Burg l Liebevoll schaut Marlies Artzt zur kleinen Romy, wenig später sind es zwölf Augen, die auf die jüngste Mitbewohnerin der ehemaligen Poliklinik gerichtet sind. So viel Aufmerksamkeit muss einen triftigen Grund haben: Zur Geburt von Romy wird zur Straßenseite hin eine Blutpflaume gepflanzt. Mit dem Hinweisschild „Unser erstes Baby in der Poliklinik“.

Der Baum ist eine Art Erinnerung, dass in dem nunmehr vollständig sanierten und zugleich geschichtsträchtigen Haus der erste Erdenbürger begrüßt werden konnte. „Eine gute Gelegenheit, nachdem alle Wohnungen belegt sind und hier ein echtes Miteinander zwischen Jung und Alt herrscht, das nicht unbedingt selbstverständlich ist“, sagt Bauherr Andreas Zoch. Er kann nach seiner Investition optimistisch in die Zukunft schauen: Wo noch vor der Wende ein Kommen und Gehen zu Ärzten und medizinischen Abteilungen herrschte, fühlen sich heute die Mieter so wohl, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen möchten, woanders zu leben.

Natürlich zuerst die Eltern von Romy, Susann Prößel (30) und Sascha Krüger (29). „Das war für uns ein Glücksgriff. Und die Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft sind echt super“, sagt die junge Mutter – und erntet sogleich jede Menge Zustimmung. „Wir können uns dann auch mal um das Kind kümmern“, sagt Ruth Licht-Kölzer ganz selbstverständlich. Sie ist mit ihrem Mann, der bei der Bundeswehr tätig ist, im Januar von Straußberg bei Berlin in das altehrwürdige Burger Haus gezogen und noch immer begeistert. „Es ist erstaunlich, was hier bautechnisch geleistet wurde. Wir sind in unserem Leben schon oft umgezogen und finden es in Burg sehr angenehm.“ Die Eheleute haben nicht nur die Landesgartenschau miterlebt, sondern sind auch am kulturellen Leben interessiert. „Wenn man sich selbst einbringt, kann man viel Neues und Schönes hier entdecken. Wir haben uns hier schnell eingelebt“, sagt Ruth Licht-Kölzer. Das unterstreicht auch Marlies Artzt, die es nach 60 Jahren wieder nach Burg verschlagen hat und noch immer der kleinen Romy zublinzelt. „Auch weil die Verwandtschaft hier wohnt. Und ich habe hier eine tolle Wohnung mit Fahrstuhl“, sagt die 87-Jährige.

Zuspruch

Soviel Zuspruch hört Andreas Zoch gern, dem es gelungen ist, einen Burger Schandfleck direkt am Goethepark mit Leben zu füllen. Dass das Vorhaben mit Höhen und Tiefen verbunden war, will der gebürtige Berliner nicht verschweigen. „Die Auflagen und Richtlinien, die streng eingehalten werden müssen, sind schon enorm. Man braucht einen langen Atem.“

2015 hatte sich der Burger entschieden, das Gebäude zu erwerben. Nach 15-monatiger Bauzeit konnten dann im vergangenen Jahr die ersten Mieter einziehen.