Königsborn l Zwei Waschbecken sind unbenutzbar, zwei Toiletten ebenfalls. Ein Abfluss ist zugemauert worden, weil der Gestank unerträglich war. Die Traps (Geruchsverschlüsse, d. Red.) sind verkalkt und verkeimt, wie lange die veralteten Rohre noch halten, kann die zuständige Fachfirma nicht sagen.

„Wir können das nicht mehr lange hinnehmen“, sagt Sabrina Staevi vom Elternkuratorium bei der Übergabe der Petition für die Sanierung des Bades zu Gemeindebürgermeister Kay Gericke (SPD). Der ist sich, wie er sagt, bewusst, dass das Bad in der Kindertagesstätte „in keinem befriedigenden Zustand“ ist. „Da kann man locker einen DDR-Film drehen“, sagt Gericke. Gemeinderat, Ortschaftsrat und Verwaltung wüssten um die schlechten Verhältnisse. Seit 2017 werde intensiv versucht, eine Sanierung zu finanzieren. Ein Antrag auf Förderung durch das Programm Stark III wurde vom Land abgelehnt. Die 650.000 Euro, die in zwei Jahresscheiben für 2019 und 2020 für die Sanierung im Biederitzer Haushalt vorgesehen waren, hat die Kommunalaufsicht beim Landkreis aus dem Haushalt der Gemeinde wieder gestrichen. Die Gemeinde solle andere Lösungen finden, teilt der Landkreis in der Begründung mit.

Absage für Teilsanierung

Dem Wunsch des Elternkuratoriums, dass das Bad zumindest zum Teil saniert wird, erteilen Kay Gericke und Andreas Wilhelmy, Ortsbürgermeister von Königsborn, eine Absage. Sie hoffen stattdessen, dass in den kommenden Jahren eine Gesamtlösung in Form eines Neubaus möglich sein wird. Gericke stellt Mittel in Aussicht, die ab dem kommenden Jahr in Form einer Kommunalpauschale vom Land fließen sollen. Für Biederitz wären das 190.000 Euro. Das wäre ein Anfang. Ob die Mittel allerdings in Königsborn eingesetzt werden, das ist nicht gesagt. Denn der Gemeindrat entscheidet, in welche „Baustelle“ das Geld investiert wird. Und solche Baustellen gibt es viele, auch in anderen Kindertagesstätten der Gemeinde. So wie im „Storchennest“ in Biederitz, wo Erzieher und Kinder in sehr beengten Verhältnissen untergebracht sind und wo Risse an den Wänden und veraltete Sanitäranlagen ebenfalls der Sanierung bedürfen.

82 Unterschriften hat das Elternkuratorium für seine Petition gesammelt. Die Eltern bieten darüber hinaus an, einen Spendenaufruf zu starten. „Wir wünschen uns eine offene Kommunikation miteinander“, sagt Sabrina Staevi. „Wir möchten auf dem Laufenden gehalten werden und gemeinsam überlegen, wie wir das hinkriegen können.“

Schließung bei Kindeswohlgefährderung

„Wir haben gehört, dass das Gesundheitsamt das Bad vielleicht schließen könnte“, sagt Evelin Milling vom Elternkuratorium. „So etwas ist möglich, wenn das Kindeswohl gefährdet ist“, antwortet Kay Gericke. Eine solche Gefährdung sehe er nicht. Das Jugendamt prüfe regelmäßig auch die Kindertagesstätte in Königsborn und habe das bisher ebenfalls nicht festgestellt. „Sollte das eintreten, dann müssen wir die Kinder im ehemaligen Jugendclub in Gerwisch unterbringen“, sagt Gericke. Dort seien die Sanitäranlagen in Ordnung. Evelin Milling ist sicher, dass es die Eltern auf die Barrikaden bringen würde, wenn sie ihre Kinder nach Gerwisch bringen müssten.

Inzwischen gebe es anonyme Mails an die Gemeinde, in denen von einer Gesundheitsgefährdung durch das unsanierte Bad die Rede ist, berichtet Gericke. Der Gemeindebürgermeister lässt keinen Zweifel daran, dass eine Unterbringung der Gruppe in Gerwisch die vorerst einzige Option ist, sollte das Bad gesperrt werden.

Sanierung oder neuer Anbau als Lösung?

Bauamtsleiter Christian Karius informiert die Elternvertreter, dass inzwischen ein Planer beauftragt ist zu prüfen, ob sich eine Sanierung lohnt oder ein neuer Anbau die bessere Lösung ist. Geprüft werde auch, wie eine Zwischenlösung aussehen könnte.

Sie wollen im Gespräch bleieben, versichern sich Gemeinde- und Ortsbürgermeister und die Vertreter des Elternkuratoriums: über mögliche Spendenaufrufe, Zwischenlösungen und eine Gesamtlösung für das veraltete und unhygienische Bad in der Kita. Am 23. Januar 2020 treffen sie sich erneut im Büro des Gemeindesbürgermeisters.