Zerbst l Die angestrebte systematische Vernichtung des jüdischen Volks fand in der Pogromnacht zum 10. November 1938 ihren Anfang – deutschlandweit, auch in Zerbst.

Die kurz vorher noch geschätzten jüdischen Nachbarn, Kaufleute und ehrbaren Bürger der Stadt wurden auf einmal als minderwertig gesehen, verspottet, angefeindet und letztlich angegriffen.

Die Unmenschlichkeit, die die Nationalsozialisten dabei an den Tag legten, ist etwas „ungeheuerlich Einmaliges“, formulierte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) gestern bei der Gedenkstunde am Platz der ehemaligen Synagoge. „Deshalb muss dort, wo es geschah, nämlich hier, in der Mitte der Gesellschaft, nicht nur aus Staatsräson oder politischer Korrektheit, sondern aus innerster Selbstverständlichkeit dieser Barbarei gedacht werden“, begründete er.

Keine der damals ansässigen jüdischen Familien lebt mehr in Zerbst. Was mit ihnen passierte, wurde fast schmerzhaft deutlich von zwei Gymnasiastinnen vorgetragen. Verschleppt, deportiert, verzogen und dann verschleppt, häufig sind Vernichtungslager zu hören. Nur wenige konnten noch flüchten – nach Amerika, nach Palästina. „Ja, es schmerzt, sich diese Ereignisse in Erinnerung zu rufen. Es hilft dabei auch nicht, darauf zu verweisen, dass die Synagoge in der Endkonsequenz ein Opfer des Bombardements und der Feuersbrunst am 16. April 1945 wurde“, sagt Dittmann. Etwa 40 Leute nahmen an dem Gedenken teil.

Beendet wurde die Veranstaltung mit einer jüdischen Tradition, bei der man einen Stein auf das Grab legt. In Zerbst wurden wieder Steine an den Platz der ehemaligen Synagoge gelegt.