Loburg l Als diese nämlich in den Jahren von 2002 bis 2005 aufwändig renoviert und restauriert worden war, hatten die Verantwortlichen beschlossen, auch die Blasebalgtechnik der Orgel wieder instand setzen zu wollen, mit der die Orgel ursprünglich mit Luft versorgt worden war.

Dieser Umstand sollte die Garantie für einen stromunabhängigen Konzertgenuss werden. Denn für die Luftzufuhr mussten früher (und können auch heute) drei einzelne Bälge bedient werden: mit dem Körpergewicht, welches abwechselnd auf einen von drei großen Balken gebracht werden muss.

Orgel-Experten sorgen für Luft in Pfeifen

Schnell wurden Kerzenständer zur Orgelempore und zum Blasebalg im Kirchturm gebracht. Es fanden sich im Publikum sogleich zwei Freiwillige, die die Arbeit im Blaswerk gerne übernehmen wollten. Es waren keine Geringeren, als der damalige Orgelrestaurator Klaus-Michael Schreiber und der Orgelsachverständige Andreas Kitschke.

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Beide waren nach Loburg gekommen, um den Organisten des Abend, Johannes Lang – Kantor an der Friedenskirche in Potsdam-Sanssouci, an der Kahrlingorgel zu erleben. Sicher hatten sie sich den Konzertabend etwas anders vorgestellt, fanden aber sichtlich Spaß an ihrem luftzuführenden Ehrenamt.

Körpergewicht nutzen

Wie der dreistöckige Blasebalg zu bedienen ist, wussten beide Orgelexperten freilich ganz genau. Unter Ausnutzung des Körpergewichtes wurde abwechselnd einer von drei Balken nach unten gedrückt, und das möglichst gleichmäßig.

Für alle anderen „Freiwilligen“ steht es aber auch noch mal auf einem Zettel: „Liebe Bälgetreter! Viel Kraft wird nicht benötigt. Aber bitte: Jeweils auf den oben stehenden Balken langsam, vorsichtig und mit Fußgefühl aufsteigen und – unten angekommen – auch so wieder absteigen. Bitte keine Hektik!“ Denn bei Hektik kommt der Luftfluss ins Stottern und das bekommen der Organist vorne und das Publikum durchaus mit. Die beiden Aushilfs-Bälgetreter machten ihre Sache selbstverständlich professionell, und so stand dem romantischen Konzert nicht viel im Wege.

Notenblätter und Improvisation

Der Potsdamer Organist Johannes Lang hatte sich für sein Konzert in Loburg vorab Gedanken gemacht und Werke herausgesucht, bei denen die Komponisten in einem Schüler-Lehrer-Verhältnis standen. Und so erklangen rund um die Trisonate III in d von Johann Sebastian Bach Werke von Dieterich Buxtehude, Jacob Praetorius, Jan Pieterszon Sweelinck, Johann Jacob Froberger und Matthias Weckmann.

Damit bewegte sich Johannes Lang zeitlich zwar überwiegend etwas vor der Entstehungszeit der Kahrlingorgel, dennoch passte die Musik zum Instrument. Das Instrument wurde 1705 vom Orgelbauer Andreas Kahrling erbaut und ist heute das einzige von ihm noch erhaltene Instrument. Es wird vermutet, dass das damalige klangliche und technische Konzept noch auf der Orgelbautradition des 17. Jahrhunderts beruhte.

Viel Lob für Orgel

Neben „vom Blatt“ gespielten Stücken gab es auch Improvisation von Johannes Lang. Der Organist lobte das Instrument ausdrücklich. Kennengelernt hatte er die Kahrlingorgel im Herbst 2017 bei einem Besuch in Loburg. Damals hatte Roland Theuring gefragt, ob Jung nicht ein Konzert geben könnte.