Bittersüße Kunst in Büden

Neue Sommerausstellung in der Büdener Mauritiuskirche zeigt die Malerei zweier Künstler aus Sachsen

Seit Sonnabend ist in der Mauritiuskirche in Büden die Ausstellung mit Werken zweier Künstler aus Sachsen zu sehen. „Realität süßsauer“ lautet der Titel, der beweist, dass sich Gegensätze durchaus anziehen können.

Von Stephen Zechendorf 18.07.2021, 15:37
Die Künstler C16 und Hans Klausnitzer im Gespräch mit der Vorsitzenden des Mauritiusvereines Birgit Jerems (v. re.).
Die Künstler C16 und Hans Klausnitzer im Gespräch mit der Vorsitzenden des Mauritiusvereines Birgit Jerems (v. re.). Foto: Stephen Zechendorf

Büden - Hans Klausnitzer experimentiert gerne mit Farben. Und das in zweierlei Hinsicht. Natürlich probiert er sich mit den Farben auf der Leinwand aus, arbeitet abstrakt, farbbetont, expressiv. Aber er probiert auch aus, wie man die Farben möglichst naturschonend herstellen kann: idealerweise aus Naturmaterialien.

Dem gelernten Winzer und Angestelltem in einem Lebensmittelgeschäft spielt dabei sein berufliches Umfeld in die Hände. Längst hat er herausbekommen, wie man aus Rotkraut und ein wenig Backpulver den Grundstoff für ein schönes Blau anmischen kann. Nimmt man noch mehr Backpulver, wird aus dem Blau ein Grünton. Unnötig, zu sagen, dass Rotkraut ohne Backpulver ein rotes Pulver ergibt.

Naturfarben sollen Leuchtkraft von Acryl erreichen

Die Farben, die Klausnitzer auf diese Weise anmischt, sind noch matt und nicht deckend. Auf dem ehemaligen Altar der Büdener Kirche hat der Künstler eine Auswahl seiner selbsthergestellten Farben ausgelegt. Ziel des 24-Jährigen ist es, Naturfarben herzustellen, die der Leuchtkraft von Acryl nicht nachstehen. Noch ist der Freiberger von diesem Ziel weit entfernt und malt deswegen auch noch mit künstlich erzeugten Acrylfarben. Doch es schmerzt ihn jedes Mal, wenn er die Pinsel unter fließendem Wasser auswäscht: „Das ist lauter Mikroplastik und belastet die Umwelt.“

Mit seinen natürlichen Farben – gerne auch mal auf ausgedienten Bettbezügen statt Leinwand – möchte Hans Klausnitzer seiner Umwelt etwas wiedergeben, die Kunst und Kreativität in einen naturfreundlichen Kontext einbetten.

Gemeinsame Malerei

Ganz anders arbeitet sein Ausstellungspartner, der sich den Künstlernamen „C16“ zugelegt hat, in Büden, aber aus seinem richtigen Namen kein Geheimnis macht. Der Dresdner Paul Zurheiden ist Graffiti-Künstler, arbeitet vorwiegend mit industriell hergestellten Sprayfarben und Textmarkern, dann wieder mit Pinsel oder Farbrolle. Schon durch die unterschiedliche Materialauswahl und die künstlerische Herangehensweise erklärt sich da der Titel der Ausstellung in Büden: „Bittersweet Reality – Realität süßsauer“.

Es spricht für die Freundschaft der beiden, dass eigens für die Ausstellung in der Büdener Mauritiuskirche gleich vier Bilder entstanden sind, welche die Künstler gemeinsam angefertigt haben. Dazu sind sie bei Dresden auf einen Berg geklettert und haben „plein air“ – also unter freiem Himmel – die vier Werke „Beauty Punk“, „Bittersweet Reality“, „Realität süßsauer“ und „Laufende Toffel“ gemalt. Zu haben einzeln zu je 212 beziehungsweise 93 Euro, oder als Konvolut für 450 Euro.

Zur Vernissage am Sonnabendnachmittag sind zahlreiche Kunstinteressierte aus der Umgebung und darüber hinaus gekommen. „Klausnitzer, das ist der mit den Blumen“, sagt eine Besucherin. Tatsächlich verewigt der Naturfarben-Nutzer auf vielen seiner Werke seerosen-ähnliche Blumen. Die Handschrift von „C16“ lässt sich dagegen an den dünnen bunten Linien erkennen.

Dankbarer Stadtchef

In der Büdener Kulturkirche mit ihren rohen Ziegelstein- und Feldsteinmauern kommen die Bilder der beiden Künstler unterschiedlich zur Geltung. Einerseits fügen sich die erdigen Naturfarben Klausnitzers fast schon zu perfekt in den Hintergrund ein, andererseits stehen die Motive von „C16“ teils im Kontrast mit dem ebenso unruhigen Hintergrund. So oder so: eine spannende Kunstbegegnung.

Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly (CDU) dankte am Tag der Vernissage den Mitgliedern des organisierenden Mauritiusvereines, aber auch allen anderen, die in dieser Zeit wieder Kultur organisieren: „Ich bin allen dankbar, die die Zeit genutzt haben, neue Wege zu finden, um Lebensfreude zu verbreiten. Genießen Sie das und nehmen Sie das mit in Zeiten, die wir alle noch nicht kennen. Wir werden an vielen Stellen anders denken und unser Leben umstellen müssen.“

Zu sehen ist die Ausstellung in Büden aktuell nur auf telefonische Terminvereinbarung unter der Nummer 0152 / 55709685.

Das Bild Iron Rain von Hans Klausnitzer.
Das Bild Iron Rain von Hans Klausnitzer.
Foto: St. Zechendorf
Farben, die die Natur bereithält: Hans Klausnitzer hat sie für sich entdeckt und macht aus  Pflanzen, Erde  und Gewürzen Farbpigmente.
Farben, die die Natur bereithält: Hans Klausnitzer hat sie für sich entdeckt und macht aus Pflanzen, Erde und Gewürzen Farbpigmente.
Foto: Stephen Zechendorf
PPhant 23 lautet der Titel dieses  Bildes des Künstlers "C16".
PPhant 23 lautet der Titel dieses Bildes des Künstlers "C16".
Foto: St. Zechendorf