgendwie glücklich“.

Im Internet gibt es zahlreiche Anleitungen für das Nähen von Atemschutzmasken. Sehr Informativ ist die Seite der Aktion #maskeauf. Sie wird von zahlreichen Prominenten wie beispielsweise Lena Meyer-Landrut oder Max Herre unterstützt. Auf der Seite gibt es ausführliche Erklärungen in Text und Video und es werden überraschende Möglichkeiten aufgezeigt, woraus so eine Maske hergestellt werden kann, etwa aus einem T-Shirt, einem Geschirrtuch oder auch einem Staubsaugerbeutel.

Die Aktion ist im Internet unter www.maskeauf.de zu finden.