Nedlitz l Wenn Simone Holldorf und ihr Mann Robert die regionalen Produkte wie Eierlikör, Nudeln oder Bonbons mit Eierlikör herstellen, greifen sie dabei auf Eier zurück, die ihre Tiere auf ihrer Farm gelegt haben. Doch statt 25 Hühnereiern benötigen sie nur eines. Dabei greifen sie nicht etwa auf besonders sparsame Rezepte zurück, sondern auf ein Straußenei. Die Holldorfs betreiben in Nedlitz eine Farm namens Straußenland. Und obwohl Strauße eher exotische Tiere sind, die man in Deutschland nicht allzu oft antrifft, setzt das Ehepaar bei ihrer Farm, ihrem Café und dem Farmladen auf nachhaltige Produktion und Waren.

„Wir waren früher sehr viel auf Reisen“, erinnert sich Simone Holldorf. Auf ihren Reisen durch Australien oder Afrika lernten sie auch einige Farmen kennen und das Leben und das Arbeiten in diesen Betrieben faszinierte sie. „Schließlich hatte ich mich entschlossen, mich beruflich umzuorientieren. Das war nicht gerade leicht, aber letztendlich hat es sich gelohnt“, meint sie mit Blick auf die fünf Hektar Land, die ihr Mann und sie jetzt bewirtschaften. Die positiven Erinnerungen an die Farmen und die Reisen wollten sie auch in Deutschland umsetzen. „Es ging dabei weniger darum, landwirtschaftlich zu arbeiten, sondern mehr darum, eine eigene Farm zu haben, sozusagen etwas von den Reisen mitzubringen und hier zu verwirklichen.“ Und so exotisch und ungewöhnlich auch die Reiseziele der Holldorfs waren, so unüblich sind auch die Tiere, die auf ihrer Farm eingezogen sind. Inzwischen leben rund 50 Strauße auf der Farm. Darunter einige Weibchen, die auch Eier legen, und eine Gruppe von Jungtieren, die vor einem Jahr noch kleine Küken waren und nun zu stattlichen, etwa zwei Meter hohen Laufvögel heran gewachsen sind. Erst im Juni sind wieder Küken geschlüpft, die sich nun zu den erwachsenen Vögeln auf der Farm gesellen. In etwa einem Jahr sind sie selbstständig. Das Brüten ist übrigens Teamwork bei Straußen. Ein Nest wird von bis zu 18 Tieren genutzt, die dort ihre Eier ablegen. Sowohl Männchen als auch Weibchen übernehmen das Brüten.

Strauße kommen in Europa zurecht

Die Tiere sind allerdings nicht nur dazu da, um Produkte für den Farmladen zu liefern, sie können auch von interessierten Besuchern begutachtet werden. Zu den Öffnungszeiten (Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17 Uhr und Sonnabend und Sonntag von 12 bis 17 Uhr) gibt es jeweils zur vollen Stunde eine Führung über die Farm, bei der Infos und Anekdoten zu den beeindruckenden Laufvögeln vermittelt werden. Anmeldungen zu den Führungen sind nicht erforderlich. Strauße werden bis zu 2,75 Meter groß, zumindest die Männchen. Die Weibchen messen immerhin bis 1,90 Meter. Strauße sind somit die größten Vögel der Welt. Beheimatet sind sie eigentlich in Afrika, aber auch in Europa fühlen sie sich wohl. Sie sind anpassungsfähige Tiere und kommen auch mit dem hiesigen Klima und der Vegetation sehr gut zurecht. Sie können als Allesfresser leben, bevorzugen aber Pflanzen. Den größten Teil des Tages verbringen Strauße damit, nach schmackhaften Pflanzen zu suchen.

Aber die Farm bietet auch mehr als den Besuch der Tiere. In dem Café können sich die Besucher bei Kaffee und – mit Straußeneiern gebackenen – Kuchen entspannen oder einen Bummel durch den Farmladen unternehmen. Dort gibt es neben den selbst gemachten Nudeln, Waffeln und dem Eierlikör auch Straußenfleisch und –wurst aus eigener Herstellung. Wer eine besondere Herausforderung in der Küche sucht, kann sich auch ein ganzes Straußenei besorgen. „Es ist schon nicht ganz leicht, damit zu kochen und zu backen“, lacht Simone Holldorf. Die Schale der Eier ist sehr stabil, bis zu 150 Kilo kann diese aushalten. „Wenn beispielsweise die männlichen Strauße beim Brüten helfen, dann müssen die Eier deren Gewicht ja auch aushalten“, erklärt sie.

Eine Person könnte sich auch auf ein solches Ei stellen, ohne dass es zerbrechen würde. „Am besten man rückt den Eiern mit einem Akku-Bohrer oder einer Feile zu Leibe, wenn man den Inhalt verwenden will.“ Der Inhalt eines Straußeneis entspricht etwa 25 Hühnereiern. „Man muss aber nicht alles nur für Rührei verwenden, man kann ja damit etwas kochen und nebenbei auch noch etwas backen“, erläutert sie die Verwendung. Auch scheinen die Straußeneier sehr bekömmlich zu sein. „Ich hatte schon einige Kunden, die allergische Reaktionen oder andere Unverträglichkeiten bei Hühnereiern hatten, die aber die Straußeneier problemlos vertragen können.“

Die Tiere haben auf der Farm nicht nur sehr viel Auslauf, sondern bekommen auch hochwertiges, regionales Futter.

Den Farmern ist es wichtig, dass auch hier auf Nachhaltigkeit geachtet wird. So wird kein Futter, das zunächst um die halbe Welt transportiert werden müsste, eingesetzt. „Die Küken bekommen beispielsweise Brennnesseln. Die großen Tiere fressen Kräuter, Gräser und Klee. Wenn es so wenig regnet wie in letzter Zeit und die Wiese nicht gut wächst, füttern wir auch schon mal eine eigene Getreidemischung dazu“, so Simon Holldorf.

Sie und ihr Mann haben sich in Nedlitz ihr eigenes, idyllisches Farm-Paradies geschaffen, auf dem sie ihre persönliche Entwicklung einbringen und nachhaltige Produkte produzieren und vertreiben können.