Burg/Genthin l Seit 27 Jahren ist Dr.med. Sieglinde Meinecke Hausärztin in der Stadt Burg. Und so lange kennt sie auch manchen Patientin, erzählt die Medizinerin. „Da begleitet man als Ärztin manchmal ganze Generationen innerhalb einer Familie.“ Seit einigen Jahren begleitet sie auch diejenigen, die auf der anderen Seite des Behandlungstisches sitzen.

Zwölf Medizinstudenten der Otto-von-Guericke-Universität (OvGU) Magdeburg absolvieren in Meineckes Praxis jedes Jahr zwei Wochen Praktikum, sechs im Frühjahr, sechs im Herbst. Die angehenden Ärzte sitzen aber nicht nur daneben. „Die Studenten erstellen auch Anamnesen und schlagen Therapiemaßnahmen vor, natürlich unter Aufsicht“, so die 59-Jährige.

Zwölf Hausärzte fehlen in Burg

Und idealerweise gefällt ihnen das Praktikum so sehr, dass sie wiederkommen. Denn aktuell fehlen in der Stadt Burg, die das nächste Umland medizinisch mitversorgt, laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt zwölf Hausärzte.

Abhilfe schaffen soll neben dieser engen Betreuung, die den Studenten das Leben als Landarzt schmackhaft machen soll, auch die Landarztquote, die in den kommenden Jahren an der OvGU starten soll. Sie ist Teil des Masterplans Medizinstudium 2020, der die teils gravierenden Lücken in der medizinischen Versorgung Sachsen-Anhalts auffüllen soll. Wann das Projekt startet, ist jedoch derzeit noch ungewiss.

„Grundsätzlich ist diese Quote sinnvoll“, erklärt Prof. Dr. med. Hermann-Josef Rothkötter, Dekan der medizinischen Fakultät der Uni Magdeburg. Bis zu 20 Studienplätze sollen dabei explizit an die Bewerber vergeben werden, die sich vertraglich dazu verpflichten, sich nach ihrer medizinischen Ausbildung auf dem Land niederzulassen.

Ein ähnliches Modell verfolgt derzeit schon die KV Sachsen-Anhalt. Wer sich verpflichtet, nach der Ausbildung in den strukturschwachen Regionen Sachsen-Anhalts zu praktizieren, der erhält ab dem dritten Studienjahr eine gestaffelte finanzielle Unterstützung von anfänglich 200 Euro bis zu 700 Euro im sechsten Studienjahr.

Anreize schaffen

Diese Anreize sollen die drohende medizinische Unterversorgung auf dem Land abfedern. Neben häufig fehlenden weichen Standortfaktoren, wie Kindergärten, Schulen und gut ausgebauten Infrastrukturen, ist für Rothkötter auch der harte Übergang in den Praxisalltag ein Grund für den fehlenden Land-Nachwuchs.

Zum einen wollten sich viele junge Studenten mit 18 oder 19 Jahren nicht auf lange Sicht festlegen. Zum anderen erfordere das Betreiben einer Praxis auch Erfahrung in betriebswirtschaftlichem Denken. „Die frischgebackenen Mediziner sind von jetzt auf gleich Jungunternehmer“, so der Dekan.

Neben den unter Umständen hohen Kosten für medizinisches Personal, Geräte und Betriebskosten bleibe auch die Frage der rechtlichen Sicherheit. „Wenn was in der Praxis passiert und ein junger Mediziner ist nicht richtig versichert, dann kann das Folgen haben.“

Eine Lösung für diese Hürde ins Praxisleben ist die Übernahme einer schon bestehenden Praxis. Für Sieglinde Meinecke ist das auch die wirksamste Lösung, um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern – auch wenn das die bereits bestehende Unterversorgung nicht löse.

Prinzip Dorfarzt ist nicht mehr aktuell

Für Hermann-Josef Rothkötter ist an dieser Stelle auch ein Umdenken innerhalb der Bevölkerung notwendig. „Das Prinzip ‚Jedes Dorf hat einen Arzt und einen Apotheker‘ ist heute nicht mehr umsetzbar.“ Er favorisiert moderne Konzepte wie mobile Praxis-Busse oder die Video-Sprechstunde.

Sieglinde Meinecke selbst praktiziert auch schon mit Hilfe von Hausbesuchen im Umland. „Zusätzlich habe ich in der Praxis drei Krankenschwestern, die eine Zusatzausbildung zur ,Schwester Verah‘ absolviert haben.“

Damit dürfen die Schwestern mehr medizinische Tätigkeiten ausüben, als eine normale Arzthelferin. „Die binde ich fest mit in die Hausbesuche ein“, so die 59-Jährige.

Der akute Mangel an Hausärzten in Burg und Umgebung ist nicht neu für die erfahrene Ärztin. Von schlechter medizinischer Versorgung im Jerichower Land will sie aber nicht sprechen. „Auch wenn einige Stellen fehlen, sind wir immer noch gut versorgt.“