Burg l Ihr wissenschaftlicher Name ist Salicornia. Umgangssprachlich wird sie als Meeres- oder Seespargel bezeichnet, doch auch dieser Begriff hat wohl keinen hohen Bekanntheitsgrad. Ken Dohrmann und Julian Engelmann wollen diese Salzpflanze nun in Burg anbauen und in der Gastronomie vermarkten. In den alten Gewächshäusern an der Magdeburger Chaussee werden derzeit die Beete eingerichtet. Die beiden sind optimistisch, dass ihr Projekt „Salzpflanzen aus Sachsen-Anhalt“ ein Erfolg werden kann. Und damit stehen sie nicht allein da. Sie werden aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) gefördert.

Die berufliche Kombination ist ungewöhnlich. Dohrmann ist Landwirt, Engelmann Geologe. „Für das Projekt ist das aber ganz hervorragend“, sind sich beide einig. Schließlich sind für das Anpflanzen Pudersalz aus Bernburg, Sole aus Staßfurt oder auch die Rückstände aus dem Kalibergbau in Zielitz notwendig, der Part des Geologen. Denn die Pflanzen brauchen Salzwasser.

Regionalität gehört zum Geschäftsmodell

Der Anbau liegt dann in landwirtschaftlicher Hand. Ungewöhnlich ist allerdings auch, wie die beiden sich kennengelernt haben. „Unsere Partnerinnen sind Schwestern“, verriet Engelmann. Und so führte ihn sein Weg aus der Nähe von Frankfurt/Main und Dohrmanns Weg aus der Region Hannover nach Magdeburg, der Heimatstadt der beiden Frauen.

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Vor etwa zwei Jahren kamen sie auf die Idee, mit der Gründung der Firma Grow Up Salicornia eine neue berufliche Perspektive zu eröffnen. Sie holten sich Partner an die Seite, um die Möglichkeiten der Veredelung und Vermarktung zu untersuchen. Und die schätzen sie als sehr gut ein, ist die Salzpflanze auch derzeit fast nur in Gourmetkreisen bekannt. „Es geht um eine neue Ernährung“, sagte Engelmann. Dafür sei man in den Studentenstädten sehr aufgeschlossen. Magdeburg, Halle und Leipzig nannte er als Beispiele, auch Berlin und Hannover seien nicht zu weit weg.

Anbau erstmals in Sachsen-Anhalt

Regionalität sei ein wichtiges Stichwort bei den aktuellen Ernährungstrends. Die Salzpflanze werde derzeit zwar schon in Deutschland gehandelt, aber eben nur als Importware. Mit dem ersten Anbau in Sachsen-Anhalt werde sie zum regionalen Produkt. „Regional, das gilt für einen Umkreis von 100 Kilometern und darin sind einige Städte“, sagte Engelmann. Eine neue Zutat, die abgefahren daherkommt, die könnte doch Ansporn für die Gastronomie sein. Als „grün, knackig, salzig-würzig“ wird sie beschrieben, sie kann mit ihren von Hand geschnittenen frischen Spitzen Menüs als Rohkost oder auch blanchiertes Gemüse bereichern. „Üblicherweise wird sie immer in die Fischecke gedrückt, aber sie passt auch hervorragend zu jedem roten Fleisch“, führte er aus.

Getrockneter und gemahlener Salicornia bietet zudem als Kräutersalz eine geschmacksintensive und nebenbei blutdruckregulierende Alternative zum Kochsalz. Der Natriumgehalt ist gering, stattdessen ist der Queller, so ein anderer Begriff für die Pflanze, reich an Kalium, Magnesium, Kalzium und Jod. Er enthält zudem Ballaststoffe, Vitamine und essenzielle Aminosäuren. So könnte getrockneter, vermahlener Salicornia auch für Bäcker oder Hersteller von Chips oder Fertigmenüs interessant sein.

Nischenprodukt muss bekannter werden

So laufen die Planungen auf Hochtouren. „Wir sind jetzt dabei, die Beete anzulegen und Drainagen zu installieren“, erklärte Dohrmann. Ende Mai, Anfang Juni soll es die ersten Testverkäufe geben. Natürlich sei die Salzpflanze ein Nischenprodukt und müsse erst in der Breite bekannt gemacht werden.

Doch der Zeitplan passt zur derzeitigen Situation mit den Eindämmungsmaßnahmen. Gastronomen, die wegen Corona ihr Restaurant geschlossen halten müssen, werden sich für neue Ideen nur schwer begeistern lassen.

Weitere exotische Pflanzen auf dem Plan

Wenn dann aber die ersten in Sachsen-Anhalt angebauten Salzpflanzen auf den Tellern der Region und darüber hinaus gelandet sind, haben die beiden noch andere Pflanzen in petto. Dohrmann hat schnell einige Beispiele parat: „Seefenchel, Eiskraut, Seeaster …“