Burg l Robert Janssen ist kein Burger, aber begeisterter von der Stadt als mancher Einwohner. „Hier steckt soviel städtebauliches Potenzial“, sagt der Bauunternehmer in vierter Generation. Und weil hoffnungslose Fälle sein Steckenpferd seien, hat er sich nun einem neuen Projekt verschrieben, das viele schon längst abgeschrieben hatten: Das rund 6000 Quadratmeter große Areal der ehemaligen Schuhfabrik August Voigt an der Karl-Marx-Straße soll eine ganz besondere Adresse an der Ihle werden. Damit 19 Wohnungen zwischen 70 und 150 Quadratmetern entstehen können und der Industriecharakter des Komplexes erhalten bleibt, investiert Janssen rund fünf Millionen Euro.

Balkone in Südlage

Jede barrierefreie Wohnung erhält großzügige Abstellräume im Souterrain, im Erdgeschoss eine 60 Quadratmeter große Terrasse beziehungsweise im Obergeschoss einen 20 Quadratmeter großen Balkon – allesamt in Südlage. Um große statische Eingriffe zu vermeiden, sind stilvolle abgerückte Laubengänge vor dem Gebäude geplant, die den individuellen eigenen Zugang über eine Art Brücke zu den einzelnen Wohnungen im ersten Obergeschoss ermöglichen. Das alles werde in enger Kooperation mit der Denkmalschutzbehörde konzipiert.

Mischung aus Jung und Alt

Derzeit sind die Bauleute damit beschäftigt, die Hülle des Hauses zu sanieren, „um weitere Schäden an der Bausubstanz zu vermeiden“. Ein besonderes Augenmerk werde darauf gelegt, die verbliebene stadtbildprägende Giebelwand entlang der Ihle aufzuarbeiten. „Das ist mit viel Handarbeit verbunden“, erklärt Janssen, der nahezu jeden Tag auf der Baustelle nach dem Rechten schaut und den Ablauf koordiniert. Die eigentlichen Umnutzungsarbeiten für den Wohnkomplex sollen dann in den kommenden Frühjahrsmonaten beginnen. „Einige Eckpunkte werden dabei die energetische Modernisierung und die Nutzung von Fernwärme beziehungsweise Erdwärme und Fotovoltaik sein. Das ist nicht nur gut für die Ökobilanz, sondern senkt später auch die Betriebskosten“,weiß der Investor, der sich schon heute auf die erste Schlüsselübergabe freut und bei den künftigen Mietern auf eine Mischung zwischen Jung und Alt setzt. „Vielleicht hat der eine oder andere noch eine Beziehung zu diesem typischen Industrieareal“, meint Robert Janssen.

Bilder

Fast 30 Jahre lag die ehemalige Schuhfabrik nach Aufgabe der volkseigenen Textilhandelsgesellschaft, die die Gebäude zu DDR Zeiten nutzte, vollkommen brach. Das Grundstück verwilderte, diente als Abladestelle für Sperrmüll und die historischen stadtteilprägenden Gebäude verfielen zusehends. Nur die benachbarte ehemalige Fabrikantenvilla entging diesem Schicksal.

Erste Besichtigung 2017

Laut Janssen konnten sich die Eigentümer aufgrund einer komplizierten Gesellschafterstruktur nicht auf Investitionen in die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude einigen. Erst nachdem das Bauordnungsamt wegen mangelnder Standsicherheit der Häuser mit einer Rückbauverpflichtung drohte, kam es zu einer Wende. Die alte Eigentümergemeinschaft scheute die auf sie zukommenden Kosten. „Und eher durch Zufall erfuhr ich dann von dem Objekt“, erinnert sich Janssen. Nach einer ersten Besichtigung der Fläche im Frühjahr 2017 war der Entschluss gefasst, ein neues Projekt zu wagen. Mit der „LAGA-Projektentwicklung Loftwohnungen an der Ihle ehemaligen Schuhfabrik August Voigt Burg GmbH“ will Janssen nun in der Kreisstadt Akzente setzen.

Spuren in Sudenburg hinterlassen

Er hegt keine Zweifel am Erfolg. Immerhin hat er bereits in Magdeburg Spuren hinterlassen. Als seinen größten Coup bezeichnet der Unternehmer die Wiederbelebung der ehemaligen Motorenwerke von Prof. Hugo Junkers, einer früheren Industrieruine an der Fichtestraße im Stadtteil Sudenburg. Herzstücke dieser Liegenschaft waren in den späten 1990er Jahren das Antikcenter-fichte und dann in den 2000er Jahren das Kongress & Kulturwerk-fichte. Mittlerweile wurde noch einmal viel Geld investiert und aus den ehemaligen frühindustriellen Backsteingebäuden wurden moderne Büro-, Prüflabor- und Handelsflächen sowie das größte Fitnesscenter Sachsen-Anhalts.