Burg/Parchau l Gegen 5 Uhr morgens ist es noch dunkel. Unterwegs sind zu dieser Zeit bereits die Zusteller, die unter anderem auch im Bereich des Parchauer Naherholunsgebietes die Volksstimme oder Briefe in die Kästen werfen. Auf dem Hauptweg im südlichen Bereich drehte am Sonnabend zu dieser Zeit auch ein Wolf seine Runden. „Der Zusteller hatte ein wenig Mühe sich zurechtzufinden und erzählte mir von seiner Begegnung“, erinnert sich Detlef Pakebusch, der ebenfalls zu den Frühaufstehern zählt. „Er berichtete von einem großen grauen Wolf. Das könnte auch der sein, den ich Wochen zuvor in der Nähe des Spielplatzes gesehen habe“, sagt der Vorsitzende der Bungalowgemeinschaft. Für ihn und auch Ortsbürgermeister Lutz Wernecke spricht vieles dafür, dass Isegrim doch regelmäßig das Erholungsgebiet aufsucht.

Auch deshalb wurden in den zurückliegenden Wochen durch Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums (WZI) Iden zwei Wildkameras installiert: eine in der Nähe des Sees, eine andere in der Feldmark. Allerdings brachte auch die zweite Auswertung von mehr als 600 Bildern keinen Foto-Erfolg. Isegrim konnte nicht eingefangen werden. Er nimmt vermutlich ganz verschiedene Wege.

Die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums und Ortschef Wernecke wollen allerdings nicht aufgeben. „Wir nehmen die Hinweise der Bevölkerung ernst“, sagten Julia Kamp und Simone Lühe gestern Morgen am Parchauer See. Und weil der schlaue Wolf bislang noch nicht an einer Wildkamera vorbeigelaufen ist, wurden jetzt in der näheren Umgebung weitere an Bäumen montiert. Als Grundlage für die zusätzlichen Standorte dienten die bisherigen geografischen Punkte, wo er gesichtet wurde und die Schätzung, welchen Streckenverlauf das Tier möglicherweise eingeschlagen hatte.

Zugleich wurde das Gebiet um den See gestern noch einmal abgesucht, um vielleicht auf Wolfsspuren oder -kot zu stoßen.

Auf Sorgen eingehen

Ob die Kameras nun optimal platziert wurden, bleibt ungewiss. Für Ortsbürgermeister Wernecke ist es aber wichtig, dass die WZI-Mitarbeiter auf die Sorgen der Parchauer eingehen und handeln. „Wir wollen keine Panik machen, aber viele Menschen haben Angst und sind beunruhigt.“

Die zusätzlichen Wildkameras sollen nun in der kommenden Woche ausgewertet werden. Sollten Spaziergänger oder Jogger zufälligerweise diese entdecken, bräuchten sie hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte keine Bedenken haben. „Die Bilder werden umgehend gelöscht. Wir verwenden nur solche vom Wolf“, so Kampf. Auch der Diebstahl der Technik ist übrigens nutzlos, weile jede Kamera über einen speziellen Sperrcode verfügt.

Nach Ansicht der Wolfsexperten besteht kein Grund zur Sorge. „Niemand muss sich fürchten“, versicherte Julia Kamp. Sollte es dennoch so genannte Problemwölfe geben, könnten diese auch heute schon geschossen werden.