Naturschutz

Möckern ist auf der Suche nach Platz für Blühwiesen

Umweltschutz ist kein Exklusiv-Thema der Grünen. Seit einiger Zeit kämpft der Möckeraner Linken-Stadtrat Heinz-Jürgen Zentgraf für sein Blühstreifenprogramm auf kommunalen Äckern.

Von Stephen Zechendorf
Mehr Bienenweiden wünscht sich Linken-Stadtrat Heinz-Jürgen Zentgraf an den Feldrändern.
Mehr Bienenweiden wünscht sich Linken-Stadtrat Heinz-Jürgen Zentgraf an den Feldrändern. Foto: Stephen Zechendorf

Möckern - Der Stadtrat möge beschließen, dass Ackerflächen der Stadt Möckern künftig nur unter der Maßgabe verpachtet werden, dass auf diesen Flächen keine intensive oder chemisch unterstützte, sondern eine ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung stattfindet. So lautet der Vorschlag von Linken-Stadtrat Heinz-Jürgen Zentgraf. „Der Insektenrückgang zeigt uns, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichen“, begründet Zentgraf seinen Antrag.

Es gäbe noch zu wenig zusammenhängende blühende, ökologische Vorrangflächen: „Wenn jeder Agrarbetrieb die fünf Prozent seiner Ackerfläche, die ohnehin als ökologische Vorrangfläche zu gestalten ist, an den Feldrand oder vor den bestehenden Windschutzstreifen verlegt, und eine Verbindung dieser Streifen untereinander erreicht werden kann, ist schon einiges mehr erreicht.“

Zentgraf will, dass auf diesen Streifen im Randbereich der Felder mehr insektenfreundliche Kulturen zwischen den Nutzkulturen wachsen können. Mit seinem Antrag stieß Zentgraf im Haupt- und Finanzausschuss auf viel Skepsis. Zwar sei man für Naturschutz, hieß es vielerseits, jedoch so, wie Zentgraf es vorschwebe, gehe es nicht.

Fast nur kleine Splitterflächen

So befand etwa Dieter Kaupke (CDU), der Antrag sei nicht zielführend. Das Thema müsse auf Landes- oder Bundesebene angesiedelt werden. „Wir haben doch gar keine Möglichkeiten, das umzusetzen oder zu kontrollieren. Wir schaffen uns nur Verwaltungsaufwand“, so Kaupke.

Dem schloss sich Nora Gräfin vom Hagen (CDU) an. Auch sie erinnerte daran, dass Landwirte schon verpflichtet sind, fünf Prozent ihrer Fläche ökologisch zu bewirtschaften. Sie empfahl stattdessen, Flächen in den Dörfern zu suchen, welche als Blühflächen genutzt werden könnten. Positiver Nebeneffekt wäre eine Entlastung für den kommunalen Bauhof, der dann nur einmal statt viermal mähen muss.

Wieviel landwirtschaftliche Fläche die Stadt Möckern aktuell überhaupt verpachtet, das konnte seitens der Stadtverwaltung Möckern aus dem Stegreif am Sitzungsabend keiner sagen. Stadtchef Frank von Holly (CDU) geht aber davon aus, dass es sich um etwa 150 Hektar insgesamt handeln könnte. Dabei gehe es in der Regel um Splitter- und Kleinstflächen. Größere Grundstücke gebe es zumeist nur in Form von Wegen, welche zwar sehr lang, aber eben auch nur zwölf Meter breit sind. „Ein wirklich selbstständig verpachtbares Ackerstück von mehr als einem Hektar Fläche ist die Ausnahme“, so der Stadtbürgermeister.

Auch Rüdiger Claus (Grüne) hält den Vorschlag der „Linken“ für „schlecht praktikabel angesichts der vielen Kleinflächen“. Es bestünde die Gefahr, solche Flächen nicht mehr verpachtet zu bekommen. Man sollte aber überlegen, auf kommunalen Flächen kein Glyphosat einzusetzen.

In Dörfern nach geeigneten Blühflächen suchen

Schon jetzt gibt es laut Stadtchef Frank von Holly in den Pachtverträgen der Stadt Regelungen, die auf Naturschutz abzielen: So muss der Abstand der bewirtschafteten Fläche zu Wegen mindestens ein Meter betragen und der Abstand zu Anpflanzungen zwei Meter: „Das sind bereits Kündigungsgründe, aber schon das lässt sich kaum kontrollieren. Denn wir verpachten an einen Landwirt in einer Gemarkung zum Beispiel 40 Flächen, von denen manche nur ein paar Quadratmeter groß sind. In einem sogenannten Pflugtausch erfolgt die Bewirtschaftung dann auf völlig anderen Flächen“, führte Frank von Holly die aktuelle Situation aus.

Ausschussmitglied Peter Sens (CDU) schilderte das Problem aus Sicht der Landwirte: „Was hier gefordert wird, betreiben wir schon seit Jahren, und wird auch immer weiter so stattfinden. Nur eben nicht an jedem Feld, sondern entsprechend individueller Baukastensysteme. Die Regelungen gelten noch bis 2023 und werden dann von anderen abgelöst.“

Von Thomas Schnee (Flämingfraktion) kam der Vorschlag, in den Orten zu erfragen, wo geeignete Flächen als Blühwiesen zur Verfügung gestellt werden könnten.

Man einigte sich darauf, nicht die Herstellung von Blühstreifen und -wiesen in der freien Landschaft anzustreben, sondern in einzelnen Ortschaften zu prüfen, welche öffentlichen Flächen dazu genutzt werden könnten. Nach Ansicht von Frank von Holly könne man hier als Gemeinde kein Konzept erarbeiten, sondern müsste diese Aufgabe zuerst an die Ortschaften geben.