Burg l Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) höchstselbst war 2018 Schirmherr des Benefizkonzertes von „Netzwerk Leben“ im Roland-Gymnasium. Üblicherweise ist der Schirmherr dann auch bei dem kulturellen Ereignis in der Aula persönlich anwesend. Doch im Dezember 2018 klappte das nicht. „Er musste einen dringenden bundespolitischen Termin wahrnehmen“, erzählte Konzert-Mitorganisator Bernd Felscher am Mittwoch im Gespräch mit der Volksstimme. So wurde es also nichts mit dem Besuch des Ministerpräsidenten.

Auch ein zweiter Anlauf scheiterte. Wieder musste Haseloff kurzfristig absagen, Felscher bekam einen Anruf aus der Staatskanzlei, dass etwas Wichtiges dazwischengekommen sei. „Dafür haben wir natürlich Verständnis“, unterstrich Felscher. Mal war es Bundeskanzlerin Angela Merkel, mal Innenminister Horst Seehofer. Doch nun haben die Ehrenamtlichen des Netzwerkes wieder Vorfreude getankt.

Führung durch den Amtssitz

Wenn es nun schon zweimal nicht in Burg geklappt hat, dann klappt es vielleicht im dritten Anlauf in Magdeburg, mag sich Haseloff gedacht haben. Fest steht jedenfalls, „dass es ihm sehr leid getan hat, dass das Treffen mehrmals abgesagt werden musste“, wie Regierungssprecher Matthias Schuppe die Volksstimme auf Nachfrage wissen ließ. Und fest steht auch, dass Netzwerk Leben am Sonntag, 19. Januar, in die Staatskanzlei eingeladen ist. Reiner Haseloff wird seine Besucher durch das Palais am Fürstenwall führen, danach auch für eine persönliche Gesprächsrunde zur Verfügung stehen. Fast ausschließlich für die Ehrenamtlichen aus dem Jerichower Land nimmt sich das Landesoberhaupt Zeit. Vorher hat er nur noch einen Termin mit dem karnevalistischen Landesverband.

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„Und an einem Sonntag kann eigentlich nicht soviel dazwischen kommen“, meinte der Regierungssprecher schmunzelnd – um sich dann gleich zu korrigieren: „Am 12. hat er einen Termin im Bundeskanzleramt, das ist auch ein Sonntag“.

Spendensammlung bei Benefizkonzert

Das mittlerweile schon traditionelle Benefizkonzert des Netzwerks Leben im Roland-Gymnasium gehört nicht nur zu den kulturellen Höhepunkten in der Stadt, sondern dient der wohltätigen Organisation auch dazu, Spenden zu sammeln. Die fließen dann wiederum in die Weihnachtspäckchenaktion, mit der zahlreichen Familien im gesamten Landkreis eine Freude bereitet werden soll.

Neben Mitgliedern der katholischen Gemeinde packen auch Roland-Gymnasiasten sowie Diesterweg- und Albert-Einstein-Schüler die im Schnitt 130 Pakete. Im vergangenen Jahr gingen Geschenke in rund 50 Haushalte. Anonymisierte Wunschzettel, etwa „allein erziehende Mutter, Mädchen, eineinhalb Jahre“, sollen das Zusammenstellen erleichtern.

Netzwerk offen für jedermann

Doch mit der Aktion ist das Engagement der zwölfköpfigen Regionalgruppe noch längst nicht erschöpft. Bereits seit 2002 ist das Netzwerk, eine Initiative der katholischen Kirche, offen für jedermann und für in Not geratene junge Frauen und Familien da. Geholfen wird bei Behördengängen, kleineren Umzügen, Renovierungsarbeiten, stundenweiser Kinderbetreuung, Fahrdiensten. „Ob Familien, Alleinerziehende oder Migranten, wir helfen, wo es gebraucht wird“, zählte Gabriele Pospieszny von Netzwerk Leben einmal die Zielgruppen auf.

Die Regionalgruppe Burg ist eine von sieben Netzwerkgruppen in Sachsen-Anhalt. Deren Arbeit wird von zahlreichen Caritas-Beratungsstellen unterstützt. Der Bedarf an Hilfe und Unterstützung ist hoch, auch im Jerichower Land. Etwa jedes vierte Kind dürfte von Armut betroffen sein. „Und betroffene Kinder bedeuten betroffene Familien“, fasste es die Schirmherrin 2019, Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD), zusammen.