Burg l Zwei Busse hatte Thomas Schlüter, Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL), auf dem Betriebshof des Unternehmens in V-Form parken lassen. „Sie stehen für zehn Jahre Nahverkehrsgeschichte“, sagte er. Der eine kam 2010 zum Einsatz, als der Nahverkehrsverbund Marego gegründet wurde, der andere weist in kräftigem Grün-Orange auf den runden Geburtstag hin, zeigt die Silhouette von Sehenswürdigkeiten der Region. Was Schlüter besonders stolz machte: Die NJL ist der erste Verbundpartner, der mit diesem Bus unterwegs ist.

„Der Verbund bedeutet für uns geballtes Knowhow und für die Fahrgäste den Vorteil, nur ein Ticket zu brauchen“, sagte er. Der Marego-Geschäftsführer blickte zurück, als Anfang der 2000er der Gedanke aufkam, die Grenzen zwischen den einzelnen Verkehrsunternehmen aufzuheben. „Wenn man auf dem heutigen Marego-Gebiet unterwegs war, brauchte man bis zu fünf Fahrscheine“, sagte er. Zunächst gehörten Magdeburg und die drei umliegenden Landkreise zusammen, mittlerweile vereint Marego die Nahverkehrsunternehmen aus der Landeshauptstadt, den Landkreisen Jerichower Land, Börde und Salzlandkreis sowie den Wolfsburger Hauptbahnhof unter ihrem Dach.

Vorteil für Mitarbeiter von Volkswagen

„Das war ein Meilenstein“, erinnerte er an die Ausweitung auf die niedersächsische Industriestadt. Seit 2018 braucht auch für den Weg dorthin kein gesonderter Fahrschein gekauft zu werden. Das sei vor allem im Interesse der Menschen im Nordwesten der Altmark gewesen, von denen viele bei VW arbeiten. Die PVGS Salzwedel ist auch ein Partner des Verbundes. Während die Ausdehnung in Richtung Westen gelungen ist, an der in Richtung Norden mit den Landkreisen Stendal und Altmarkkreis Salzwedel gearbeitet wird, scheint eine Vergrößerung des Verbundgebietes in Richtung Osten in weiter Ferne zu liegen.

„Daran besteht bei den Gesprächspartnern kein großartiges Interesse“, beantwortete Beckmann die Nachfrage von Landrat Steffen Burchhardt (SPD), was denn aus den Plänen geworden sei, eine Verbindung nach Brandenburg zu schaffen. Zu groß seien die Unterschiede zwischen den Tarifen von Marego, Deutscher Bahn und dem stark subventionierten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Für den Landrat war die Argumentation nicht schlüssig, schließlich würden jetzt Pendler aus dem Jerichower Land bis zur Landesgrenze mit dem Auto fahren und dann auch schon von den subventionierten Fahrpreisen auf dem VBB-Gebiet profitieren.

Halbe Stunde für Pendler eine Schallmauer

Es biete aber die Möglichkeit, in Genthin zu wohnen und in Brandenburg zu arbeiten. „30 Minuten sind beim Arbeitsweg allerdings eine Schallmauer“, hat er festgestellt. So würden Mitarbeiter der Kreisverwaltung bei einem Umzug nach Magdeburg nicht nur als Einwohner verlorengehen. „Zum Verwaltungssitz in Burg lässt sich noch pendeln, nach Genthin aber schon nicht mehr“, sagte er. Die Fahrzeit mit dem Regionalexpress von Genthin nach Brandenburg/Havel beträgt gerade einmal 19 Minuten. Das Vorbild Wolfsburg habe doch gezeigt, dass ein länderübergreifender Verbund möglich ist. Auch Beckmann denkt in größeren Dimensionen: „Das eigentliche Ziel ist es von Burg nach Brandenburg oder Potsdam, nach Uelzen oder Braunschweig fahren zu können, nur mit einem Fahrschein mit Bussen und Bahnen“. Schlüter wollte sogar noch mehr Grenzen fallen lassen und stellte sich einen deutschlandweiten Verbund vor.

Während dies noch Zukunftsmusik ist, liegen die neuen Tarife der Marego nicht mehr in so weiter Ferne. Ab 1. Januar gelten neue Fahrpreise, sie bedeuten eine durchschnittliche Erhöhung um 2,2 Prozent. Beckmann mochte aber lieber den Fokus auf neue Angebote richten. Dazu gehört das Azubiticket, das es Auszubildenden ermöglicht, in ganz Sachsen-Anhalt Busse, Straßenbahnen und Nahverkehrszüge für 50 Euro im Monat zu nutzen. Als ein weiteres Highlight nannte er das Schülerfreizeitticket. Für 20 Euro monatlich können Schüler damit kreuz und quer durchs Verbundgebiet fahren.