Derben l „Warum sollst du nur helfen und Kuchen backen?“ – Bianca Plöntzke lacht und streicht sich durch ihre Haare, ein leuchtendes Pink an einem nicht ganz so grauen Tag in Derben. Hier, in der kleinen Ortschaft der Gemeinde Elbe-Parey, wollte sie der Feuerwehr nicht mehr nur im Hintergrund helfen. Sie wollte mitten rein, dahin, wo es brennt.

„Ich bin 2003 in die Feuerwehr Derben eingetreten“, erzählt Plöntzke. Dann ging es in die Grundausbildung, 2005 folgte die Ausbildung zur Oberfeuerwehrfrau. 2008 legte sie in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) die Atemschutzgeräteprüfung ab. Seit Ende 2018 ist sie die neue Kreisjugendfeuerwehrwartin des Landkreises.

Feuerwehr als sozialer Kit auf dem Land

Einsatzerprobt ist die 48-Jährige allemal, vom Hochwasser in 2013 bis zu einem Hausbrand in Güsen vor etwa zehn Jahren. Letzterer hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt – es war der erste Einsatz mit Atemschutzgerät. „Hoffentlich komme ich wieder raus“ – das sei ihr erster Gedanke vor dem durchaus gefährlichen Einsatz gewesen, mit 20 Minuten Luft, um auch in den verwinkeltsten und verrauchtesten Ecken nach Menschen zu suchen. „Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr man im Einsatz an seine Grenzen geht“, erzählt die Derbenerin.

Nicht nur auf ihr eigenes Durchhaltevermögen kann sie sich verlassen – auch auf den Zusammenhalt innerhalb der Wehr. Auch das will sie dem Nachwuchs mit Feuereifer nahebringen. „Die Feuerwehr ist bei uns auf dem Land auch ein bisschen der soziale Kit“, weiß die 48-Jährige. Und sie als Kreisjugendfeuerwehrwartin das Bindeglied zwischen Landkreis und den Wehren.

Eintritt in die Feuerwehr Derben im Jahr 2003

So treffen sich alle 14 Tage die jungen Brandschützer aus Derben, Jerichow und Ferchland. Dann heißt es: Pfahlstich – oder doch Mastwurf? Die lebenswichtige Knotenkunde bringt schon den Kleinsten den Einsatz als Feuerwehrmann oder -frau nah.

„Das ist auch eine der Stationen auf dem Kinderaktionstag, den wir im Mai veranstalten“, erzählt Bianca Plöntzke. Rund um das Thema „Ostern“ organisiert die Kreisjugendfeuerwehrwartin dann Aktionen wie Ostereier bemalen, Osterkörbchen basteln – und eben Knotenkunde. „Es darf sich nicht nur alles um die Feuerwehr drehen, das sind ja auch Kinder“, erklärt die 48-Jährige mit einem Lachen.

Die Kleinen liegen ihr besonders am Herzen. Eines ihrer ersten Projekte nach dem Eintritt vor rund 15 Jahren: Die Gründung einer Kinder- und Jugendwehr in Derben, auch für ihren Sohn Florian, seit seinem sechsten Lebensjahr in der Feuerwehr.

Das brennende Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch die Familie Plöntzke – Ehemann Axel ist Wehrleiter der Ortsfeuerwehr Derben.

Unterstützung erhalten die Feuerwehren im Jerichower Land auch seitens des Landkreises, zuletzt mit einer Finanzspritze an den Kreisfeuerwehrverband in Höhe von 10.000 Euro. Was das Ehrenamt, das die Kundenbetreuerin bei der Deutschen Bahn ausübt, noch erfordert: Zeit. „Ich kann nicht genau beziffern, wie viel dafür draufgeht“, so die 48-Jährige. Aber: „Man muss mit Leib und Seele dabei sein“, weiß Bianca Plöntzke nach etwa zehn Jahren als Jugendfeuerwehrwartin in Derben.

Mitgliederzahlen in den Feuerwehren sinken

Kinder- und Jugendarbeit habe sie schon immer machen wollen. Und die scheint, was die Wehren im Landkreis angeht, dringend nötig zu sein. „In den letzten Jahren habe ich immer wieder bemerkt, dass die Zahlen zurückgegangen sind“, so Plöntzke. Dagegen sollen Aktionen wie Zeltlager und Kinder- und Jugendwehren helfen – eines der großen Aufgabenfelder der Kreisjugendfeuerwehrwartin. Auch die Ausrichtung des Kreisausscheids der Jugendwehren sowie des Schwimmwettkampfs gehören dazu.

Neu ist die Aufgabe für Bianca Plöntzke indes nicht. Seit 2016 war sie die Stellvertreterin für Anke Glanz. Schon vorher hatte sich ein Komitee aus Jugendwarten um die Belange auf Landkreis-Ebene gekümmert, auch nach der Wahl von Feuerwehrfrau Glanz, die in 2018 verstorben ist. „Egal, was Anke angepackt hat, sie hat es durchgezogen“, erinnert sich Bianca Plöntzke. Diese Fackel will sie weiter tragen, zusammen mit den derzeit vier Mitgliedern des Komitees.

Aber nicht nur das. „Es ist einfach toll, wenn die Kinder den Zusammenhalt auch wirklich anfangen zu leben“, erzählt die Kreisjugendfeuerwehrwartin. Wenn ein Kind mal etwas langsamer ist, dann helfen und unterstützen die anderen. Essentiell für den Einsatz in der Feuerwehr, weiß Bianca Plöntzke: „Wir kämpfen nie alleine, immer in der Gruppe.“ Durch Feuer und Flamme.