Königsborn l „Der Ortschaftsrat unterstützt das im Verkehrswegeplan 2030 angegebene Projekt“, heißt es in der Stellungnahme, die der Königsborner Ortschaftsrat am Dienstagabend verabschiedete. „Jedoch ist die in der Variante 1 beabsichtigte Streckenführung (durch Königsborn) für uns nicht akzeptabel“, geht die Erklärung der Ortschaftsräte weiter. Die Variante 1, das ist die Streckenführung, die das Landesverkehrsministerium Sachsen-Anhalts zum Bundesverkehrswegeplan angemeldet hatte. Sie beginnt nördlich von Heyrothsberge an der Bundesstraße 1 und führt zwischen Alt- und Neu-Königsborn hindurch, um dann parallel zur Bahnstrecke Biederitz-Trebnitz zu verlaufen und nördlich von Gommern zu enden.

Als erste Ortschaft der Gemeinde Biederitz hatten sich die Königsborner am Dienstag im Ortschaftsrat mit einer Stellungnahme zur geplanten Umgehung der Orte Heyrothsberge, Königsborn, Menz und Wahlitz befasst. Aus Königsborn war auch der meiste Widerstand gegen das Projekt gekommen. Bereits im Sommer 2019 hatte sich hier die Bürgerinitiative (BI) „Ortsumgehungsfrei“ gegründet und angefangen, Unterschriften zu sammeln. Die Bürgerinitiative will – ebenso wie die Ortschaftsräte – eine Teilung von Königsborn durch die geplante Ortsumgehung verhindern. Die Königsbornerin Andrea Bach hatte als Gründungsmitglied der BI und Anwohnerin des Mittelweges erklärt, dass die Lärm-Belastung durch zunehmenden Bahn- und Lkw-Verkehr in den vergangenen Jahren ständig gewachsen sei. Eine Ortsumgehung, die zwischen Alt- und Neu-Königsborn entlang führe, würde diese Belastung noch verschärfen.

Enorme Lärmbelastung zu erwarten

Das sehen auch die Königsborner Ortschaftsräte so. Sie sprechen von einer „extremen Belastung“, die mit dieser Variante der Umgehung einher gehen würde. „Bei dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen ist mit einer enormen Lärmbelastung zu rechnen, des Weiteren wird der Ort in zwei Teile zerteilt“, hält der Ortschaftsrat in seiner Stellungnahme fest. Zudem würde das so genannte Unterdorf zwischen Bahn und der neuen Bundesstraße 184 eingeschlossen. Die geplante Variante 1 ginge außerdem nah an der Wohnbebauung und der Kindertagesstätte vorbei. „Somit ist es aus unserer Sicht keine Ortsumgehung, sondern eine Ortsteilung für Königsborn“, wählen die Ortschaftsräte in ihrer Stellungnahme eine Formulierung, die auch die Bürgerinitiative so genutzt hatte. Das ist kein Zufall, denn der Stellungnahme des Ortschaftsrates gingen Gespräche mit Vertretern der Bürgerinitiative voraus, erklärte Ortsbürgermeister Andreas Wilhelmy auf der Sitzung des Ortschaftsrates.

Man will mit einer Stimme sprechen, um eine Teilung von Königsborn zu verhindern.

Coronavirus bringt Pläne durcheinander

Im Juni hatte die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalts neben der Anmeldevariante der Ortsumgehung zum Bundesverkehrswegeplan drei weitere mögliche Varianten der Streckenführung vorgestellt. Aufgrund der Corona-Pandemie geschah dies im kleinen Rahmen vor den betroffenen Gemeinde-, Stadt- und Ortsbürgermeistern. Eigentlich war eine öffentliche Veranstaltung vorgesehen, um auch Anwohnern die Möglichkeit zu geben, sich die Planungen anzuhören und anzuschauen. Doch das Coronavirus machte dem einen Strich durch die Rechnung. Die Veranstaltung soll eventuell im vierten Quartal dieses Jahres nachgeholt werden, hatte der Leiter der Landesstraßenbaubehörde, Stefan Hörold, bei der kleinen Informationsrunde erklärt.

Der Königsborner Ortschaftsrat unterstützt nun Planungen zur Ortsumgehung, die ebenfalls nördlich von Heyrothsberge an der Bundesstraße 1 beginnen, jedoch östlich von Neu-Königsborn an der Ortslage vorbeiführen und dann östlich oder westlich der vorhandenen Brücke über die Bahnstrecke bei Gommern enden. Die Ortschaftsräte schlagen außerdem die Planung eines Radweges oder Radschnellweges entlang der neuen Ortsumgehung vor. Ihre Stellungnahme soll jetzt dem Biederitzer Gemeinderat übergeben werden.