Burg/Genthin l Er wirbt mit seinen Erfahrungen als Mechatroniker-Lehrling bei der Deutschen Bahn: Maximilian Pohl. Der junge Mann lernt im dritten Lehrjahr und befindet sich kurz vor den Prüfungen. Kennenlernen konnten ihn am Sonnabend die Besucher der Berufsausbildungsmesse in der Burger Carl-von-Clausewitz-Schule, die eher als Informationsveranstaltung mit Volksfestcharakter daherkam.

Unterhaltung und mehr

Unter dem Motto „Jung & legendär“ vereinte das Jobcenter Berufsorientierung mit Geselligkeit und Unterhaltung. „Nach einem Ausbildungsberuf zu suchen, bedeutet ja nicht, dass man keinen Spaß haben darf“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) in seinen Begrüßungsworten zu dem Experiment. Diese Art Berufsorientierungsmessen sei mit der Zeit „ein wenig eingestaubt“, jetzt haben sich die Organisatoren um Markus Weidel, Geschäftsführer des Jobcenters Jerichower Land, und dessen Mitarbeiterin Ulrike Mylius über neue Begegnungsformen Gedanken gemacht – mit Erfolg.

20 Firmen, Institutionen und Behörden, von der Karriereberatung der Bundeswehr, über Wiedemann Industrie- und Haustechnik GmbH, der Stadtverwaltung Burg, der Deutschen Bahn, bis zur Bäckerei Delorme stellten sich knapp 300 Ausbildungssuchenden. „Denn unseren 373 offenen Ausbildungsstellen stehen 344 gemeldete Ausbildungssuchenden gegenüber“, machte Markus Weidel klar. Die sollen sich füreinander interessant machen. Weidel erinnerte sich noch an die Zeit, als er selbst in die Berufswahl einstieg: „Da sah die Situation noch ganz anders aus.“ Deutlich mehr Bewerber konkurrierten um einen Ausbildungsstelle.

Bilder

Dieser Zustand habe sich verändert und schließlich umgekehrt, „so dass es jetzt mehr offene Stellen als Bewerber dafür gibt“. Das Fest- und Spaßelement halte er für zeitgemäß. Auch der Veranstaltungstag, an einem Sonnabend, komme dem ungezwungenen Aufeinandertreffen von Jugendlichen und den Vertretern der Firmen und Behörden entgegen. „Die Ausbildungsmessen in der Woche während der Schulzeit hatten mittlerweile schon etwas Zwanghaftes“, erinnerte Vermittlerin Ulrike Mylius, und nur über Freiwilligkeit erreiche man die Jugendlichen und wecke echtes Interesse. Dennoch: Zwar schlägt die Ausbildung-Veranstaltung in ihrer Ausgestaltung neue Wege ein, doch bleibt der Inhalt klassisch: Im Blickpunkt der abwechslungsreichen Veranstaltung drehte sich alles um Bewerbungen, Lehrstellen und den direkten Kontakt. „Wie komme ich gut an? Wie präsentiere ich mich in einem Bewerbungsgespräch?“

Zeichen des Aufbruchs

Mit einer Mode- und Stylingberatung einem anschließenden Schießen eines Bewerbungsfotos konnten die Jugendlichen zu mindestens äußerlich Pflöcke für ihre Zukunft einschlagen. „Wir wollen den künftigen Auszubildenden anbieten, sich allumfassend auf die Bewerbung vorzubereiten“, so Organisatorin Mylius.

Anteil daran hatten nicht nur die vielfältigen Angebote der Firmen: Außerhalb der Aula auf dem Freigelände beeindruckten Sportler und Künstler mit ihrem Können. Dicht umlagert war der Stand der Burger Jugendlichen um Skate & Roll. Die sportlichen Burger begeisterten viele Jugendliche für diesen für diesen Sport auf zwei Achsen. Manch T-Shirt brachten die Skater an die Frau oder den Mann. Damit stehe dieser junge Verein für einen Aspekt, der Burg lebenswert macht. Die Kampfsportler vom Tae Kwon Do & Kickbox-Center Genthin stellten ihren ebenso Verein vor.

Wer bei den vielen Angeboten auf der Messe einen freien Kopf bekommen musste, dem standen mehrere Sandsäcke zum Abreagieren zu Verfügung. Trainer Stefan Köhne ist es eine Herzensangelegenheit, „zu zeigen, was wir in unserer Region für Möglichkeiten haben“. Hier brauche keiner mehr wegzugehen, sagt er, und dafür stehe auch der Sport. Musikalisch gab es unerwartet Ohrenschmaus: Die Schülerband „Lukas“ um Musiklehrerin Katrin Kitschke spielten gängige Hits und aktuelle Titel mit Finesse. „Die Band gibt es in der Konstellation seit Anfang des Jahres“, erklärte Kitschke.

Mauern einstürzen

Eine ungewöhnliche Art „Gedankensturm“ fiel den Mitgliedern des Kinder- und Jugendforums Genthin ein: „Wir errichten mit Schuhkartons eine so genannte Frustmauer.“ Laut Schulsozialarbeiterin Ines Blachney sollen auf den Kartons „Ideen, aber auch Dinge, die die Jugendlichen frustrieren, geschrieben werden.“ Aus den Gedanken wolle man dann Projekte suchen und entwickeln, die Jugendliche brauchen, „um in der Region bleiben zu wollen“. Zum Ende der Ausbildungsmesse stürzten die Jugendlichen dann die aufgestapelte Mauer – als Zeichen des Aufbruchs.

Für Maximilian Pohl stellt sich die Frage nach einem Lehrberuf nicht mehr: „Mit meiner Ausbildung bei der Deutschen Bahn bin ich zufrieden, und ich kann nur jedem empfehlen, die Möglichkeiten, die er geboten bekommt, zu nutzen.“